Hannovers neuer Sportdirektor Herr Schlaudraff, wieso tun Sie sich diesen Job an?

Beim Bundesliga-Absteiger Hannover 96 ging es zuletzt drunter und drüber. Der neue Sportdirektor Jan Schlaudraff spricht im Interview über Freundschaften im Fußball und die Erwartungen an die neue Saison.

Jan Schlaudraff: "Bereit, alles aufzusaugen, zuzuhören und mich weiterzuentwickeln"
Peter Steffen/DPA

Jan Schlaudraff: "Bereit, alles aufzusaugen, zuzuhören und mich weiterzuentwickeln"

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SPIEGEL ONLINE: Herr Schlaudraff, eigentlich sollten Sie bei Hannover 96 erst als Assistent von Horst Heldt arbeiten. Doch dann wurden Sie direkt zum Sportdirektor befördert. Hat Sie das überrascht?

Schlaudraff: Nein. Natürlich haben wir uns umgeschaut, es gab auch Gespräche mit anderen Kandidaten. Martin Kind hat mir früh signalisiert, dass er sich die Lösung mit mir sehr gut vorstellen kann.

SPIEGEL ONLINE: Und das, obwohl Sie ein ziemlicher Neuling in der Branche sind.

Schlaudraff: Das mit dem Neuling stimmt. Aber ich denke, dass die 14 Jahre als Profi helfen, gut vernetzt zu sein. Außerdem haben mir die zwei Jahre Berufserfahrung bei der Spielerberatungsagentur SportsTotal geholfen. Ich habe gelernt, wie Transfers ablaufen, was man bedenken muss, welche Störfeuer zwischendurch noch kommen könnten. Darüber hinaus bin ich offen, bereit, alles aufzusaugen, zuzuhören und mich weiterzuentwickeln.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn Sie mal nicht weiterwissen? Holen Sie sich dann Hilfe?

Schlaudraff: Es ist schön zu wissen, dass ich mich immer an Jörg Schmadtke, den Geschäftsführer beim VfL Wolfsburg, wenden kann. Er ist für mich ein sehr wichtiger Ansprechpartner. Wir haben natürlich den Vorteil, dass Hannover gerade in keinerlei Konkurrenzsituation mit Wolfsburg steht. Darum kann ich bei ihm öfter nachfragen als zum Beispiel bei Dieter Hecking, den ich ebenfalls sehr schätze.

Zur Person
    Jan Schlaudraff, Jahrgang 1983, spielte als aktiver Fußballer sieben Jahre für Hannover 96. Nach seiner Profikarriere machte er einen Trainerschein - und wurde jüngst zum Nachfolger von Horst Heldt im Sportdirektorenamt der 96er.

SPIEGEL ONLINE: Schmadtke und Hecking kennen Sie schon seit Ihrer gemeinsamen Zeit bei Alemannia Aachen, Hecking holte Sie zudem später nach Hannover. Warum sind Ihnen die beiden so wichtig?

Schlaudraff: Ich kenne nur eine Handvoll Leute, zu denen über den Fußball hinaus ein besonderes Vertrauensverhältnis und eine richtige Freundschaft entstanden sind. Eigentlich ist so etwas selten. Mit Jörg und Dieter, aber auch mit Lars Stindl ist das über viele Jahre gewachsen. Dafür bin ich sehr dankbar.

SPIEGEL ONLINE: Hecking trainiert mittlerweile den HSV und will mit Hannover um den Aufstieg kämpfen. Wen sehen Sie als Favoriten in der Zweiten Bundesliga?

Schlaudraff: Ich glaube, dass Stuttgart der Topfavorit ist. Die haben einfach nochmal ganz andere finanzielle Möglichkeiten als die anderen. Ansonsten müssen wir abwarten. Letztes Jahr sind mit Paderborn und Union Berlin auch zwei Mannschaften aufgestiegen, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hat. Heidenheim wäre so ein Kandidat, die haben sich zu einem etablierten Zweitligisten entwickelt und haben den Anspruch, oben anzuklopfen. Hamburg ist natürlich auch wieder oben mit dabei, die Nürnberger haben fast ihren kompletten Stamm halten können.

SPIEGEL ONLINE: Hannover 96 ist zuletzt vor allem durch Stimmungsschwankungen, als Chaosverein aufgefallen. Wieso tun Sie sich diesen Job an?

Schlaudraff: Für mich ist das kein "Antun", im Gegenteil. Ich habe mich schon als Spieler hier total wohl gefühlt, meine Familie wohnt hier, wir haben gebaut. Hannover ist meine Heimat. Darum ist es für mich etwas Besonderes, für diesen Verein arbeiten zu dürfen, gerade in einer so verantwortungsvollen Position.

SPIEGEL ONLINE: Ist es schwierig, Spieler zum Wechsel nach Hannover zu überzeugen?

Schlaudraff: Nein, ich glaube wir müssen uns nicht verstecken. Wir haben in den vergangenen Jahren fast durchgängig in der Bundesliga gespielt. Natürlich sind wir zweimal abgestiegen, aber wir haben trotzdem eine große Tradition, wir haben gute Mitarbeiter und sind auch bei der Infrastruktur gut aufgestellt. Ich glaube, wir sind eine gute Adresse im deutschen Fußball.



insgesamt 5 Beiträge
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oldtimer62 25.07.2019
1. 96
Hahaha, gute Adresse im Fußball, das sieht man am Spielermaterial, Klassemanschaft! mit der hätte 96 nicht mal in der 2. Liga vorne mitgespielt.
im_ernst_56 25.07.2019
2.
Zitat von oldtimer62Hahaha, gute Adresse im Fußball, das sieht man am Spielermaterial, Klassemanschaft! mit der hätte 96 nicht mal in der 2. Liga vorne mitgespielt.
Ganz so schlecht war 96 nicht. Sie hatten 2018/19 viel Verletzungspech und der Kader war sehr auf Kante genäht. Es war nicht möglich, die Ausfälle zu kompensieren. Wenn die Leistungsträger hätten durchspielen können, dann hätte sie, jedenfalls bei der schwachen Performance der Mitkonkurrenten in der unteren Tabellenhälfte, die Klasse dicke halten können.
LuPy2 25.07.2019
3. Ich verstehe diese Häme nicht.
Herrn Schlaudraff bezeichnete man seiner Zeit auch als Schlau-draufEr st ein Newcommer in einer Welt, in der Urgesteine fünfzig Jahre und länger im Geschäft sind. Gebt ihm eine Chance, denn Langweiler im Fußball haben wir zu genüge.
willywurm 25.07.2019
4. Schlaudraffs Problem...
...heißt Martin Kind. Okay, in dieser Transferperiode hat er sich bisher relativ zurückgehalten, aber normalerweise blökt er in jedes Mikro, das ihm hingehalten wird. Beispiel: Walace soll mit 10-20 Mio. verkauft werden, gleichzeitig vernichtet Kind durch öffentliche Äußerungen über den Spieler komplett dessen Marktwert. Derzeitige Interessenten: null. Oder: auch Horst Held hat versucht, den Graben zwischen Fans und Konstrukt Hannover 96 zuzuschütten bzw. zumindest nicht weiter zu vertiefen. Das hat sich Schlaudraff bestimmt gefreut, dass der Verein ein vereinbartes Kunstprojekt der Fans postwendend übermalen lässt. Oder dass die Kind Hofpostille Hannoversche Allgemeine dem neugewählten Vorstand Unfähigkeit wg. eines Vereinszentrums vorwirft, ein Projekt, das von Anfang bis Ende ein Martin Kind-Projekt war und vor dem seit Jahren viele Fans gewarnt haben. ... Ich fürchte: to be continued....
ulrichskubowius 26.07.2019
5. Es gibt eine Handvoll Chaosvereine
in der BL, welche in der Vergangenheit immer wieder einmal durch negative Schlagzeilen in der Öffentlichkeit aufgefallen sind, und dazu gehört nun einmal auch 96. Daran wird auch ein Herr Schlaudraff nichts ändern solange ein Herr Kind, in welcher Form auch immer, das Sagen haben wird.
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