DFB-Verteidiger Hector Merken Sie sich dieses Gesicht

Die WM 2014 hat Jonas Hector im Fernsehen geguckt, jetzt agiert er als Stammspieler in der Nationalmannschaft. Der Kölner ist unter Joachim Löw der Aufsteiger schlechthin.

Jonas Hector
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Jonas Hector

Aus Évian berichtet 


Es dürfte gar nicht sein, dass Jonas Hector am Sonntag bei einer Europameisterschaft in der deutschen Startelf steht. Hector spielt beim 1. FC Köln, einem Verein, der schon lange nicht mehr in dem Ruf steht, dem DFB Nationalspieler im Überfluss zuzuführen. Sein Bundesligadebüt feierte er mit 24 Jahren. In einem Alter, in dem andere schon längst zum DFB-Kader gehören. Und die WM vor zwei Jahren hat er mit seinen alten Kumpels aus der saarländischen Heimat vor dem Fernseher angeguckt.

Kein Wunder, dass Hector vor dem EM-Auftakt "positiv aufgeregt" ist. Es ist schon erstaunlich, welchen Aufstieg der Kölner Außenverteidiger genommen hat. Im Vorjahr war er der DFB-Spieler mit den meisten Einsatzminuten. Überall gab es Wechsel, auf jeder Position, doch Hector war immer dabei. Über seine Aufstellung am Sonntag gegen die Ukraine (21 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD) gibt es keine Diskussionen. Auf der linken Abwehrseite gilt er als gesetzt.

Und dennoch könnte Hector wahrscheinlich durch jede Fußgängerzone Deutschlands außerhalb von Köln laufen, ohne dass ihn irgendwer erkennen oder gar ansprechen würde. Hector ist der Unauffällige im DFB-Team, und für einen Abwehrspieler ist das durchaus ein Kompliment.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Die Position des Außenverteidigers ist bekanntlich so etwas wie das Stiefkind des modernen Fußballs, es ist ein äußerst laufintensiver und vielgestaltiger Job, und dazu noch einer, der normalerweise keinen großen Ruhm einbringt, da ihm der Glanz des Spielgestalters oder Torjägers fehlt. Es ist daher der perfekte Job für Jonas Hector.

Als Deutschland in Rio Weltmeister wurde, war Hector mit dem FC gerade erst in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Er sagt heute, er sei damals zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Philipp Lahm, Deutschlands Vorzeige-Außenverteidiger, war als Nationalspieler zurückgetreten. Die denkbar größte Lücke, die ein Abgang im DFB-Team reißen kann. Hector kann diese Lücke zwar nicht schließen, aber er macht sich gut.

Zuverlässig, aber nicht überragend in der Defensive, dazu mit einem kontrollierten Offensivdrang ausgestattet, bringt Hector zwei Schlüsselqualifikationen mit. Seine Partner auf links haben in den vergangenen zwei Jahren immer mal wieder gewechselt, derzeit scheint der Wolfsburger Julian Draxler gute Chancen zu haben, der Mann direkt vor Hector auf der linken Seite zu werden. Ob Draxler, Lukas Podolski oder André Schürrle - Hector kann sich auf sie alle irgendwie einstellen. Anpassungsfähigkeit ist die andere Seite der Medaille der Unauffälligkeit.

Hector, der Musterschüler

Wenn die Zeichen, die Bundestrainer Joachim Löw dieser Tage aussendet, nicht trügen, dürfte Hector der einzige Nicht-Weltmeister sein, der am Sonntag in der Startformation steht. Und das ist eine ziemlich ehrliche Aufstellung: Außer Hector hat sich seit dem WM-Triumph von Rio niemand wirklich beim DFB aufgedrängt.

Der "Kölner Stadtanzeiger" attestiert dem Abwehrspieler eine "immer währende Ruhe", und das ist wohl sein Erfolgsgeheimnis. Eskapaden wie die von Nationalelf-Kollege Max Kruse wären bei ihm unvorstellbar. Als er 2012 zum 1. FC Köln kam, hatte die Zeitung ihm bereits das Etikett des "Musterschülers" aufgeklebt. Hector hat seitdem alles getan, diese Bezeichnung zu rechtfertigen.

Es ist eine Bilderbuchkarriere, die der heute 26-Jährige hingelegt hat. Vor sechs Jahren als Offensivspieler aus der Oberliga Südwest vom SV Auersmacher zur U21 des FC gewechselt, zwei Jahre später zu den Profis aufgerückt, vom damaligen Trainer Holger Stanislawski zum Außenverteidiger umfunktioniert, wie es derzeit gerne gemacht wird. Hector hat das akzeptiert, umgesetzt und davon profitiert.

Große Emotionen sind nicht seine Sache. "Ich mache zwar keine Überdinger, schieße aber auch relativ wenig Böcke", hat er dem "Tagesspiegel" in einem Interview erzählt. Daraus spricht der komplette Realismus, eine nüchterne Selbsteinschätzung war immer schon eine gute Voraussetzung, um unter Joachim Löw Karriere zu machen.

Mittlerweile wäre jedenfalls niemand mehr überrascht, wenn Jonas Hector, der vor zwei Jahren noch in der 2. Liga spielte, alle EM-Partien mitmacht. Und wenn er an einem Sonntag im Juli den EM-Pokal in Händen halten würde, dann gäbe es sogar einen hectorschen Gefühlausbruch zu bewundern. Zumindest vielleicht.



insgesamt 22 Beiträge
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daydream32 09.06.2016
1. Absolut richtig
von ihm, mit der Vertragsverlängerung beim 1. FC Köln bis nach der EM zu warten. Meiner Meinung nach wird es dazu nicht kommen. Es werden sich einige große Clubs um ihn bemühen. Und Köln wird ihn nicht halten können. Weder finanziell, noch sportlich.
tmhamacher1 09.06.2016
2. Vertrag bis 2018
JH hat noch zwei Jahre Vertrag in Köln ohne Klausel. Er sagt zwar, dass er sich dort wohlfühlt, aber in seinem Alter geht es natürlich auch um den dicken Fisch, den er noch an die Angel bekommen will. Er wird vermutlich gehen und den FC sanieren, dann haben beide was davon!
artner 09.06.2016
3.
Hector profitiert von seiner geringen Konkurrenz und nicht von seiner Spielstärke. Jegliche Überhöhung ist blased und sollte sich einfach mal darauf konzentrieren, wieviele erfolgreiche Flanken, Torvorbereitungen, Pässe in die Spitze von ihm ausgehen.
CancunMM 09.06.2016
4.
Zitat von artnerHector profitiert von seiner geringen Konkurrenz und nicht von seiner Spielstärke. Jegliche Überhöhung ist blased und sollte sich einfach mal darauf konzentrieren, wieviele erfolgreiche Flanken, Torvorbereitungen, Pässe in die Spitze von ihm ausgehen.
Das sehe ich ähnlich, wobei ich ihn offensiv eigentlich besser sehe als defensiv. Völlig überbewerteter Spieler. Wird man auch bei der EM sehen.
bru.zag 09.06.2016
5. Nun ja
Ich hab nichts gegen den Spieler, aber aus meiner Sicht sprichr viel Zweckoptimismus aus diesem Artikel. Machen wir uns nicht vor. Hector ist von der internationalen Klasse weit entfernt. Offensiv ein Totalausfall und defensiv anfällig. Das er bei Köln spielt ist eben kein Zufall.
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