Jadon Sancho beim BVB "Da muss er einfach schlauer werden"

Er spielt stark, positioniert sich gegen Rassismus: Jadon Sanchos Rolle beim BVB wird immer größer. Doch er wird auch kritisch gesehen - wegen seines Friseurtermins etwa. Emre Can nimmt ihn in die Pflicht.
Aus Dortmund berichtet Marcus Bark
Chance vertan: Jadon Sancho

Chance vertan: Jadon Sancho

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Lars Baron/ Getty Images

Sieben Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter FC Bayern, sieben Punkte Vorsprung auf den Tabellenfünften Leverkusen. Borussia Dortmund dürfte nach dem Sieg gegen Hertha BSC zwar klar sein, dass es für die Meisterschaft mal wieder nicht reichen wird, aber auch, dass die Teilnahme am Milliardengeschäft Champions League gesichert ist. Für die Planungen des börsennotierten Fußballunternehmens ist das erheblich.

Sportlich wird es dabei auch wieder einmal um die Fragen gehen, ob Jadon Sancho wechselt - und wohin, wie viel Geld er an Ablöse einbringen wird, und was ein Verlust sportlich für den BVB bedeuten würde.

Es wird ein schwieriges Abwägen für den BVB, wie so vieles schwierig ist in dem Verhältnis zwischen dem 20 Jahre alten Engländer und seinem Arbeitgeber. "Jadon ist nicht nur ein außergewöhnlicher Fußballer, der auf dem Platz auffällig ist, sondern ab und zu auch außerhalb des Platzes. Das ist manchmal auch nicht einfach für uns", sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc am Samstag dem TV-Sender Sky. Das war kurz bevor beide Mannschaften niederknieten, um gegen Rassismus zu protestieren.

Jadon Sancho hatte diesem Protest in der Vorwoche im deutschen Fußball einen enormen Schub gegeben, als er nach dem ersten seiner drei Treffer beim 6:1-Sieg in Paderborn die Botschaft "Justice for George Floyd" auf einem Shirt unter seinem Trikot zeigte. Im Netz schloss er sich dann unter #blacklivesmatter einer Bewegung an, die nach der Tötung des schwarzen Amerikaners durch weiße Polizisten weltweit ihre Stimme erhob.

Jadon Sancho war ein wichtiger Multiplikator für ein wichtiges Thema. Dann tauchten Fotos auf, die Sancho beim Friseur zeigten. Ohne Mundschutz. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) belegte ihn für diesen Verstoß gegen die Bestimmungen des Hygienekonzeptes mit einer Geldstrafe. "Ein absoluter Witz", kritisierte Sancho auf Twitter, bevor er den Eintrag wieder löschte.

Sancho wurde schon einmal suspendiert, weil er zu spät von einer Länderspielreise zurückkam. Vor einem Spiel in der Champions League beim FC Barcelona kam er nach Version des Vereins zu spät zum Training, andere Quellen berichteten, er sei gar nicht erschienen. Fotos, die ihn im Privatjet, auf einer Jacht und beim Verzehr eines goldenen Steaks zeigen, trugen ihren Teil zum Ruf des Spielers bei.

"Das darf er sich in Zukunft nicht mehr leisten"

"In solchen Sachen muss er einfach etwas schlauer sein. Das darf er sich in Zukunft nicht mehr leisten, solche Fehler zu machen", sagte Siegtorschütze Emre Can am Samstag. "Wir wissen, dass er in manchen Dingen disziplinierter sein muss. Das weiß er aber auch. Ich glaube nicht, dass er das extra macht, um einen Skandal zu machen. Vielleicht ist es ihm nicht bewusst, vielleicht vertraut er in manchen Dingen zu viel anderen Menschen."

Sancho erzielte 17 Tore und gab 17 Vorlagen bei seinen 28 Einsätzen in dieser Saison. Diese Zahlen reichten schon, um seinen Wert für den BVB zu beschreiben. Dann sind da noch die Gegenspieler, die er anzieht, wenn er zu seinen Tempodribblings ansetzt, die Läufe quer durch das Angriffsdrittel, die es der generischen Defensive so schwierig machen, gut abgestimmt zu bleiben.

Sancho ist elementar für das Spiel des BVB, zumal der in der Regel auf den derzeit verletzten Erling Haaland als zentralen Stürmer baut. Sancho als Vorbereiter, Haaland mit dem Abschluss - ohne diese Kombination dürfte es in der kommenden Saison noch schwerer werden, ein ernst zu nehmender Konkurrent des FC Bayern zu sein.

Der Vertrag des englischen Nationalspielers ist noch bis zum 30. Juni 2022 gültig. Im Winter, so war aus der Dortmunder Führungsetage zu hören, rechnete sich der BVB kaum Chancen aus, Sancho über den Sommer 2020 zu halten. Durch die Auswirkungen der Pandemie sollen die Chancen nun zumindest gestiegen sein. Nach Informationen des SPIEGEL würde der BVB nur einem Wechsel zu einem ausländischen Klub zustimmen. Außerdem soll nach wie vor eine Ablöse von mindestens 100 Millionen Euro angestrebt sein.

Sollte Sancho bleiben, bliebe für den BVB die Frage, wie er das Maß findet zwischen einer gewissen Freiheit und einer im Mannschaftssport nötigen Disziplinierung. "Wir arbeiten mit ihm und seinem Management daran", sagte Zorc. Und Can empfahl: "Man muss Jadon ein bisschen führen." Er wolle da gern helfen, so Can: "Er ist ein super Junge, außerhalb des Platzes auch."

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