Iran-Reise Bayern-Manager Hoeneß hat keine Bedenken

Das gut dotierte Gastspiel des FC Bayern München in Teheran sorgt für einigen Wirbel. Die Regierung des Landes wird verdächtigt, den deutschen Meister zu Propagandazwecken zu missbrauchen. Bayern-Manager Uli Hoeneß hat aber seine eigene Sichtweise.


Dubai - "Kommunikation ist wichtig, nicht Konfrontation", sagte der 54-Jährige im Trainingslager der Bayern in Dubai. Hoeneß besteht auf die Trennung von Sport und Politik. "Wir spielen für das Volk und nicht für das Regime", betonte er und fügte hinzu: "Wir wollen eine reine Reduktion auf das Fußballspiel."

Manager Hoeneß (mit Journalisten in Dubai): Die passenden Worte finden
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Manager Hoeneß (mit Journalisten in Dubai): Die passenden Worte finden

Das Gastspiel der Bayern am Freitag bei Persepolis Teheran war wegen der antisemitischen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und der Wiederaufnahme der Atomprogrammes des Landes kritisiert worden. Zudem wurden Befürchtungen laut, dass Ahmadinedschad den Auftritt der Münchner im Azadi-Nationalstadion zu einer weiteren Machtdemonstration nutzen könnte. Hoeneß sagte dazu: "Ich habe mich noch nie in meinem Leben vereinnahmen lassen." Ansonsten werde er "schon die passenden Worte" finden.

Das wird er wohl müssen, denn Mohammad-Hassan Ansarifard, Vorstandschef von Persepolis, sagte, dass "die politischen Aspekte des Spiels genauso wichtig für uns sind wie die finanziellen". Durch die Reise des deutschen Meisters werde demonstriert, dass es keine politischen Bedenken gegen den Iran gebe.

Umstritten ist die Reise auch wegen der Verbindungen des gastgebenden Vereins zum iranischen Regime. Offenbar wird Persepolis von der Pahlewi-Stiftung finanziell unterstützt, die von der radikalen Jugend- und Massenorganisation Bassidsch geführt wird. Diese Gruppierung wird dem extremen Flügel im System zugerechnet und mobilisiert den fanatischen Teil der Anhänger von Präsident Ahmadinedschad. Angeblich sollen die Bayern für das Freundschaftsspiel 250.000 Euro Gage bekommen. Auf weitere Gastgeschenke werde der Verein aber verzichten, kündigte Hoeneß an. "Wir wollen nicht noch Wasser auf die Mühlen derjenigen gießen, die uns kritisieren."

Für Persepolis spielte von 1998 bis 2002 der Bayernprofi Ali Karimi, der das Gastspiel seines neuen Clubs in seinem Heimatland als große Ehre bezeichnete. "Das ganze Land freut sich auf dieses Spiel", sagte der populärste Fußballer des Iran.



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