SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

11. Juli 2012, 21:09 Uhr

ISL-Affäre

Havelange und Teixeira kassierten Schmiergelder

Millionen-Schmiergelder für João Havelange und Ricardo Teixeira: Wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht, haben der ehemalige Fifa-Präsident und sein Schwiegersohn im Rahmen der ISL-Affäre Millionen kassiert. Auch Fifa-Chef Blatter gerät unter Druck.

Hamburg - Der ehemalige Fifa-Präsident João Havelange und sein ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixeira haben über mehrere Jahre Schmiergelder in Millionenhöhe angenommen. Das geht aus Gerichtsdokumenten hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurden.

Der 96 Jahre alte Brasilianer Havelange, der von 1974 bis 1998 der Fifa vorgestanden hatte, erhielt demnach im Jahr 1997 1,5 Millionen Schweizer Franken (rund 1,25 Millionen Euro) von der inzwischen pleitegegangenen Fifa-Vermarktungsagentur ISL (International Sport and Leisure).

Teixeira, der Anfang des Jahres nach 13 Jahren als Präsident des brasilianischen Fußballverbands zurückgetreten war, kassierte zwischen 1992 und 1997 sogar 12,7 Millionen Franken.

Havelange und Teixeira verwendeten bei Deals zur Verwertung von Übertragungsrechten mehrfach ihnen "anvertraute Vermögenswerte unrechtmäßig", um sich zu bereichern, wie es in den Dokumenten heißt. Ihnen wurde zudem vorgeworfen, der Fifa Provisionen nicht offen gelegt zu haben und den Verband dadurch geschädigt zu haben.

Die Verfahren gegen die beiden früheren Funktionäre waren allerdings nach Zahlung von hohen Geldsummen eingestellt worden. Havelange und Teixeira wiesen die Anschuldigungen stets zurück. Die Unterlagen belegen, dass die Provisionszahlungen der ISMM/ISL-Gruppe bis in die achtziger Jahre zurückgehen.

Bei der Fifa fehlte laut Dokument "eine strikte interne Reglementierung"

Wie es in dem Dokument weiter heißt, könne nicht in Frage gestellt werden, "dass die Fifa Kenntnis von Schmiergeldzahlungen an Personen ihrer Organe hatte". Dem Weltverband "wird die mangelhafte Organisation ihres Unternehmens" vorgeworfen. Es habe "eine strikte interne Reglementierung" gefehlt, um mögliche verbotene Zahlungen offenlegen zu können.

Der heutige Fifa-Chef Joseph Blatter gerät durch diese Veröffentlichung in Erklärungsnot. Er war zur Zeit der Schmiergeldzahlungen Generalsekretär des Weltverbands. 1998 trat er die Nachfolge von Havelange an.

Die Dokumente waren ans Licht gekommen, nachdem das Schweizer Bundesgericht den Anspruch auf Einsicht in die brisanten Akten bestätigt hatte. Wie die Kammer am Mittwoch mitteilte, wurde eine Beschwerde von zwei Funktionären des Fußball-Weltverbandes abgewiesen.

Die Einsicht von Journalisten in die Einstellungsverfügung der Zuger Staatsanwaltschaft sei die Voraussetzung zur Berichterstattung über die in der Öffentlichkeit erhobenen Korruptionsvorwürfe. Die Behörde hatte am 11. Mai 2010 Ermittlungen gegen die Fifa und zwei ihrer Mitarbeiter wegen Korruptionsvorwürfen endgültig beendet.

Eine der beteiligten Parteien hatte gegen die Öffnung der Akten Einspruch eingelegt. Zahlreiche weitere hochrangige Funktionäre sollen in den Bestechungsskandal verwickelt gewesen sein.

Das insolvente Schweizer Marketing-Unternehmen ISMM/ISL soll über Jahre Fifa-Funktionäre systematisch bestochen haben. 2008 vor Gericht dokumentiert wurden 138 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet heute rund 114 Millionen Euro), die zwischen 1989 und 2001 gezahlt wurden.

luk/dpa/sid

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung