Covid-19 im Fußball Lehmann spielt Gefahren herunter

Die Bundesliga beginnt wieder, und Jens Lehmann sagt: "Für junge und gesunde Menschen" sei das Coronavirus "nicht so bedenklich". Sein künftiger Klub Hertha betont, die Äußerungen seien nicht repräsentativ für den Klub.
Jens Lehmann bei einem Bundesligaspiel im Dezember 2019

Jens Lehmann bei einem Bundesligaspiel im Dezember 2019

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Revierfoto/ imago images/Revierfoto

Der ehemalige Nationaltorwart Jens Lehmann sieht die Gefahr durch das Coronavirus für Fußballprofis als eher gering an. "Solange die Symptome nicht ganz so schlimm sind, denke ich, müssen Spieler damit klarkommen", sagte der 50-Jährige in einem am Dienstag veröffentlichten Interview des TV-Senders beIN Sports: "Wir haben einige Spieler, die infiziert waren, und die meisten haben nicht mal Symptome gezeigt. Deswegen denke ich, für junge, gesunde Menschen mit einem starken Immunsystem ist das nicht so bedenklich."

Lehmanns Aussagen sind problematisch, denn auch von jungen und gesunden Menschen sind bereits schwere Krankheitsverläufe bekannt geworden. "An den bisher gewonnenen Daten sehen wir langsam, dass es durchaus auch Langzeitschäden von Organen und Gewebe bei jungen Leuten gibt", sagte zuletzt etwa Wilhelm Bloch, Sportmediziner der Deutschen Sporthochschule Köln dem SPIEGEL.

Unklar ist auch, welche Langzeitschäden eine Covid-19-Erkrankung eigentlich mit sich bringen kann. Noch fehlen repräsentative Daten, aber Forscher warnen inzwischen vor dauerhaften Lungenschäden. Für Profisportler könnten bereits kleinste Schädigungen der Lunge das Karriere-Aus bedeuten, sagte der Sportmediziner Thomas Schramm dem SPIEGEL. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt Sportler und Sportlerinnen ebenfalls vor einer Covid-19-Infektion: "Wer mit Covid-19 trainiert, riskiert Schäden an Lunge, Herz und Nieren."

"Spricht nicht repräsentativ für Hertha BSC"

Lehmann war selbst mit dem Coronavirus infiziert und ist designiertes Aufsichtsratsmitglied bei Bundesligist Hertha BSC. Der Verein gab auf Nachfrage keine konkrete Stellungnahme zu den Äußerungen Lehmanns ab. Ein Klubsprecher betonte aber, dass Lehmann "hier sicher nicht repräsentativ für den Verein" spreche. Lehmann spreche zwar im Plural "Wir", damit könne jedoch nicht die Position von Herta BSC gemeint sein: "Denn er spricht ja von 'einigen Spielern', bei Hertha BSC hatten wir bisher lediglich einen Fall."

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Lehmann soll sich künftig im Aufsichtsrat der Berliner um sportliche Belange kümmern, das wurde am Sonntag bekannt. Er muss aber zunächst auf der nächsten Gremiumsversammlung bestätigt werden.

Bereits vor einigen Wochen hatte Lehmann mit Aussagen zu Fußballspielen ohne Zuschauer für heftige Reaktionen in den sozialen Medien gesorgt. "Diese Frage hat mir auch noch keiner beantworten können, warum in einem Stadion wie der Allianz-Arena, wo 70.000 Leute reinkommen, warum man da nicht 20.000 reinstecken kann." Bei einem "Abstand von zehn Metern" würden sich Fans im Stadion "wahrscheinlich nie in die Quere kommen", hatte Lehmann im "Doppelpass" von Sport1 gesagt. Eine Forderung nach Spielen vor Fans sei das nicht gewesen, sondern eine einfache weiter unbeantwortete Frage, sagte Lehmann später.

jan/dpa