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15. Juli 2012, 16:54 Uhr

WM-Vergabe 2006

Beckenbauer und DFB weisen Blatter-Vorwürfe zurück

Verärgert haben Franz Beckenbauer und der DFB auf Vorwürfe von Fifa-Präsident Joseph Blatter reagiert. Beckenbauer könne die Andeutungen des Schweizers nicht nachvollziehen, für den DFB sind sie völlig haltlos. Blatter hatte Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der WM 2006 angedeutet.

Hamburg - Franz Beckenbauer hat die Äußerungen von Fifa-Präsident Joseph Blatter zu möglichen Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der WM 2006 scharf zurückgewiesen. "Ich kann die Äußerungen und Andeutungen nicht nachvollziehen", sagte der Chef des damaligen WM-Organisationskomitees der "Bild"-Zeitung. "Er irrt ja schon beim Ergebnis. Es war 12:11 für uns, nicht 10:9. Entscheidend war, dass die acht Europäer geschlossen für uns gestimmt haben", so der 66-Jährige.

Blatter, der sich zuletzt im Zuge der Einführung der Torlinientechnik als Reformer inszeniert hatte, gab der Schweizer Boulevardzeitung "SonntagsBlick" ein umstrittenes Interview. Darin deutete er die Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der WM 2006 an. "Gekaufte WM - Da erinnere ich mich an die WM-Vergabe für 2006, wo im letzten Moment jemand den Raum verließ. Und man so statt 10 zu 10 bei der Abstimmung ein 10 zu 9 für Deutschland hatte", so der Fifa-Präsident. Auf die Nachfrage, ob er vermute, dass die WM gekauft worden sei, antwortete der Fifa-Boss: "Nein, ich vermute nichts. Ich stelle fest."

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) äußerte sich erbost über die Anschuldigungen. "Diese nebulösen Andeutungen sind völlig haltlos und scheinen vor allem den Zweck zu haben, von den aktuellen und aktenkundigen Vorgängen ablenken zu wollen", sagte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sagte, er sei von Blatters Reaktion schockiert. "Wenn nicht unbedeutende Persönlichkeiten der Fifa Geld kassiert haben und die Reaktion darauf ist, dass das damals nicht verboten war, dann können wir uns als DFB davon nur klar distanzieren", sagte Niersbach am Samstag bei der DFB-Schiedsrichtertagung in Altensteig-Wart.

Blatter steht nach den Enthüllungen in der Fifa-ISL-Affäre erneut stark in der Kritik. Der frühere brasilianische Fifa-Präsident João Havelange und sein Landsmann Ricardo Teixeira hatten vornehmlich in den Neunziger Jahren vom mittlerweile insolventen Medien- und Marketingunternehmen ISMM/ISL Schmiergeld in Millionenhöhe erhalten. Dies geht aus der am Mittwoch veröffentlichten Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zug hervor.

Zwar wird Blatter darin nicht namentlich erwähnt, allerdings "steht nicht in Frage, dass die Fifa Kenntnis von Schmiergeldzahlungen hatte". Daraufhin forderte der Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL), Reinhard Rauball, Blatters Rücktritt. Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger, der der Fifa-Exekutive angehört, verlangte Konsequenzen für Havelange.

max/dpa

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