Italiens Sieg über Belgien Triumph der alten Männer

Italien schickte gegen Belgien die älteste Startelf der EM-Geschichte ins Rennen. Gegen den vermeintlichen Favoriten reichte das locker. Das lag vor allem am Trainer. Alles Wichtige zum Top-Spiel.
Italiens Torwart Gianluigi Buffon

Italiens Torwart Gianluigi Buffon

Foto: JEFF PACHOUD/ AFP

Ausgangslage: Belgien gegen Italien, das wäre bei den vergangenen WM- und EM-Turnieren stets das Duell zwischen einem Geheim- und Mitfavoriten auf den Titel gewesen. Das war es auch diesmal, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Wer die Aufstellungen der beiden Mannschaften durchging, konnte durchaus nachvollziehen, dass viele Fußballfans Belgien und nicht etwa Italien als Halbfinalkandidaten auf dem Zettel hatten.

Die Startaufstellungen

Belgien: Courtois - Ciman, Alderweireld, Vermaelen, Vertonghen - Nainggolan, Witsel - De Bruyne, Fellaini, Hazard, Lukaku. Trainer: Wilmots
Italien: Buffon - Barzagli, Bonucci, Chiellini, - Candreva, Parolo, De Rossi, Giaccherini, Darmian - Pellè, Éder. - Trainer: Conte

Ergebnis: 2:0 (1:0) für Italien. Hier gehts zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Italien-Coach Antonio Conte setzte auf eine 5-3-2-Formation, in der seine Mannschaft maschinenartig verschob, von links nach rechts, dann vorwärts und wieder diagonal zurück, immer dorthin, wo es die Situation erforderte. Die Folge war, dass die Belgier ausschließlich mit Distanzschüssen gefährlich wurden (Nainggolan 10./22., Witsel 39.). Nach vorne wirkten die Italiener allerdings derart harmlos, dass man sehnsüchtig auf einen Traumpass von Altmeister Andrea Pirlo wartete. Nur war der 37-Jährige, der mittlerweile in den USA kickt, gar nicht nominiert worden. Machte aber nichts.

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Belgien vs. Italien: Adrenalinbad

Foto: Claudio Villa/ Getty Images

Moment des Spiels (I): Die 32. Minute, Belgien wirkt längst entnervt, von Pressing ist bei italienischem Ballbesitz nichts zu sehen. Keine gute Idee, wenn man gegen Leonardo Bonucci spielt. Italiens Abwehrchef zaubert den Ball per Pirlo-Gedächtnispass in den Lauf von Emanuele Giaccherini, Sekunden später steht es 1:0. Manchmal genügt ein einziger genialer Moment.

Bild des Spiels: Der nasenblutende Conte, unmittelbar nach dem Führungstor der Italiener. "Wir wussten, dass wir würden leiden müssen", sagte er nach dem Abpfiff.

Antonio Conte (Kein Symbolbild)

Antonio Conte (Kein Symbolbild)

Foto: VINCENZO PINTO/ AFP

Die zweite Hälfte: Belgiens Trainer Marc Wilmots musste sich etwas einfallen lassen. Denn die erste Halbzeit hatte gezeigt: Seine Mannschaft war mit der (eigentlich erwartbaren) Defensivtaktik der Italiener überfordert. Doch die Belgier dribbelten sich noch immer auf den Flügeln fest, statt in die zentralen Zwischenräume einzudringen, ganz so wie Italien es wollte.

Moment des Spiels (II): Die 53. Minute, Italien befindet sich mit fast allen Spielern in der Offensive und leistet sich einen gefährlichen Ballverlust. Es ist das einzige Mal, dass Belgien die Azzurri unsortiert erwischt. Lukaku läuft alleine auf Torwart Buffon zu - und schießt über das Tor. Manchmal genügt ein einziger dilettantischer Moment.

Klischee des Spiels: Italien, das ist diese Fußballnation, die ausschließlich auf Erfahrung und Defensive baut. So nervig solche Vereinfachungen oft sind, in diesem Fall war das nicht ganz falsch. Contes Startelf war sogar die älteste der EM-Geschichte. Das Durchschnittsalter betrug 31,5 Jahre. Das der Belgier lag übrigens bei 27.

Erkenntnis des Spiels: Trainern anzulasten, dass ihre Spieler Chancen besser oder schlechter verwerten als der Gegner, ist unfair. Was man ihnen anlasten sollte, ist, wenn ihren Spielern der Plan fehlt. Wie Wilmots sein Team auf die Stärken und Schwächen Italiens eingestellt hatte, nämlich gar nicht, war bedenklich. Belgien mag den besseren Kader haben. Aber Italien hat den besseren Trainer.

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