Italienischer Fußball-Skandal Hauptverdächtiger Moggi ein Bild des Jammers

Luciano Moggi gilt als Strippenzieher im Betrugsskandal in Italiens Fußball. Und für den ehemaligen Manager von Juventus Turin wird die Luft dünn. Seine Aussagen sind weinerlich bis hysterisch. Angesichts seiner schlimmen Lage bittet er nur noch um die Erfüllung eines Wunsches.


Rom – "Wir kollabieren, aber lasst meinen Sohn in Ruhe", flehte Moggi, nachdem er gestern sechs Stunden lang von der Staatsanwaltschaft Neapels verhört worden war. Moggis Sohn Alessandro betreibt die Spieleragentur GEA und steht unter Verdacht, gemeinsam mit seinem Vater in großem Stil italienische Fußballspiele manipuliert zu haben.

Ex-Juve-Manager Moggi: "Wir kollabieren"
REUTERS

Ex-Juve-Manager Moggi: "Wir kollabieren"

Luciano Moggi wirkt mittlerweile schwer angeschlagen. Nach dem gestrigen Verhör brach der 68-Jährige in Tränen aus und beteuerte: "Was ich getan habe, habe ich für Juventus Turin getan. Das klingt wie ein Geständnis, andererseits versicherte der ehemalige Manager: "Ich bin unschuldig."

Doch daran glaubt die neapolitanische Staatsanwaltschaft schon lange nicht mehr, fünf Straftaten werden Moggi vorgeworfen: Gründung einer kriminellen Vereinigung, Sportbetrug, Veruntreuung, Nötigung und Freiheitsberaubung. "Wir Schiedsrichter sind Untertanen der Juve-Macht", sagte der Schiedsrichter Gianluca Paparesta. Moggis Einfluss ging nach Erkenntnissen der Ermittler über den Fußball hinaus: Staatsanwaltschaft, Steuerfahndung, Polizei – selbst der frühere Innenminister Giuseppe Pisanu und der ehemalige Wirtschaftsminister Domenico Siniscalco sollen zu Moggis Netzwerk gehört haben.

Der ehemalige Juve-Manager betonte aber, dass es weder eine "Fußball-Mafia" noch ein "System Moggi" geben würde. In Italien finden sich jedoch kaum noch Sympathisanten für die einst graue Eminenz des Fußballs, der von allen Ämtern zurückgetreten ist. "Elf Meisterschaftsspiele stehen unter Manipulationsverdacht", schreibt heute die "Gazzetta dello Sport". Das würde bedeuten, dass nicht nur die vorjährige Meisterschaft von Juve durch Betrug zustande gekommen ist, sondern auch die aktuelle 29.

Mittlerweile steht neben Juves Nationaltorwart Gianluigi Buffon auch Auswahlstürmer Vincenzo Iaquinta (Udinese) unter Verdacht, sich an Wettmanipulationen beteiligt zu haben. Als Zeugen wurden heute Adriano Galliani (Vizepräsident AC Mailand und Liga-Präsident), Carlo Ancelotti (Trainer AC Mailand), Roberto Mancini (Trainer Inter Mailand) und der ehemalige populäre Schiedsrichter Pierluigi Colina verhört.

Für den italienischen Fußballverband FIGC soll nun Guido Rossi die internen Aufklärungen leiten. Der Jura-Professor übernahm heute kommissarisch den Posten des vor einigen Tagen zurückgetretenen Franco Carraro.

sge/dpa



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