Deutschlands Remis gegen England Mit Musiala kommt das Staunen

Vor einem Jahr entschied sich Musiala für den DFB – nun zeigte er gegen seinen Ex-Verband England, wie herausragend er ist. Schlotterbeck fällt erneut als Elfmeter-Verursacher auf, Kane bleibt der Stimmungskiller.
Jamal Musiala war gegen England einer der Besten

Jamal Musiala war gegen England einer der Besten

Foto: HEIKO BECKER / REUTERS

Der Endgegner: Vor elf Monaten hat Harry Kane die Ära von Joachim Löw beim Deutschen Fußball-Bund beendet. Damals traf er zum entscheidenden 2:0 im EM-Achtelfinale gegen die DFB-Elf, Deutschland war ausgeschieden und die Zeit von Trainer Löw vorbei. Es sah so aus, als könnte der Tottenham-Star dem deutschen Team diesmal nichts anhaben, Kane probierte viel, doch die deutsche Mannschaft hatte stets eine Antwort. In der 76. Minute wehrte Keeper Manuel Neuer eine Großchance von Kane ab. Doch in der 85. Minute kam Kane zu Fall, es gab Elfmeter und der Stürmer verwandelte ihn selbst. Im Münchner Stadion wurde es ruhig.

Ergebnis des Spiels: Bundestrainer Hansi Flick bleibt zwar auch in seinem elften Länderspiel ungeschlagen, zum Sieg gegen England reichte es aber nicht. 1:1 (0:0) lautete der Endstand im zweiten deutschen Spiel in der Nations League. Hier finden Sie den Spielbericht.

Raum für Empfehlungen: Die Nations League ist fünf Monate vor Beginn der WM in Katar vor allem ein Ort der Experimente und für die Profis eine Chance, sich in den Vordergrund zu spielen. Nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Italien nahm Flick sieben Veränderungen in seiner Startelf vor. Einer der Neuen, Linksverteidiger David Raum, nutzte direkt die erste Minute, um auf seine große Qualität aufmerksam zu machen. Die Vorlagen-Maschine der TSG Hoffenheim (13 Torvorlagen in der abgelaufenen Bundesligasaison) setzte Kai Havertz mit einem schönen Steilpass für den ersten gefährlichen Angriff in Szene. Raum blieb auch danach auffällig.

Die erste Hälfte: Flick bekam mehr von der Intensität zu sehen, die er gegen Italien noch vermisst hatte – und der Fußball seiner Elf war teilweise sogar ansehnlich: In der 27. Minute kombinierte sich die DFB-Elf mit vielen Direktpässen bis vor das gegnerische Tor, doch der Schussversuch von Jamal Musiala (zu ihm gleich mehr) wurde geblockt. Kurz zuvor hatte die deutsche Mannschaft über ein Tor von Jonas Hofmann gejubelt, doch der Treffer zählte wegen Abseits nicht. Auch England hatte Möglichkeiten, etwa zwei gefährliche Schüsse von Bukayo Saka in der Nachspielzeit.

Die Zukunft heißt Musiala: In der 14. Minute kam Dortmunds Jude Bellingham für den verletzten Teamkollegen Kalvin Phillips. Damit stand nun jener Mann auf dem Platz, den der Bayern-Spieler Musiala aus der Bundesliga kennt und mit dem er einst in Englands Juniorenteams zusammen auflief. Im Vorjahr hat sich der in Stuttgart geborene Musiala allerdings für den DFB entschieden. Für den deutschen Verband ist das vielleicht die beste Nachricht der vergangenen Jahre, in denen es neben sportlichen Misserfolgen auch sonst kaum etwas zu feiern gegeben hat. Der 19-Jährige beherrscht den Ball selbst auf engstem Raum so gut wie kaum ein anderer, hat Übersicht und Tempo, mit Musiala kommt das Staunen ins Spiel. Das alles hat man gegen England beobachten dürfen.

Kane und Schlotterbeck liegen am Boden, doch Schlotterbeck hat den Sturz verursacht

Kane und Schlotterbeck liegen am Boden, doch Schlotterbeck hat den Sturz verursacht

Foto: KAI PFAFFENBACH / REUTERS

Die Führung: Mit dem Führungstreffer hatte Musiala nichts zu tun, dafür ein Teamkollege vom FC Bayern: Mit einem schönen Pass in den freien Raum bediente Joshua Kimmich den Gladbacher Hofmann, der mit seinem eher unplatzierten Schuss Glück hatte (51. Minute). Auch Kai Havertz war am Treffer mitbeteiligt, der mit seiner Präsenz in der Spitze einen besseren Eindruck hinterließ als zuletzt Timo Werner. Ab Mitte der zweiten Hälfte verlor das DFB-Team an Schwung – mit der Auswechslung von Musiala.

Noch kein Abwehrblock: Gegen die Niederlande Ende März spielte Nico Schlotterbeck erstmals an der Seite von Antonio Rüdiger, nun durften sie sich erneut als Innenverteidiger-Duo beweisen. Nicht immer sah der künftige Dortmund-Profi Schlotterbeck gegen Englands Fußballer gut aus, immer wieder mal unterliefen kleinere Fehler und ganz zum Schluss kam er einen Schritt zu spät. Schlotterbeck brachte Kane vor dem Elfmeter zum 1:1 mit einer leichten Berührung zu Fall. Bereits in seinem ersten Länderspiel gegen Israel hatte der Noch-Freiburger einen Strafstoß verschuldet, nun kam der zweite hinzu – im dritten Länderspiel. Schlotterbeck ist 22, er wirkt noch ungestüm. Aber in seinem Alter ist er auch lernfähig.

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Dresscode »Turnier-Fieber«: Die Männer-WM findet erst im Herbst statt, ohne Fußball muss der Sommer aber nicht auskommen. In England wird ab dem 6. Juli die Europameisterschaft der Fußballerinnen ausgetragen, und auf jenes Turnier machten die DFB-Männer mit ihrer Kleiderauswahl aufmerksam. Mit den Trikots, die normalerweise die DFB-Frauen tragen, lief die Flick-Elf gegen England auf. Man fiebere diesem Turnier entgegen, sagte DFB-Kapitän Neuer zur PR-Aktion.

Ausblick: Niederlande, Italien, England – das waren die letzten drei DFB-Gegner, alles große Namen im Weltfußball. Dreimal endete das Spiel 1:1. Kein Fortschritt beim deutschen Team? Gegen England überwogen die positiven Aktionen, ein Lerneffekt nach Italien wurde deutlich. Und noch ist die Saison nicht vorbei: Am Samstag gegen Ungarn und am kommenden Dienstag gegen Italien kann die DFB-Elf zeigen, dass auch Konstanz zu ihren Qualitäten gehört.

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