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Fifa-Präsidentenwahl Blatters schwacher Auftritt lässt Gegner hoffen

Droht dem mächtigen Fifa-Chef doch die Abwahl? Joseph Blatter hat beim Kongress des Fußball-Weltverbands eine maue Rede gehalten. Einige seiner bisherigen Anhänger kündigen an, den Herausforderer zu unterstützen.

Es war ein merkwürdiger Auftritt von Joseph Blatter: Der Fifa-Präsident hat beim Wahlkongress in Zürich versucht, gleichzeitig die Verantwortung für die Krise zu übernehmen und sie abzulehnen. "Ich akzeptiere es, dass ich die Verantwortung trage, aber ich möchte sie teilen", sagte er. Er nahm die Kritik nach den massiven Korruptionsvorwürfen damit auf - und wies sie im gleichen Satz zurück.

Das macht natürlich keinen Sinn. Blatter müsste sich schon entscheiden: Entweder ist er der Präsident und damit verantwortlich für alle schmutzigen Geschäfte, die in der Fifa laufen. Als Konsequenz müsste er zurücktreten. Oder es waren "Einzelne, die den Ruf der Fifa beschädigen". Und für ihn ist es unmöglich, die Legalität aller Fifa-Geschäfte zu garantieren.

Letztere Alternative wäre wenig glaubwürdig, aber zumindest hätte Blatter damit eine Strategie erkennen lassen. Stattdessen verwirrte er mit Aussagen, die Fifa sei "kein Schwimmklub oder Fischerverein", er forderte die Unterstützung "der Aktionäre", sprich der Delegierten, und sagte, um die Krise zu überstehen, brauche die Fifa "Disziplin, guten Willen und viel Respekt".

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Bei den Delegierten hinterließ Blatter mit seiner Rede fragende Gesichter. Der Beifall fiel spärlich aus, die Delegierten der 209 Nationalverbände applaudierten nur kurz und wenig enthusiastisch.

Stimmen der Kontinentalverbände bei der Fifa-Präsidentenwahl

Stimmen der Kontinentalverbände bei der Fifa-Präsidentenwahl

Foto: SPIEGEL ONLINE

Blatters Gegner dürften den schwachen Auftritt mit Genugtuung verfolgt haben. Die überwiegende Mehrheit der europäischen Verbände will den Präsidenten am Abend stürzen. Für ihn soll der Jordanier Prinz Ali bin Al Hussein übernehmen. Die Kandidatur des 39-Jährigen galt vor dem Kongress als aussichtslos, hat durch die Festnahmen und Durchsuchungen der Fifa-Zentrale am Mittwoch aber Auftrieb bekommen.

Auf einmal schwenken einige Blatter-Anhänger um. "Der US-Verband wird für Prinz Ali stimmen", sagte Sunil Gulati, Präsident des amerikanischen Fußballverbands USSF. Auch die Vertreter aus Kanada und Australien teilten mit, den Herausforderer zu unterstützen.

" Es wird eine sehr knappe Wahl"

Randolph Harris, Verbandschef von Barbados, sagte, er habe sich noch nicht entschieden, werde sich aber die Stimmung beim Kongress anschauen. Sein Kontinentalverband Concacaf habe eigentlich "en bloc für Blatter" stimmen wollen, aber nun würden einige Verbände diese Entscheidung überdenken. Concacaf-Chef Jeffrey Webb gehörte zu den Funktionären, die am Mittwoch im Luxushotel Baur au Lac festgenommen wurden. Harris glaubt nicht mehr an einen Durchmarsch von Blatter: "Es wird eine sehr knappe Wahl", sagte er.

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Blatter kann immer noch auf die Afrikaner zählen, der Block des mit 54 Stimmen größten Kontinentalverbands steht treu hinter ihm. Aber neben dem Concacaf (35 Stimmen) könnte es auch im asiatischen Verband (46 Stimmen) Überläufer geben. Vor allem in den muslimisch geprägten Ländern gibt es Sympathien für einen Fifa-Chef aus Jordanien.

Zudem wurde ein mächtiger Strippenzieher des asiatischen Verbands am Donnerstagabend bei einem intensiven Austausch mit Uefa-Chef Michel Platini gesehen. Ein Journalist von "World Football Insider" berichtet, Platini und Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah hätten sich in der Hotelbar des Baur au Lac angeregt unterhalten.

Bislang galt es als undenkbar, dass der Blatter-Freund seine Verbände für den Herausforderer wählen lassen könnte. Wenn sich das geändert hat, könnte es am Abend eine Sensation geben.

Blatters missglückter Auftritt wäre dann auch seine Abschiedsrede gewesen.

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