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03. März 2015, 15:21 Uhr

Löw zu Freiburger Vorwürfen

"Ich lehne Doping absolut ab"

"Doping hat für mich im Sport nichts verloren": Bundestrainer Joachim Löw hat jede Verwicklung in die Dopingaffäre des VfB Stuttgart und des SC Freiburg zurückgewiesen. Löw hatte als Profi bei beiden Vereinen gespielt.

Hamburg - Bundestrainer Joachim Löw hat sich klar von den gegen seine ehemaligen Vereine erhobenen Doping-Vorwürfen distanziert. "Doping hat im Sport nichts verloren, ich lehne es absolut ab, das galt für mich als Spieler genauso, wie es heute als Bundestrainer immer noch gilt", sagte der 55-Jährige.

Am Montag waren erste Erkenntnisse der Ermittlungen der Evaluierungskommission, die sich an der Freiburger Universität mit der Doping-Vergangenheit beschäftigt, an die Öffentlichkeit gelangt.

Demnach sei in den "späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren" beim Bundesligisten VfB Stuttgart "im größeren Umfang" und, "wenn auch nur punktuell nachweisbar", auch beim damaligen Zweitligisten SC Freiburg Anabolika-Doping vorgenommen worden.

Löw war damals bei beiden Klubs als Spieler aktiv: 1978 bis 1980 sowie 1982 bis 1984 in Freiburg, 1980/81 in Stuttgart.

Auch der frühere Stuttgarter Mannschaftsarzt, Winfried Laschner, hat Doping-Vergehen während seiner Amtszeit ausgeschlossen. Er wisse nicht, was der einstige Freiburger Sportmediziner Armin Klümper, bei dem sich damals auch VfB-Profis behandeln ließen, "bei jedem einzelnen Patienten in seinen Spritzen hatte. Ich kann aber ausschließen, dass Mittel zur Leistungssteigerung eingesetzt wurden", sagte Laschner den "Stuttgarter Nachrichten". Der Mediziner war von 1976 bis 1984 Team-Arzt des VfB.

Klümper habe eine "besondere, intensivere und umfangreichere Sportmedizin betrieben als andere Ärzte", sagte Laschner weiter. "Dass Anabolika-Mittel wie Megagrisevit von Klümper zu therapeutischen Zwecken eingesetzt wurden, kann ich nicht ausschließen, ich habe davon aber nichts gewusst."

Kommission kennt Ergebnisse noch nicht

Fritz Sörgel glaubt all den Beteuerungen nicht. "Da muss der DFB in Zukunft eine Schippe drauflegen, damit er glaubwürdig wird", sagte der Pharmakologe, seit Kurzem selbst Mitglied der Freiburger Dopingkommission, dem ZDF: "Fußball ist ein Volkssport, der wichtigste Sport in Deutschland - da kann man sich nicht erlauben, dass etwas ungeklärt bleibt." Der Verband müsse über die "Narrenfreiheit", die der Fußball nun einmal habe, nachdenken.

"Wir kennen weder Ergebnisse noch einen Bericht der Kommission und können deshalb auch zur Sache selbst nichts sagen", teilte Rainer Koch, Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission des DFB, mit: "Um das Ganze seriös einordnen zu können, müssten wir den detaillierten Bericht kennen." Öffentlich geworden seien bislang aber "gravierende Vorwürfe, die selbstverständlich umfänglich aufgeklärt werden müssen".

"Ich habe nie geglaubt, dass es in Mannschaftssportarten keinen Sinn macht zu dopen, wie man es uns von vielerlei Seiten über Jahre hat weismachen wollen", sagte die Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestags, Dagmar Freitag (SPD). "Das ist ein klarer Beleg, dass es in Mannschaftssportarten natürlich genauso Sinn macht wie in anderen Sportarten und dass Mannschaftssportarten genauso anfällig für Leistungsmanipulationen sind wie Individualsportarten auch."

aha/sid

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