Olic-Rückkehr zum HSV Erst gerührt, dann betrübt

Ivica Olic wollte unbedingt wieder für den Hamburger SV spielen, unter Tränen lief er bei seinem Comeback ins Stadion ein. Nach der Niederlage gegen Köln waren die Augen wieder trocken.

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Von , Hamburg


SPIEGEL ONLINE Fußball
Der erste Bundesliga-Spieltag im neuen Jahr hätte so viel erfolgreicher verlaufen können für Ivica Olic, wenn er denn gewollt hätte. Er hätte Teil jener Wolfsburger Mannschaft sein können, die dem FC Bayern am Freitagabend die erste Niederlage der Saison beibrachte. Aber Olic wollte das nicht. Beziehungsweise: Das alles hatte keine Priorität. Wichtiger war ihm, wieder nach Hause zu kommen, wie er sagt. Wieder für den Hamburger SV zu spielen.

Und so stand der kroatische Angreifer abgekämpft und mit schweißnassen Haaren im Erdgeschoss der Arena im Volkspark und nahm sichtlich betrübt Stellung zur 0:2 (0:0)-Niederlage seines alten und neuen Arbeitgebers gegen den 1. FC Köln. Er habe kein einfaches Spiel erwartet, sagte Olic.

Auch wenn Olic jetzt mit dem HSV gegen den Abstieg spielt, anstatt mit dem VfL die Teilnahme am Europapokal anzupeilen, bereut er seinen Wechsel nach eigener Aussage nicht: "Ich hatte mich auf die Situation vorbereitet. Ich wusste, dass irgendwann wieder eine Niederlage kommt", sagte Olic. Und er ist guter Dinge, dass die Hamburger sich wieder aus ihrer schwierigen Lage befreien werden: "Ich glaube an die Mannschaft. Ich bin mir sicher, dass wir aus dieser Situation wieder rauskommen."

Dennoch hätte die Rückrunde kaum ernüchternder starten können für den Hamburger SV. Die Euphorie war groß gewesen im Verein, weil es zuletzt eine gute Nachricht nach der anderen gegeben hatte: Investor Klaus-Michael Kühne gab seinen Einstieg bekannt und schenkte dem traditionsbewussten Umfeld den alten Stadionnamen zurück.

Ab der kommenden Saison wird die Arena dank Kühnes Millionen wieder Volksparkstadion heißen. Dann spendete der Unternehmer Alexander Otto zehn Millionen Euro für das Nachwuchszentrum des HSV. Und rechtzeitig zum ersten Spiel im neuen Jahr unterschrieb Olic wieder beim HSV. Er wird von den Fans verehrt seit seinem ersten Engagement in Hamburg zwischen 2007 und 2009.

Risse trifft zweimal ins Hamburger Herz

Die Rückkehr gestaltete sich entsprechend emotional: Er habe Tränen der Rührung in den Augen gehabt, als er zum ersten Mal wieder ins Stadion eingelaufen sei und die Fans seinen Namen gerufen hätten, berichtete Olic. Doch 90 Minuten später war die Euphorie schon wieder verflogen, weil Marcel Risse in der 62. und 78. Minute zwei beinahe identische Tore für den Sieg des 1. FC Köln schoss: Zweimal überwand er aus spitzem Winkel Hamburgs Torwart Jaroslav Drobny, der beim ersten Gegentor ziemlich und beim zweiten etwas weniger schlecht aussah.

Als sich die Profis des HSV nach dem Spiel bei den Fans in der Nordkurve bedanken wollten, wurden sie mit wütenden Pfiffen bedacht - während die rund 5000 mitgereisten FC-Fans in ihrer Ecke des Stadions selig schunkelnd Karnevalslieder sangen. "Wir haben verdient 0:2 verloren", sagte HSV-Trainer Josef Zinnbauer, womit er insofern recht hatte, als sein Team nach einer ordentlichen Anfangsphase immer schwächer wurde. "Wir sind in der zweiten Halbzeit nicht ins Spiel gekommen und haben keine Lösungen nach vorne gefunden", sagte Verteidiger Marcell Jansen.

In der Statistik war der HSV den Gästen aus dem Rheinland bei allen wichtigen Werten unterlegen: Bei den Torschüssen (10 zu 15), im Ballbesitz (47 zu 53 Prozent), bei den gewonnenen Zweikämpfen (44 zu 56 Prozent) und in der Passquote (70 gegenüber 73 Prozent). Es stellt sich die Frage, gegen wen der HSV die Punkte für den Klassenerhalt holen will, wenn nicht im eigenen Stadion gegen einen Aufsteiger, der selbst keinen Innovationsfußball spielt, sondern hinten ordentlich steht und vorne schnelle Leute hat wie Risse.

Das reicht den Kölnern zu einer bemerkenswerten Auswärtsbilanz: Die Mannschaft ist nach dem FC Bayern die zweitbeste Mannschaft auf fremden Plätzen, "was vielleicht etwas ungewöhnlich ist für einen Aufsteiger", wie Trainer Peter Stöger gerade im Interview mit SPIEGEL ONLINE sagte. So haben die Kölner nach den ersten 90 Minuten im Jahr 2015 deutlich weniger Sorgen als der HSV. "Trotzdem bin ich froh, hier zu sein", sagte Rückkehrer Olic. Auch wenn er nach der Niederlage bei seinem Comeback nicht so aussah.

insgesamt 14 Beiträge
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johnniehandsome 31.01.2015
1. respekt
für Olic, er hätte in Wolfsburg die ruhige Kugel schieben können, weil zu vielen Einsätzen wäre er wohl nicht gekommen aber die Kohle hätte gestimmt, doch er hat wie man sieht den schwierigeren Weg gewählt...viel Glück Ivica
blabliblupp 31.01.2015
2. Kein Kölner
fordert momentan Innovationsfußball. Gerade auswärts geht die "Hinten dicht und vorne schnell" Taktik von Stöger voll auf. Solide die Liga halten ist oberste Devise. Jetzt gegen den VFB und den SCP zuHause punkten, dann jeit dat Trömmelche wieder.
hanbil 01.02.2015
3. Olic
ist ein feiner Mensch. Das war er beim HSV, bei den Bayern und bei Wolfsburg. Den Abstieg wird er nicht verhindern könne, aber das ändert nichts an seinem Charakter. Feiner Kerl. Das schrieb ein FCB-Fan :-)
sk56 01.02.2015
4. Ohne Trauerflor
Es ist verwunderlich, dass der HSV im Spiel gegen Köln auch einen Trauerflor verzichtet hat. Gab es dazu eine Erklärung?
dabeat 01.02.2015
5. Typisch HSV
Nur wegen ein paar guten Nachrichten in der Winterpause heißt das nicht das man gleich spielt wie die Bayern. Die Mannschaft besteht ja bis auf die Neuzugänge immer noch den selben Spielern wie in der Vorrunde. Da sieht man mal wieder wie Anspruch und Wirklichkeit auseinander liegen. Man lernt es in Hamburg wohl nie. Das einzige was der HSV kann ist sich bei Seinem Herrn Kühne zu prostituieren wie die leichten Damen auf der Reeperbahn.
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