Italiens EM-Erfolg gegen Spanien Geconte Taktik

Italien schlägt Titelverteidiger Spanien und trifft im Viertelfinale auf Deutschland. Es war ein Sieg des Trainers: Antonio Conte machte fast alles richtig. Nur sein Temperament hatte er nicht im Griff.

Chiellini und Buffon
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Chiellini und Buffon

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Ausgangslage: Für Anhänger der deutschen Nationalmannschaft war es das zweitwichtigste Achtelfinale dieser EM. Immerhin wurde der Viertelfinalgegner ermittelt. Angstgegner Italien? Seriensieger Spanien? Die Frage nach einem Favoriten war so schwer zu beantworten wie die nach dem leichteren Kontrahenten für das DFB-Team. In der Vorrunde hatte Italien mit seiner abgeklärten und taktisch reifen Darbietung den etwas besseren Eindruck hinterlassen als die Spanier, die den Gruppensieg gegen Kroatien aus der Hand gaben und so den ungleichen Turnierbaum mitverantworteten.

Das Ergebnis: Italien gewann 2:0 und trifft am Samstag auf Deutschland (21 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE).

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Italiens Triumph über Spanien: Kompakt und clever

Startaufstellungen
Italien: Buffon - Barzagli, Bonucci, Chiellini - Florenzi, Parolo, de Rossi, Giaccherini, de Sciglio - Pellè, Éder.
Spanien: de Gea - Juanfran, Piqué, Ramos, Alba - Fábregas, Busquets, Iniesta - Silva, Morata, Nolito.

Erste Halbzeit: Entgegen der allgemeinen Erwartungen hatte Spanien nur minimale Ballbesitzvorteile, stattdessen machten die Italiener das Spiel und hatten die besseren Torchancen. Die routinierte, kluge und höchst engagierte Leistung der Conte-Elf taugte zu Superlativen, wie sie die deutsche Mannschaft nach dem 3:0 gegen die Slowakei empfing. Das Tor zur 1:0-Halbzeitführung erzielte Abwehrspieler Giorgio Chiellini (33. Minute). Contes Taktik hätte nicht besser aufgehen können.

Das Pech eines Torhüters: Der spanische Keeper David de Gea bewies seinem Trainer Vicente del Bosque mit insgesamt drei herausragenden Paraden gegen Graziano Pellè (8.), Emanuele Giaccherini (45.) und Éder (55.), zu Recht auf ihn und eben nicht auf Spaniens Rekordnationalspieler Iker Casillas gesetzt zu haben. Wenn da nicht de Geas Fehler vor Chiellinis Treffer gewesen wäre. Einen Freistoß von Éder ließ der Torwart von Manchester United nach vorn abklatschen und ermöglichte so den Abstauber. Gegen Deutschland wäre das vermutlich nicht passiert:

Zweite Halbzeit: Del Bosque reagierte auf die große Unterlegenheit. Er brachte mit Aritz Aduriz für Nolito einen klassischen Mittelstürmer - eine zweifelhafte Maßnahme angesichts der kopfballstarken italienischen Hintermannschaft mit Leonardo Bonucci, Andrea Barzagli und Chiellini. Tatsächlich gab es nach der Pause eine spanische Kopfballchance durch Álvaro Morata (49.), der allerdings ein nicht geahndetes Foul vorausging. Ansonsten musste Torhüter Gianluigi Buffon nur wenige brenzlige Situationen meistern. Del Bosques Taktik ging überhaupt nicht auf. Pellès Kontertor in der Nachspielzeit fiel dabei gar nicht mehr ins Gewicht.

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Italiens Trainer Conte: Unter Strom

Conte(r) unterbunden: Um die 70. Minute wurde der Druck der Spanier größer, was auch an der Passivität der Squadra Azzurra lag. Das machte Conte an der Seitenlinie so wütend, dass er den Ball nach einem Fehlpass seiner Mannschaft wegdrosch. Schiedsrichter Cüneyt Cakir beließ es bei einer deutlichen Ermahnung. Irgendwie wünscht man sich in der kommenden Saison ein Duell in der Champions League zwischen dem FC Chelsea, wohin Conte nach der EM wechseln wird, und Atlético Madrid mit Diego Simeone.

Die Erkenntnis: Es war ein Sieg des Trainers. Im ersten Durchgang überraschte Conte seinen Kontrahenten del Bosque, der sich nach dieser Pleite nur schwerlich als Coach wird halten können, mit der offensiven Ausrichtung. Zusätzlich hatte er auch in der Defensive mit einer Mittelfeld-Mannorientierung gegen Sergio Busquets das perfekte Puzzleteil gefunden.



insgesamt 17 Beiträge
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jo.lemberg 27.06.2016
1. Zitat Löw nach der EM-Niederlage 2012 gegen Italien...
"Manchmal müssen Dinge richtig wehtun, damit man daraus lernt", sagte er in einem Interview auf der Internetseite des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Alle müssten lernen, damit umzugehen, so Löw: "Wenn man mal solche negativen Dinge erlebt hat, will man sie mit aller Gewalt verhindern." Ich denke mal, daran wird er sich noch erinnern... Aber mal eine Frage: Ich bin fußballtaktisch nicht sonderlich bewandert, aber welche Möglichkeiten hat Löw denn, die Italiener auch anders anzugehen, als mit den bisherigen Systemen? Da die Italiener sich ja scheinbar auch sehr gut vorbereiten und Conte sicherlich nicht dumm ist. Wäre da auch ein 3-5-2 denkbar, oder ist sowas zu defensiv? Ich denke halt nur, dass 3 Innenverteidiger hinten etwas mehr Sicherheit geben würden, wenn man denn auf Nummer sicher gehen will...
helle1712 27.06.2016
2. Gegen Italien italienisch spielen
Taktikänderung! Verhalten nach vorne spielen, die Italiener kommen lassen, starkes Pressing, und hinten absolut sicher stehen, nichts, gar nichts anbrennen lassen und vorne richtet's der liebe Gott, oder Draxler, oder Müller nach schnellem, mustergültigem Konter. Ciao Italia!
leave_in_silence 27.06.2016
3.
Darauf habe ich vier Jahre gewartet. Und Italien ist schlagbar.
gibmichdiekirsche 27.06.2016
4. Kleider machen Leute
Gemessen an den spanischen Auswärtstrikots, die aussehen wie nach einer Eier- und Tomatenschlacht zwischen Villariba und Villabajo, sind sogar die deutschen Camouflage-Auswärtsleibchen recht kleidsam. Immerhin geht Deutschland auch im VF und ggf. im HF als Mannschaft mit Heimtrikotrecht ins Rennen. In einem möglichen Finale allerdings nicht. Da könnte es dann grüngestreift werden, brrr...
andm94 27.06.2016
5. keine taktikänderung!
ich bin für italien, das vorweg. ich würde als low das team nicht umstellen, siehe 2012 wo er das starke team gegen italien änderte. ob italien gegen D genauso auftreten wird ist eh nicht klar.
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