Italiens Fußball-Skandal Juve jammert trotz milden Urteils

Chaos in den italienischen Fußballligen: Trotz ihrer Verwicklung in den größten Skandal der europäischen Fußballgeschichte erhielten alle Clubs Strafmilderung. Dennoch proben sie weiter den Aufstand - allen voran Juventus Turin.

Rom - Nach Angaben italienischer Medien ist eine Verschiebung des für den 27. August geplanten Beginn der Serie A unumgänglich. Der Saisonstart könnte am 10. September nach den beiden ersten EM-Qualifikationsspielen der italienischen Nationalmannschaft erfolgen.

Mit Hohn und Spott reagierten die italienischen Zeitungen auf die milden Urteile. "Eine italienische Komödie" bezeichnete "La Repubblica" das Ergebnis des Berufungsprozesses. "Mildere Strafen, doch die Clubs feiern nicht. Alle Verbände wollen Einspruch einreichen", kommentierte "Gazzetta dello Sport".

Völlig desillusioniert zeigte sich auch Guido Rossi. Der kommissarische Präsident des Fußballverbandes (FIGC) reagierte empört auf die abgeschwächten Urteile und denkt derzeit über einen Rücktritt nach. Der ehemalige Mailänder Staatsanwalt Gerardo D'Ambrosio sprach von einer verlorenen Gelegenheit, um den italienischen Fußball zu säubern. "In Italien besteht eine verbreitete Illegalität, die man nur schwer ausmerzen kann", betonte D'Ambrosio.

"Das Urteil ist lächerlich", schimpfte aber FC Palermos Präsident Maurizio Zamparini. Auch Riccardo Garrone, Präsident des Erstligisten Sampdoria Genua, war unzufrieden: "Es handelt sich eher um politische Entscheidung, mit Recht hat das nicht viel zu tun." Juve, Florenz und Lazio sehen dies anders, fühlen sich völlig unschuldig und kündigten sogar Berufung vor dem Gericht des Nationalen Olympischen Komitees (Coni) an, bevor sie das Verwaltungsgericht in Rom anrufen wollen. Hier werden aber allenfalls noch Abzüge bei den Strafpunkten für Juve, Florenz, Lazio und Milan erwartet.

"Dieses Urteil ist ein Skandal. Juve zahlt für alle. Wir werden nicht Halt machen, bis dieses Urteil rückgängig gemacht wird", sagte Juve-Präsident Giovanni Cobolli Gigli. Juves Anwälte rechnen weiter fest mit dem Verbleib in der Serie A. Auch der Drahtzieher des Manipulationsskandals, der ehemalige Manager von Juventus, Luciano Moggi, scheint trotz der eigenen Verfehlungen kein Verständnis für die Bestrafung von Juventus zu haben. "Ich bin sprachlos. Dieses Urteil ist unannehmbar. Nur Juve ist für die Affäre verantwortlich gemacht worden", sagte Moggis Rechtsanwalt Fulvio Gianaria.

Moggi zählt zu den wenigen Angeklagten im Verfahren, für die die erstinstanzliche Strafe bestätigt wurde. Der Manager wurde mit einer fünfjährigen Berufssperre bestraft. Dagegen feierten der AC Florenz und Lazio Rom die überraschende Rückkehr in die Serie A. Das Berufungsgericht hatte den Zwangsabstieg der beiden Traditionsclubs zurückgenommen und stattdessen nur Punktabzüge zum Saisonstart auferlegt. So muss Florenz mit 19 und Lazio mit 11 Minuspunkten in die neue Spielzeit starten.

Als größter Gewinner der Berufungsverhandlung fühlte sich dagegen der vom Zwangsabstieg verschonte AC Mailand. Die Punktabzüge für die abgelaufene Saison wurden derart reduziert, dass Milan nun sogar wieder an der Qualifikation für die Champions League teilnehmen darf. Denn mit nur 30 statt bisher 44 Punkten Abzug für die vergangene Spielzeit ist der Club des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi in der "bereinigten Tabelle" Dritter der Meisterschaft 2005/2006. Dafür muss Milan aber mit acht Minuspunkten in die kommende Saison starten und erhielt zudem eine Platzsperre von einem Spiel.

Berlusconi sprach auch nach der Strafmilderung von einem "ungerechten Urteil nach einem fragwürdigen Prozess" und plädierte weiter auf Freispruch: "Wir haben uns nichts zu schulden kommen lassen", so Berlusconi. Stadtrivale Inter kämpft unterdessen um den Meistertitel der Saison 2005/06. Der aktuelle Pokalsieger erhebt Anspruch auf die nachträgliche Anerkennung des Scudetto. "Es muss jedem klar sein, dass nicht alle Clubs in den Skandal verwickelt waren. Wir sind sauber", sagte Moratti.

mig/sid/dpa/