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WM-Gruppe F: Arrivederci Italia!

Foto: ALESSANDRO BIANCHI/ REUTERS

Italiens WM-Blamage Arrivederci, Weltmeister

Träge, uninspiriert, ohne Herz: Für Italiens Starensemble ist bei der WM in Südafrika schon nach der Vorrunde finito. Der aktuelle Weltmeister verabschiedet sich mit einer Niederlage gegen den Nobody Slowakei aus dem Turnier - als Gruppenletzter.
Von David Kluthe

Hamburg - 24 Minuten lang erinnerte das italienische Spiel gegen WM-Neuling Slowakei an vergangene Erfolge: Italien wartete auf Fehler des Gegners, verwaltete das Unentschieden und lauerte auf Konter. Kurz: Catenaccio.

Vermutlich wäre es so weitergegangen. Vermutlich hätte irgendwann Mitte der zweiten Halbzeit ein klug zu Ende gespielter Gegenangriff das 1:0 und damit den Achtelfinaleinzug sichergestellt. Doch in der 25. Minute offenbarte sich, warum das Team von Trainer Marcello Lippi 2010 nur noch ein müder und in die Jahre gekommener Abklatsch der Weltmeister-Elf von 2006 ist: Nach Ballgewinn im eigenen Strafraum leistete sich Daniele de Rossi einen katastrophalen Fehlpass im Spielaufbau. Während Italiens Routiniers Fabio Cannavaro und Gianluca Zambrotta nur staunten, schaltete die Offensive der Slowaken blitzschnell.

Juraj Kucka passte in die Spitze auf Robert Vittek, der den Ball unhaltbar für Italiens Keeper Federico Marchetti im linken unteren Toreck unterbrachte.

Es war der Anfang vom Ende einer italienischen Spieler-Generation.

Italien verlor schließlich 2:3 (0:1). Nach den Unentschieden gegen Paraguay (1:1) und Neuseeland (1:1) landete der Weltmeister ohne Sieg auf dem letzten Platz der Gruppe F - hinter den Neuseeländern. Der Außenseiter beendete seine Partie gegen Paraguay mit einem 0:0. Während die Neuseeländer nun ungeschlagen mit drei Punkten die Heimreise antreten müssen, steht Paraguay als Gruppensieger in der nächsten Runde.

Die Slowakei bejubelte ihrerseits den unerwarteten Achtelfinaleinzug. "Das ist Fußball. Wir schauen jetzt, was noch für uns drin ist. Wir sind noch für eine Überraschung gut. Unsere Rückflüge waren für Samstag gebucht, jetzt müssen wir umbuchen", sagte der ehemalige Nürnberger Vittek. Auf Seiten der Italiener herrschte hingegen Ratlosigkeit. "Wir müssen nach Hause fahren. Das ist sehr traurig, sehr bitter. Aber das müssen wir jetzt akzeptieren. Wir haben bis zum Schluss gekämpft, aber es hat gegen die sehr engagierten Slowaken einfach nicht gereicht", sagte Lippi.

Träge Italiener, mutige Slowaken

Dabei kam Italien zunächst besser ins Spiel, ohne sich jedoch zwingende Torchancen zu erarbeiten. Lippi setzte mit Simone Pepe, Antonio di Natale und Vincenzio Iaquinta auf drei Stürmer. Die Schussversuche von di Natale (1.) und Iaquinta (4.) verfehlten ihr Ziel aber deutlich.

Doch dann erlahmte der Offensiveifer. Die zunehmende Trägheit der Italiener schien auch der Slowakei nicht verborgen zu bleiben. Von Minute zu Minute traute sich die Mannschaft von Trainer Vladimir Weiss mehr zu, erspielte sich Chancen und hätte kurz vor der Pause beinahe das 2:0 durch Kucka bejubeln dürfen. Dessen Schuss streifte jedoch nur das Außennetz.

Weltmeister-Coach Lippi sah Anlass zum Handeln: Fabio Quagliarelli verstärkte die Offensive (für Gattuso), Christian Maggio ersetzte Domenico Crscito. Erst nach der Einwechslung von Spielmacher Andrea Pirlo (56. für Montolivo) kam Italien langsam wieder in Schwung.

Zunächst vergab di Natale kläglich aus aussichtsreicher Position. Dann wurde es brenzliger vor dem Tor der Slowaken. Nach einer Flanke von Pepe landete der Ball vor den Füßen von Quagliarella. Dessen Schuss klärte Martin Skrtel auf der Linie.

Vittek trifft doppelt

Durch Italiens Bemühungen bot sich Platz für den Außenseiter. Cannavaro lief Miroslav Stoch bei einem Konter nur hinterher. Stoch verfehlte das Tor, doch die nächste Chance der Slowaken saß. Die Ecke von Marik Hamsik köpfte Giorgio Chiellini wieder nach außen, im zweiten Versuch passte Hamsik flach in die Mitte. Dort wartete erneut Vittek und erhöhte mit seinem zweiten Treffer auf 2:0 (74.).

Jetzt wurden die Angriffe der Italiener wütender. In einer packenden Schlussphase überschlugen sich die Ereignisse.

Jaquinta brachte di Natale nach schöner Kombination per Hacke in Position. Der Stürmer von Udinese Calcio traf zum Anschluss (81.). Quagliarella hatte es anschließend eilig, den Ball wieder zum Mittelkreis zu bringen, kassierte vom gegnerischen Torwart Jan Mucha einen Schlag ins Gesicht und sah genau wie Mucha Gelb.

Nur drei Minuten später lag der Ball erneut im Tor der Slowaken. Quagliarella stand beim Abschluss jedoch im Abseits.

Als Italien alles auf eine Karte setzte und erstmals im Spiel zu kombinieren begann, legte die Slowakei nach. Zwei Minuten nach seiner Einwechslung tauchte Kamil Kopunek frei vor dem italienischen Tor auf und hob den Ball abgeklärt über den herauseilenden Marchetti - 3:1 (89.).

Auch das war noch nicht der Schlusspunkt: Quagliarella hob den Ball in der zweiten Minute der Nachspielzeit mit viel Gefühl über den slowakischen Keeper Mucha zum erneuten Anschlusstreffer.

2006 in Deutschland hätte Pepe in der fünften Minute der Nachspielzeit vermutlich freistehend vor dem Tor zum Ausgleich getroffen - Italien wäre mit drei Unentschieden ins Achtelfinale eingezogen. 2010 in Südafrika stand jedoch ein anderes Italien auf dem Platz. Pepe traf nicht. Kein Catenaccio. Kein Unentschieden. Kein Achtelfinale.

Slowakei - Italien 3:2 (1:0)
1:0 Vittek (25.)
2:0 Vittek (74.)
2:1 di Natale (81.)
3:1 Kopunek (89.)
3:2 Quagliarella (90.+2)

Slowakei: Mucha - Pekarik, Skrtel, Durica, Zabavnik - Strba (87. Kopunek), Kucka - Stoch, Hamsik - Vittek, Jendrisek
Italien: Marchetti - Zambrotta, Cannavaro, Chiellini, Criscito (46. Maggio) - de Rossi, Gattuso (46. Quagliarella) - Montolivo (56. Pirlo) - Pepe, di Natale, Iaquinta
Schiedsrichter: Howard Webb (England)
Zuschauer: 45.000 (in Johannesburg)
Gelbe Karten: Mucha, Pekarik, Strba, Vittek - Cannavaro, Criscito, Gattuso, Montolivo, Pepe, di Natale, Quagliarella

Und so lief das andere Spiel in Gruppe F - Paraguay gegen Neuseeland:

Neuseeland verpasst die Sensation - Paraguay ist Gruppenerster

In der zweiten Begegnung der Gruppe F kam der Underdog aus Neuseeland gegen Gruppensieger Paraguay nicht über ein torloses Unentschieden hinaus. Bei einem Sieg wären die "Kiwis" als Gruppensieger ins Achtelfinale eingezogen.

Die größeren Chancen erspielte sich jedoch die Mannschaft Paraguays. Vor allem Kapitän Denis Caniza strahlte Torgefahr aus, allein in der Anfangsphase kam er dreimal zum Abschluss (14., 17., 19.) - der dritte Versuch ging nur knapp neben das Tor der Neuseeländer. In einem chancenarmen Spiel parierte Neuseelands Torhüter Mark Paston zudem gegen Nelson Valdez (25.), Cristian Riveros (62.) und Edgar Benitez (74.). Trotz des Gruppensiegs war Trainer Gerardo Martino jedoch nicht zufrieden. "Wir haben nicht gut gespielt", sagte Martino, der Lucas Barrios vom Bundesligisten Borussia Dortmund zu Beginn der Partie überraschend auf der Bank ließ.

In Neuseeland herrschte nach dem Vorrunden-Aus Enttäuschung. "Es ist traurig, dass wir das Tor nicht gemacht haben", sagte Torwart Paston nach der Partie. Auch Trainer Ricki Herbert gab zu, bei allem Stolz auf die Leistungen seiner ungeschlagenen Mannschaft "ein ganz kleines bisschen" enttäuscht zu sein, "weil wir die Chance hatten, ins Achtelfinale einzuziehen". Die beste Chance zum Führungstreffer bot sich für Neuseeland in der 48. Minute, als Simon Elliott aus 20 Metern knapp daneben zielte. In der Schlussphase rutschte Chris Wood dicht vor dem Tor um Zentimeter an einem Schuss von Shane Smeltz vorbei.

Es blieb beim 0:0. Die Freude über drei WM-Spiele ohne Niederlage wird bei den Neuseeländern jedoch bald wieder zurückkehren. Diesen Erfolg hatte ihnen vor der WM kaum einer zugetraut.

Paraguay - Neuseeland 0:0

Paraguay: Villar - Caniza, Julio Cesar Caceres, da Silva, Rodriguez - Riveros, Victor Caceres, Vera - Santa Cruz, Cardozo (66. Barrios), Valdez (67. Benitez)Neuseeland: Paston - Reid, Nelsen, Smith - Bertos, Elliott, Vicelich, Lochhead - Killen (79. Brockie), Fallon (69. Wood), Smeltz Schiedsrichter: Simon (Brasilien)Schiedsrichter: Yuichi Nishimura (Japan)
Zuschauer: 34.850 (in Polokwane)
Gelbe Karten: Victor Caceres (2), Santa Cruz - Nelsen (2)

Mitarbeit: Birger Hamann, mit Material von dpa/sid
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