Italiens Fußballskandal
Juve-Manager stürzt aus dem Fenster
Der neue Generalmanager des italienischen Fußball-Rekordmeisters Juventus Turin, Gianluca Pessotto, hat sich bei einem Sturz aus dem Fenster schwer verletzt. Unklar ist, ob es sich um einen Selbstmordversuch des 36-Jährigen handelt.
Hamburg - Pessotto soll heute aus dem Fenster seines Büros im zweiten Stock der Juventus-Geschäftsstelle gesprungen sein. Er wurde schwer verletzt ins Molinette-Krankenhaus von Turin eingeliefert, schwebt aber nicht in Lebensgefahr. Inwieweit ein Zusammenhang mit dem Manipulationsskandal besteht, lässt sich momentan nicht sagen. Nach Angaben der Turiner Polizei stieg Pessotto auf das
Fensterbrett vor seinem Büro, sprang von dort rund 15 Meter in die
Tiefe und prallte dabei auf zwei parkende Fahrzeuge. Er hielt einen
Rosenkranz in der Hand. Dies könnte auf einen Selbstmordversuch hindeuten.
Der 22-malige Nationalspieler wurde noch an
Ort und Stelle erstversorgt und dann ins Krankenhaus transportiert.
Juve-Sprecher Marco Girotto bestätigte, dass Passotto nach seiner
Einlieferung nicht in Lebensgefahr schwebte. Pessotto, der schon bei Juventus als Spieler unter Vertrag stand, war erst seit dem 27. Mai Generalmanager des Clubs und hatte den Posten von Luciano Moggi übernommen, der als der Drahtzieher des weitreichenden Skandals gilt.
Fabio Cannavaro, Kapitän der italienischen Nationalmannschaft und Juve-Spieler, brach heute Mittag nach dem Erhalt der Nachricht von Pessotos Verletzung spontan eine Pressekonferenz seiner Mannschaft in Duisburg ab. "Er ist unser Freund, wir sind in Gedanken bei ihm", sagte Nationalverteidiger Marco Materazzi. Pessotto hatte Italiens Auswahl noch beim 2:0-Sieg in der Vorrunde gegen Tschechien in Hamburg besucht. Gestern hatte Italien mit einem 1:0 gegen Australien das Viertelfinale erreicht.
Um bei dem am Donnerstag beginnenden Prozess den drohenden Zwangsabstieg wegen Schiedsrichterabsprachen zu vermeiden, setzt der italienische Rekordmeister auf eine prestigereiche Gruppe von Rechtsanwälten. Die Advokaten wollen in ihrer Verteidigungsstrategie zum zurückgetretenen Moggi auf Distanz gehen. Moggi selbst bestreitet nach wie vor, dass er ein System zur Beeinflussung des italienischen Fußballs aufgebaut habe.