Homosexualität im Fußball 17 Jahre alter Jake Daniels outet sich – als zweiter aktiver Profi weltweit

Josh Cavallo war der Erste, nun folgt ein Fußballprofi aus England: Jake Daniels ist homosexuell und möchte sich nicht mehr verstecken. Der Zweitligaspieler hofft, für andere Sportler ein Vorbild sein zu können.
Jake Daniels (r.) bei seinem Profidebüt für den FC Blackpool gegen Peterborough

Jake Daniels (r.) bei seinem Profidebüt für den FC Blackpool gegen Peterborough

Foto: Mark Cosgrove / News Images / IMAGO

Jake Daniels vom FC Blackpool hat als zweiter aktiver Fußballprofi seine Homosexualität öffentlich gemacht. Der 17-Jährige, der vor Kurzem seinen ersten Profivertrag beim englischen Zweitligisten Blackpool unterschrieben hat, sagte in einem am Montag veröffentlichten Interview des Senders Sky Sports, er sei schwul. »Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, das zu tun«, sagte Daniels. »Ich fühle mich bereit, den Leuten meine Geschichte zu erzählen.«

In einer Mitteilung auf der Website seines Klubs schrieb Daniels, es sei »ein Schritt ins Ungewisse«, den er nun aber voller Überzeugung gehen könne: »Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich bereit für mein Coming-out bin – und dafür, ich selbst zu sein.«

Daniels ist bisher der einzige aktive Profifußballer in Europa, der diesen Schritt gegangen ist. Vor ihm hatte sich der 22 Jahre alte Australier Josh Cavallo von Adelaide United im letzten Oktober öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. Cavallo habe ihn wie Wasserspringer Tom Daley dazu inspiriert, an die Öffentlichkeit zu gehen. Daniels habe große Unterstützung von seinem Klub und seiner Familie erfahren.

In England hatte sich zuletzt im Jahr 1990 der inzwischen verstorbene Justin Fashanu geoutet. In Deutschland outete sich als bisher einziger Profi der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger nach dem Ende seiner Karriere. 2013 tat es der frühere US-Nationalspieler und Ex-Major-League-Soccer-Profi Robbie Rogers.

Daniels: »Ich will einfach nicht mehr lügen«

»Lange Zeit habe ich gedacht, dass ich meine Wahrheit verbergen würde, weil ich ein Fußballprofi sein wollte, was ich jetzt bin«, sagte der Angreifer, der Anfang Mai erstmals bei den Profis von Blackpool eingewechselt wurde. »Ich habe mich gefragt, ob ich warten sollte, bis ich mich zur Ruhe setze, bevor ich es öffentlich mache.«

»Ich will einfach nicht mehr lügen«, sagte Daniels und äußerte die Hoffnung, dass andere aktive Spieler seinem Vorbild folgen. »Ich bin erst 17, aber ich bin mir im Klaren darüber, dass es das ist, was ich machen will«, so der Mittelfeldspieler, »und wenn andere Leute mein Coming-out sehen und das Gefühl bekommen, dass sie vielleicht dasselbe tun können, wäre das genial.«

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Für ihn habe sich die Entscheidung schon gelohnt. »An dem Tag, nachdem ich es meiner Mutter und meiner Schwester gesagt habe, habe ich vier Tore geschossen«, berichtete Daniels. »Das zeigt, was für ein Gewicht ich von meinen Schultern losgeworden bin und was für eine gewaltige Erleichterung das war.«

Die Fifa, die Uefa sowie etliche englische Topklubs zollten Daniels Respekt, und selbst der britische Premierminister Boris Johnson meldete sich per Twitter zu Wort. »Ich danke dir für deinen Mut, Jake«, schrieb Johnson: »Du wirst für viele eine Inspiration sein – sowohl auf als auch abseits des Spielfelds.«

krä/dpa/sid