Italienischer Fußball-Skandal Juve, Florenz und Lazio gehen erneut in Berufung

Juventus Turin hat sich erschüttert über das Urteil der Berufungsinstanz im italienischen Manipulationsskandal gezeigt. Der Rekordmeister wird die Entscheidung anfechten. Auch der AC Florenz und Lazio Rom sind trotz des abgewendeten Zwangsabstiegs nicht zufrieden.


Hamburg – "Das Urteil ist vollkommen inakzeptabel", sagte Juventus-Präsident Giovanni Cobolli Gigli. "Wir werden jedes mögliche Gericht anrufen und hören erst auf, wenn wir Gerechtigkeit erfahren haben." Als einziger der vier des Sportbetrugs beschuldigten Clubs muss Juventus in die Serie B zwangsabsteigen. Zudem startet der Rekordmeister, der die Titel 2005 und 2006 verliert, in der kommenden Saison mit 17 Minuspunkten. In der ersten Instanz hatten die Richter auf einen Malus von 30 Zählern entschieden.

Juventus-Boss Gigli: "Das Urteil ist vollkommen inakzeptabel"
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Juventus-Boss Gigli: "Das Urteil ist vollkommen inakzeptabel"

Größere Milde wurde dem AC Florenz und Lazio Rom zuteil. Die Versetzung in die zweite Liga wurde aufgehoben. Florenz startet in der Spielzeit 2006/2007 der Serie A mit 19 Minuspunkten, Lazio mit elf. Dennoch haben beide angekündigt, in Berufung gehen zu wollen. Zunächst müssen sich die Clubs an das Gericht des Nationalen Olympischen Komitees (Coni) wenden, bevor sie das zuständige Verwaltungsgericht in Rom anrufen können.

Der AC Mailand kann nach der Entscheidung in der zweiten Instanz sogar darauf hoffen, doch noch Champions League spielen zu dürfen. Milan werden rückwirkend für die vergangene Saison statt ursprünglich 44 Punkten nur 30 abgezogen – der Berlusconi-Club ist damit Tabellenvierter und kann in der Qualifikation für die europäische Königsklasse starten.

In die Spielzeit 2006/2007 startet der AC mit acht statt 15 Minuspunkten. Clubchef Silvio Berlusconi sprach auch nach der Strafmilderung von einem " ungerechten Urteil nach einem fragwürdigen Prozess" und plädierte weiter auf Freispruch: "Wir haben uns nichts zu schulden kommen lassen", so der ehemalige Ministerpräsident.

Stadtrivale Inter kämpft unterdessen um den Meistertitel der Saison 2005/06. Der aktuelle Pokalsieger erhebt Anspruch auf die nachträgliche Anerkennung des Scudetto. "Es muss jedem klar sein, dass nicht alle Klubs in den Skandal verwickelt waren. Wir sind sauber", sagte Inter-Boss Massimo Moratti.

Die Uefa hatte extra die Meldefrist für die internationalen Vereinswettbewerbe um einen Tag verlängert. Heute muss der italienische Verband seine Clubs benennen. Bereits am Freitag werden im Schweizerischen Nyon die dritte Qualifikationsrunde in der Champions League und die zweite Qualifikationsrunde im Uefa-Pokal ausgelost.

ach/dpa/sid



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