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01. Juli 2018, 11:07 Uhr

Boateng kritisiert Experten für Özil-Schelte

"Was die über Spieler sagen, finde ich schon grenzwertig"

Der Bundestrainer soll bleiben, er selbst will weiterspielen: Jérôme Boateng hat sich in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" zum WM-Aus geäußert. Die Kritik an Mesut Özil kann er nicht nachvollziehen.

Abwehrspieler Jérôme Boateng hat nach dem Scheitern bei der Fußball-WM einen Rücktritt aus der Nationalelf ausgeschlossen. "Das war nie ein Thema für mich. Ich sehe mich auch noch überhaupt nicht am Zenit meiner Leistungsfähigkeit angekommen", sagte der 29-Jährige der "Welt am Sonntag". In dem Interview äußerte sich Boateng auch selbstkritisch, er sei nach seiner Verletzung nicht in den Spielrhythmus gekommen. Dem Team habe aber insgesamt "viel gefehlt: Wille, Leidenschaft, Überzeugung".

Der Verteidiger des FC Bayern München reagierte zudem mit Unverständnis auf die harte Kritik an Spielmacher Mesut Özil. "Das geht nicht. Mesut ist ein Mensch. Man darf die ganze Kritik nicht an einem ablassen, die ganze Mannschaft ist in der Verantwortung", sagte Boateng, der vor allem frühere Fußballprofis kritisierte, die heute als Experten arbeiten.

"Was die über Spieler sagen, finde ich schon grenzwertig. Im Fall von Mesut sprechen wir nämlich nicht über irgendeinen Spieler. Er hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass wir Weltmeister geworden sind. [...] Es geht auch um Respekt", sagte der Bayern-Verteidiger. Boateng ist damit deutlich präziser als sein Teamkollege Niklas Süle, der zuletzt "die Medien" attackierte - ohne zu benennen, wen oder was er damit meinte. Einer dieser Experten, die Boateng gemeint haben könnte, ist Mario Basler. Der frühere Nationalspieler kritisierte Özil zuletzt bei zahlreichen TV-Auftritten.

Özil war nach seinem gemeinsamen Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hart attackiert worden und wird in einigen Diskussionen als Symbolfigur des deutschen Scheiterns bei der WM genannt. "Das mit dem Foto war unglücklich, es war zuletzt eine schwierige Situation für ihn", sagte Boateng. Er sei dagegen, einzelne Spieler zum Sündenbock auszurufen. Özil selbst äußerte sich zu dem Erdogan-Foto bisher nicht, auch seine Zukunft im DFB-Team ist noch unklar. Er bat nach dem WM-Aus um Zeit.

Boateng sprach sich zudem für den Verbleib von Bundestrainer Joachim Löw aus. "Auf jeden Fall", antwortete der Weltmeister von 2014 auf eine entsprechende Frage. Löw habe dem Team "klare Worte und Anweisungen mitgegeben, die wir nicht umgesetzt bekommen haben", sagte Boateng. Beim Neuanfang mit der Nationalmannschaft nach der Sommerpause wolle er "mit den anderen wieder ein anderes Gesicht zeigen. Ich will mit ihnen wieder das Deutschland repräsentieren, das wir kennen. Ein starkes Deutschland, eine starke Nationalmannschaft."

jan/dpa

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