Italienischer Fußballskandal Urteilsverkündung auf Dienstag verschoben

Italiens Fußballfans müssen sich weiter gedulden. Einen Tag später als geplant sollen morgen die Urteile im Manipulationsskandal sowie die Teilnehmer an den internationalen Wettbewerben verkündet werden. Das bedeutet aber noch lange nicht das Ende der juristischen Auseinandersetzungen.


Rom - Sportgerichts-Präsident Piero Sandulli ließ ausrichten, dass das Berufungsgremium seine Arbeit doch erst später beenden werde als zuvor angekündigt. Ursprünglich hieß es, dass die Urteile am Montagabend gefällt würden. Morgen muss Verbandspräsident Guido Rossi der Europäischen Fußball-Union (Uefa) die italienische Starterliste für die internationalen Wettbewerbe einreichen.

In erster Instanz hatte das Sportgericht die Spitzenclubs Juventus, AC Florenz und Lazio zum Zwangsabstieg in die zweite Liga verurteilt. Der AC Mailand darf wegen Beteiligung an den Spiel-Manipulationen in der kommenden Saison nicht in der Champions League starten. Zwar gilt als sicher, dass das Berufungsgericht die Urteile gegen Juventus, Lazio und Florenz im Grundsatz bestätigt und damit der Zwangsabstieg des Trios in die Serie B besiegelt wäre. Alle vier Clubs hoffen aber im Hinblick auf die verhängten Strafpunkte auf Milde.

Vor allem der AC Mailand hat während der Anhörung im Berufungsprozess wieder Oberwasser bekommen. "Die erstinstanzliche Strafe ist absurd", sagte Leandro Cantamessa. Der Milan-Verteidiger fordert eine drastische Reduzierung der Strafe, die momentan noch den nachträglichen Abzug von 44 Punkten und den Sturz auf Rang acht der Tabelle vorsieht. Auch Florenz und Lazio hoffen, dass ihnen die Serie B erspart bleibt. "Ein Punkteabzug genügt. Die Beweise gegen Lazio sind vollkommen unzureichend, um den Club in die zweite Liga zu verbannen", sagte Lazio-Anwalt Giammichele Gentile.

Juventus Turin, dessen Ex-Sportdirektor Luciano Moggi als Drahtzieher des Skandals gilt, würde sich dagegen mit dem Gang in die Serie B abfinden, zumal die Staatsanwaltschaft sogar ursprünglich die Verbannung in die dritte Liga gefordert hatte. Nach Angaben der Turiner Tageszeitung La Stampa rechnet der Klub nun mit dem Zwangsabstieg in die Serie B und dem Abzug von nur 18 statt 30 Punkten - was den sofortigen Wiederaufstieg der `alten Dame" wieder realistischer machen würde.

Das laufende Gerichtsverfahren stellt die letzte sportliche Instanz dar, danach können die Clubs bei Bedarf noch vor dem Verwaltungsgericht in Rom klagen. In diesem Fall wird der Meisterschaftsstart voraussichtlich um mehrere Wochen verschoben.

Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft Neapel, die mit Protokollen abgehörter Telefongespräche den Manipulationsskandal aufgedeckt hatte, auch gegen US Lecce sowie den FC Messina und den AC Siena. Lecce und Messina hatte zuvor nur der Zwangsabstieg von Juventus Turin, Lazio Rom und des AC Florenz den Klassenerhalt beschert.

mig/sid



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