Hoffenheims Stürmer Ishak Belfodil Der sanfte Hüne

Er ist groß, bullig: Ishak Belfodil sieht aus wie ein klassischer Strafraumstürmer. Dabei ist er viel mehr. Dass Hoffenheims Angreifer seine Stärken entfaltet, liegt auch an Trainer Julian Nagelsmann.
Von Tobias Escher
Hoffenheims Ishak Belfodil

Hoffenheims Ishak Belfodil

Foto: Alex Grimm/ Bongarts/Getty Images

Dass er ein Mittelstürmer sei, das sei ein Missverständnis, sagt Hoffenheims Ishak Belfodil, der mit der TSG am Abend bei RB Leipzig antritt (20.30 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE; Stream: Eurosportplayer). Das Problem: Als solcher war er verpflichtet worden. Das war im Herbst 2017 gewesen, kurz nachdem Werder Bremen den Algerier unter Vertrag genommen und im Angriffszentrum eingesetzt hatte.

"Die Leute, die mich nicht kennen, denken: 'Ich bin groß und robust, ich muss ein Neuner sein und Tore machen.' Aber das bin ich nicht", sagte Belfodil damals. Er sei ein Zehner, ein offensiver Mittelfeldspieler also.

Das Missverständnis kam nicht von ungefähr. Belfodil, 27, wirkt bullig, 86 Kilogramm bringt er auf die Waage, misst 1,92 Meter Körpergröße. Mittlerweile spielt Belfodil für Hoffenheim, und er blüht dort auf, wie so viele Spieler, die unter Julian Nagelsmann trainieren. Der Coach weiß das ungewöhnliche Talent Belfodils zu nutzen.

Belfodil, Sohn algerischer Einwanderer, wuchs in einem Vorort von Paris auf. Er habe dort zunächst auf der Straße gekickt, sagte er einmal der "Deichstube" . Man sieht ihm das noch heute an, im positiven Sinne. Dann nämlich, wenn er in der Bundesliga mit Dribblings und Finten auf engem Raum an seinen Gegenspielern vorbeikommt.

In der Tat spielt Belfodil wesentlich filigraner, als dies auf den ersten Blick den Anschein macht. Seine Ballverarbeitung ist stark, er führt den Ball dank seiner hervorragenden Technik eng am Fuß. Zudem überzeugt Belfodil durch seine Explosivität, auf den ersten Metern verschafft er sich einen Vorsprung gegenüber seinen Gegenspielern. Er sucht daher häufig das Eins-gegen-Eins.

Nur im Strafraum auf Zuspiele zu warten ist nicht seine Sache. Schon bei Werder kam er, vor allem nachdem Trainer Florian Kohfeldt seinen Vorgänger Alexander Nouri abgelöst hatte, immer häufiger auf der rechten Außenbahn zum Einsatz.

So richtig blüht er jedoch erst auf, seit er mit Nagelsmann arbeitet. In Hoffenheim darf Belfodil zwar noch immer nicht auf seiner favorisierten Zehner-Position auflaufen. Als zurückfallender Stürmer ist er jedoch stärker in das Passspiel seines Teams integriert. Häufig lässt er sich fallen, sucht das Zusammenspiel mit seinen Mitspielern.

In Hoffenheim hat sich Belfodil besonders stark in kleinen Details verbessert. Seine Positionierung auf dem Feld ist intelligenter, seine Laufwege helfen dem Team. Belfodil selbst sagt, er habe unter Nagelsmann "viel Taktisches gelernt, Pressingverhalten, das richtige Anlaufen und so weiter." Gerade das Verhalten im Spiel gegen den Ball zählte in Bremen noch zu seinen größten Schwächen.

Belfodil reiht sich in die lange Liste der Spieler ein, die sich unter Nagelsmann weiterentwickelt haben. Mittelfeld-Stratege Kerem Demirbay gehört ebenso dazu wie Außenverteidiger Nico Schulz oder Vize-Weltmeister Andrej Kramaric. Belfodil hat vor allem gelernt, sein Tempo noch besser einzusetzen. Er lauert häufig an der Grenze zum Abseits auf Zuspiele und startet im richtigen Moment hinter die Abwehr.

Dass Belfodil kein Vollblutstürmer ist, beweist seine Torausbeute: Von den Bundesliga-Angreifern, die mehr als 500 Minuten absolviert haben, kommt nur Paco Alcácer auf mehr Abschlüsse pro gespielter Minute. Der Dortmunder Angreifer erzielte zwölf Tore, Belfodil nur sieben. Hoffenheims Stürmer braucht fast sieben Schüsse pro Tor, bei Alcácer sitzt jeder dritte Schuss.

Mit dieser Schwäche steht Belfodil sinnbildlich für das gesamte Hoffenheimer Team. Die Chancenverwertung ist die große Schwachstelle von Nagelsmanns Mannschaft. Zuletzt schien der Knoten bei Hoffenheim geplatzt zu sein - und bei Belfodil. Drei Tore erzielte er gegen Dortmund und Hannover.

Seine vergangenen beiden Bundesliga-Treffer gelangen ihm übrigens per Kopf. Auch wenn Belfodil mehr ist als nur ein klassischer Strafraum-Stürmer: Kopfbälle beherrscht der Hüne natürlich auch. Ein bisschen Neuner steckt eben doch in ihm.

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