Irrlichternde Bundesliga-Bosse Laiendarsteller auf großer Bühne

Immer wieder reden geltungssüchtige Vereinspräsidenten über Dinge, von denen sie nichts verstehen. Zum Beispiel über Fußball. RUND-Autor Christoph Ruf nennt Namen - und stellt fest, dass sich die Befähigung der Bosse mitunter auch am Tabellenstand ablesen lässt.

Kennen sie Jürgen L. Born? Nein? Sollten Sie aber. Denn Bremens Präsident, der sich hanseatisch bescheiden "Vorsitzender der Geschäftsführung" nennt, ist einer der besten der Liga. Dass Sie nie von ihm gehört haben, ist der beste Beweis dafür. Born ist ein erfolgreicher Kaufmann. Er sorgt auch bei Werder dafür, dass man keinen Euro mehr ausgibt, als man zuvor eingenommen hat. Ob er Tim Wiese oder Andreas Reinke für den besseren Torwart hält, weiß man nicht.

Auch Ulrich Lepsch ist bundesweit weithin unbekannt. Allerdings spricht vieles dafür, dass das den Mann wahnsinnig wurmt. Jedenfalls brach er vergangene Woche aus der Anonymität, als er öffentlich den Trainer in Frage stellte. Petrik Sander habe nämlich den Fehler begangen, Tomislav Piplica und nicht Gerhard Tremmel ins Cottbuser Tor zu stellen. Wieso Herr Lepsch meint, so etwas beurteilen zu können, ist rätselhaft. Dem Vernehmen nach ist er genauso oft beim Training wie seine Kollegen von anderen Vereinen, nämlich so gut wie nie.

Merkwürdigerweise sind in dieser Branche jedoch viele der Meinung, sie verstünden etwas von Fußball, nur weil sie sich alle zwei Wochen auf die Haupttribüne ihres Stadions setzen. Was Herr Lepsch dort sieht, sei dahingestellt. Jedenfalls offenbar nicht, dass Energie eine mannschaftstaktisch hervorragend geschulte, intelligent verteidigende Mannschaft ist. Einem Trainer, der aus einer Ansammlung allenfalls mittelmäßiger Individualisten ein solches Team formt, sollte man goldene Brücken bauen, anstatt ihn öffentlich zu kritisieren. Vor allem aber sollte man ihm zutrauen, dass er den weniger schlechten von zwei Keepern ins Tor stellt.

Doch damit genug geschimpft über den braven Cottbuser Sparkassendirektor, der nebenbei dem Fußballverein Energie vorsteht. Er ist ja kein Einzelfall, die Liga hat ein grundsätzliches Problem: Kein Boss einer Bank würde in sein Amt kommen, ohne von Finanzwirtschaft Ahnung zu haben. Im Fußball hingegen meinen Politiker, Industriekapitäne und andere Laien, an leitender Position mitreden zu können.

So wie Rolf Königs aus Mönchengladbach. Wer dem Mann zuhörte, musste alles andere als die direkte Qualifikation für die Champions League als Enttäuschung empfinden. Was folgte, war Kreisklasse: alle paar Monate ein neuer Trainer, eine wirre Einkaufspolitik, Abstiegsgefahr. Das Ganze garniert mit populistischen Sprüchen, ein Funktionär, der sich als oberster Fan seines Vereins verstand.

Wie sein Kölner Pendant Wolfgang Overath, der zwar etwas vom Sport versteht, aber die große Bühne zu sehr schätzt, als dass er sie mit kompetenten Mitarbeitern zu teilen bereit wäre. Schwache Chefs installieren eben schwache Mitarbeiter. Wer nicht in das passt, was in Köln ein Konzept ersetzt, wird dann wie der frühere Trainer Marcel Koller (inzwischen VfL Bochum) oder zuletzt der FC-Stürmer Patrick Helmes coram publico abgewatscht. In Stuttgart hingegen geht es aufwärts, seit mit Horst Heldt ein intelligenter Mann aus dem Fach auf dem Managerstuhl sitzt; der polternde Arbeitgeberpräsident, VfB-Aufsichtsratsboss und Fußball-Agnostiker Dieter Hundt hat seither Sendepause.

In Zeiten, in denen Erstligavereine mittelständische Unternehmen mit Millionenumsätzen und teilweise dreistelligen Angestelltenzahlen sind, müssen ihre Präsidenten in jedem Fall über solides ökonomisches Wissen, über gute Kontakte und soziale Intelligenz verfügen. Der beste Präsident ist also selbst ein Fachmann. Oder einer, der sich mit kundigen Leuten umgibt und sich ansonsten strikt aus dem sportlichen Bereich heraushält.

Es ist kein Zufall, dass der FC Bayern seit Jahrzehnten so erfolgreich ist. An der Spitze stehen mit Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender) und Uli Hoeneß (Manager) zwei Vollprofis. Vielleicht sollten die Lepschs und Overaths der Republik also einfach nur mal auf die Tabelle schauen: Bayern, Bremen und Stuttgart stehen da, wo sie hingehören. Gladbach und Köln auch.

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