Verbot nach 40 Jahren aufgehoben 4000 iranische Frauen besuchen Fußballspiel in Teheran

Iran gewinnt in der WM-Qualifikation 14:0 gegen Kambodscha. Der hohe Sieg wird zur Nebensache, weil erstmals nach 40 Jahren wieder Frauen ins Stadion durften. Kritik an den Bedingungen gab es trotzdem.
Weibliche iranische Fußball-Fans im Azadi Stadion

Weibliche iranische Fußball-Fans im Azadi Stadion

Foto: Atta Kenare/AFP

Ein Blick ins weite Rund des Azadi Stadions in Teheran hat gezeigt, wie gering der sportliche Wert des iranischen WM-Qualifikationsspiels gegen Kambodscha an diesem Nachmittag war. Sehr viele der 78.000 Plätze blieben leer, trotzdem war es ein historischer Tag.

Zum ersten Mal nach fast 40 Jahren durfte eine zuvor festgelegte Anzahl an Frauen Karten für ein Fußballspiel kaufen. Medienberichten zufolge sahen zwischen 3500 und 4000 Frauen einen 14:0 (7:0)-Heimsieg für den Iran. In der Zwischenrunde der asiatischen WM-Qualifikation liegt Iran nach zwei Siegen auf Platz eins und wird als WM-Teilnehmer 2018 der Favoritenrolle bisher gerecht.

Für die Iranerinnen ging es jedoch um viel mehr als nur um Fußball. Für sie ist es ein großer Erfolg in ihrem jahrzehntelangen Kampf gegen die strengen islamischen Vorschriften des erzkonservativen Klerus und gegen ihre Diskriminierung im Land.

Die weiblichen Fans füllen vier Blöcke im Azadi Stadion

Die weiblichen Fans füllen vier Blöcke im Azadi Stadion

Foto: Atta Kenare/AFP

Schon vier Stunden vor dem Spiel kamen die Frauen mit Iran-Flaggen umhüllt und "Victory"-Zeichen in dem Sportkomplex an. Einige von ihnen weinten gar vor Glück. Unter dem Hashtag "Komm mit mir ins Stadion" reflektieren sie mit Bildern und Videos ihren ersten Stadionbesuch - und den damit verbundenen historischen Tabubruch. Zu diesem Erfolg trug auch die Fifa bei. Der Fußball-Weltverband hatte mit einem Ausschluss des Irans von der WM im Nachbarland Katar gedroht, falls Frauen der Eintritt weiterhin verboten wird.

Offen bleibt, ob Frauen im Iran auch in Zukunft ohne Einschränkungen ins Stadion gehen dürfen. Als im Oktober 2018 zum ersten Mal seit 37 Jahren Frauen ein Fußballspiel im Iran besuchen durften, schaltete sich daraufhin der Generalstaatsanwalt ein undsprach von einer "Sünde".

Kritik an der Trennung zwischen Männern und Frauen

Für die Frauen hatte das Sportministerium dieses Mal vier separate Tribünen mit einer Kapazität von ungefähr 4000 Sitzen errichtet. Außerdem wurden extra für die Frauen weibliche Polizisten, Notärzte und Stadionführer eingesetzt. Die Frauen-Tickets waren in kürzester Zeit ausverkauft - viel mehr Zuschauer kamen nicht ins Azadi Stadion. Die Frauen fordern für die kommenden Spiele zumindest zwei weitere Tribünen und ein höheres Ticketkontingent.

Für Kritik sorgten die extra für das Spiel umgebauten Zäune, die die vier Frauentribünen von denen der Männer trennen sollen. "Wollt ihr uns etwa in einen Käfig sperren, um uns vor den Männern zu schützen", protestierte eine Iranerin auf Twitter. Außerdem fordern sie vom Sportministerium Familien- und nicht nur Frauentribünen, damit auch ihre Ehemänner und Söhne sie begleiten können.

Wegen der Frauen-Premiere war auch das Medien-Interesse sehr groß. Es gab jedoch Einschränkungen seitens der Behörden. Weiblichen Fotografen wurden keine Akkreditierungen gegeben, obwohl dies vom Sportministerium vorher versprochen worden war. Die männlichen Fotografen und TV-Teams durften zudem keine Bilder vom Eintritt der Frauen ins Stadion machen.

krä/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.