Italiens Krawall-Fußball Polizeigewerkschaft warnt vor Hooligans in Deutschland

Die Polizeigewerkschaft hält Fan-Krawalle wie in Italien jederzeit auch in Deutschland für möglich. Die Gewaltbereitschaft sei in einigen Regionen erschreckend hoch. Der DFB und die Vereine müssten selbst für mehr Sicherheit sorgen - die Polizei könne nicht noch mehr Beamte einsetzen.


Osnabrück/Rom - Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt vor Krawallen von Fußballfans wie in Italien. "In Teilen Deutschlands ist die Gewaltbereitschaft erschreckend groß", sagte GdP-Chef Konrad Freiberg der "Neuen Osnabrücker Zeitung". In den vergangenen Jahren habe sich im Amateurfußball eine radikale Hooligan-Szene entwickelt, die schnell außer Kontrolle geraten könne. Daher sei es höchste Zeit, "hier energisch gegenzusteuern, um keine italienischen Verhältnisse zu bekommen."

In Italien hatte ein Polizist am Sonntag einen Anhänger des Clubs Lazio Rom erschossen. Der Beamte wollte eine Schlägerei zwischen Fans stoppen. Nach dem Vorfall kam es zu Ausschreitungen, bei denen allein in Rom mindestens 40 Polizisten verletzt wurden. Rund 200 erzürnte Fans griffen in der Nacht mehrere Polizeikasernen sowie das Olympiastadion an.

Um eine solche Eskalation der Gewalt in Deutschland zu verhindern, sieht der Gewerkschaftschef den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Vereine gefordert. "Klar ist, dass bei der Polizei personell das Ende der Fahnenstange erreicht ist", wird Freiberg zitiert. Für die Sicherheit in unteren Ligen müssten Verbände und Vereine mit Fan-Projekten, strengen Einlasskontrollen und drakonischen Maßnahmen, etwa lebenslangen Platzverboten, schon selbst sorgen.

Notwendig sei aber auch eine striktere Gangart der Justiz. "Wichtig ist, dass Krawallmacher schneller abgeurteilt werden. Sie sind nur zu beeindrucken, wenn die Strafe auf dem Fuße folgt", sagte Freiberg. Unerlässlich für eine effektive Strafverfolgung sei auch, dass Randalierer aus dem Amateurfußball konsequenter in die bundesweite Hooligan-Datei Eingang fänden. Bisher stünden dort in erster Linie Anhänger von Erst- und Zweitligisten.

Nach dem tödlichen Schuss auf den Lazio-Fan hat der italienische Fußballverband FIGC alle Spiele der Zweiten und Dritten Liga am Wochenende abgesagt. Wegen eines Qualifikationsspiels der Nationalmannschaft zur Europameisterschaft 2008 in Schottland hat die Erste Liga ohnehin Spielpause.

als/AP/Reuters

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