Neuer Vertrag für Löw Er mag's nun mal bequem

Bundestrainer Joachim Löw bleibt dem DFB weitere zwei Jahre treu. Mindestens bis 2020 will er die Nationalmannschaft betreuen. Revolutionen sind ausgeschlossen - was nicht schlimm sein muss.

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Vor ein paar Wochen hat Joachim Löw in einem Interview gesagt, er könne sich einen Job als Vereinstrainer im Ausland sehr gut vorstellen. Der Bundestrainer hat dies schon mehrfach angedeutet. Es ist allerdings nur Koketterie. Löw bleibt DFB-Trainer, das steht seit heute fest, mindestens bis 2020. Dann ist er 60 Jahre alt, den Stress eines Vereinscoaches wird er sich dann nicht mehr antun.

2020 wird Löw 14 Jahre Bundestrainer sein, so lange wie einst der Mann mit der Mütze, Helmut Schön. Damals in den sechziger und siebziger Jahren, war es noch relativ üblich, dass Verbandstrainer lange Zeit im Amt waren. Die Zeiten im Fußball waren nun einmal erheblich ruhiger.

Heute jedoch eine Top-Nation über so lange Zeit verantwortlich zu betreuen, das ist schon etwas besonders. Seit Löw beim DFB ist, hatte England sieben Nationaltrainer, Brasilien, Argentinien und Italien je sechs, die Niederlande fünf. Löw ist mittlerweile auch für die Öffentlichkeit so eng mit der Nationalmannschaft verbunden, dass man sich fast keinen anderen an dieser Stelle mehr vorstellen kann. Irgendwann wird es Jugendlichen mit Löw so gehen, wie einst unter Helmut Kohl, als sie keinen anderen Kanzler erlebt hatten als den ewigen Oggersheimer.

Der perfekte Job

Löw hat beim DFB seinen perfekten Job gefunden. Er mag es nun einmal gerne bequem, Löw ist immer ein Saisonarbeiter gewesen, der sich alle zwei Jahre auf ein Turnier voll konzentriert und sich danach seine Pausen zu nehmen versteht. Er ist einer, der sein vertrautes Umfeld um sich haben will. Dass in Kürze auch Torwarttrainer Andreas Köpke, Manager Oliver Bierhoff und die Assistenten Marcus Sorg und Thomas Schneider ihre Verträge verlängert bekommen, dürfte nur eine Formsache sein. Es würde niemanden wundern, wenn auch Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt 2020 noch als Teamarzt an der Seitenlinie steht. Er ist dann 78 Jahre.

Mit der Nationalmannschaft hat sich Löw seine eigene Komfortzone geschaffen. In der er dann auch in der Lage ist, seine Leistungen und Fähigkeiten einzubringen. Fünf Mal nacheinander hat er die Elf bei Turnieren ins Halbfinale gebracht, 2014 ging es bis zum WM-Titel. All jene, die sagen, dies hätten angesichts der Fülle starker Fußballer auch andere Trainer geschafft, reden leicht dahin. Den Beweis dafür können sie jedenfalls schlechterdings nicht erbringen.

Man kann an Löw vieles kritisieren: Sein nibelungentreues Festhalten an einem Spielerstamm, personifiziert über die Jahre durch Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger, sein ritualisiertes Trainerverhalten, seine Sturheit in manchen Personalentscheidungen, sein Zögern, bei der Aufstellung Experimente einzugehen. Löw ist beileibe nie ein Revolutionär gewesen, den viele in ihm sahen. Er ist einer, der die Verhältnisse so vorzufinden wünscht, wie er es seit Jahren gewohnt ist. Und immer die Espressotasse bei Pressekonferenzen auf dem Podium.

Aber dagegen steht eine Erfolgsbilanz, die kein anderer Nationaltrainer in der Welt vorweisen kann. Nie hat die Mannschaft in einer Qualifikation ernsthaft gewackelt, nie stand eine Turnierteilnahme nur annähernd in Frage, nie das Ausscheiden in einer Gruppenphase. Das sind die besten Argumente gegen Kritik.

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat von einem "in Buchstaben gegossenen Vertrauensbeweis" gesprochen, als er die Vertragsverlängerung am Mittag verkündete. Löw hat das Vertrauen bisher immer zurückgezahlt. Mehr kann man als Bundestrainer nicht tun.



insgesamt 44 Beiträge
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Marvel Master 31.10.2016
1. Ich finde er macht seinen Job gut
Er hat viel Erfahrung und mit ihm kann man Tuniere gewinnen. VG
berniesick 31.10.2016
2. Man muss ...
auch wissen , wann Schluss ist!
jo-jo-2000 31.10.2016
3. Fehler
im Einleitungstext schreiben Sie, dass Löw _2_ Jahre, also bis 2020 bleibe. Das sind nun aber leider 4 Jahren
schorri 31.10.2016
4. Warum nur?
Gibt's eigentlich beim DFB niemanden, der was von Fußball versteht? Löw ist ein Fehlgriff; inzwischen ein permanenter. Er hat die goldene, die allergoldenste Generation deutscher Kicker auf dem Silbertablett serviert bekommen. Und der einzige Turniersieg ist gegen Löws Rasenschach-Takterierei gelungen.
trader_07 31.10.2016
5. Puh!
Zitat von jo-jo-2000im Einleitungstext schreiben Sie, dass Löw _2_ Jahre, also bis 2020 bleibe. Das sind nun aber leider 4 Jahren
Im Einleitungstext steht weitere (!) zwei Jahre. Wenn er also bislang bis 2018 Vertrag hatte und jetzt um zwei weitere Jahre verlängert hat, landen wir in also in welchem Jahr?
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