WM-Turnier 2022 Blatter schürt neuen Verdacht um Rolle Beckenbauers

Im Rennen um die WM 2022 waren Australien gegen Katar einst chancenlos. Die Bewerbung sorgt aber nachträglich für Aufsehen. Ex-Fifa-Chef Blatter deutet an, dass Franz Beckenbauer sich von Australien bezahlen ließ.
Franz Beckenbauer und Joseph Blatter

Franz Beckenbauer und Joseph Blatter

Foto: DPA

Die Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar - ein Sündenfall im Weltfußball. Die Unruhe, die diese Vergabe aus dem Jahr 2010 ausgelöst hat, hat dazu beigetragen, dass Fifa-Chef Joseph Blatter gestürzt wurde und der Weltfußballverband noch tiefer in Misskredit geraten ist. Und die Vergabe sorgt weiter für Schlagzeilen.

Blatter hat jetzt angedeutet, dass nicht nur bei der Katar-Bewerbung Geld geflossen ist. Auch Mitbewerber Australien habe gezahlt - an Franz Beckenbauer, der damals noch Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees war. Des Gremiums, das über die Vergabe entschied.

Beckenbauers enger Vertrauter Fedor Radmann war damals als Berater der australischen WM-Bewerbung tätig. "Ich habe keinen Zweifel, dass Fedor Radman etwas am Laufen hatte, ich weiß, dass er eine Menge Geld bekommen hat und Franz das, was er für Australien getan hat, nicht für Nichts getan hatte", wird Blatter in dem Buch der australischen Autorin Bonita Mersiades zitiert, die die WM-Bewerbung ihres Landes ausgiebig Revue passieren lässt. Sie hatte selbst im australischen Bewerbungsteam gearbeitet.

Klarer Bruch der Fifa-Regeln

Es war bekannt, dass Beckenbauer Sympathien für die Bewerbung Australiens hatte, das legt allein die Rolle des Beckenbauer-Freundes Radmann nahe. Dennoch wäre eine Bezahlung eines Fifa-Exekutivkomitees ein klarer Bruch der Fifa-Regeln - ein Bruch, dessen sich nicht nur Beckenbauer schuldig gemacht hätte - wie man mittlerweile fast sicher weiß. Katar soll nach Aussagen unter anderem im New Yorker Fifa-Prozess Geld an Exekutivmitglieder locker gemacht haben.

Es ist beileibe nicht die einzige Merkwürdigkeit, die Mersiades in ihrem Buch "Whatever it takes" rund um die WM-Vergabe auflistet. Der damalige US-Präsident Barack Obama wurde angeblich schon kurz vor der Vergabe darüber informiert, dass die USA die Abstimmung verlieren würden. "Wir haben ihn angerufen und ihm gesagt, dass es sehr schwierig werden wird zu gewinnen", so Blatter. Die USA hatten das Rennen um die Endrunde 2022 gegen Katar in der vierten Runde mit 8:14 Stimmen verloren.

Blatter selbst habe nach einem Gespräch mit dem damaligen Uefa-Präsidenten Michel Platini gewusst, dass Katar die WM wohl bekommen werde. Vorher habe eigentlich Einigkeit bestanden, dass die USA die WM 2022 ausrichten sollen. Blatter berichtete erneut von dem Treffen von Platini mit Scheich Tamim bin Hamad Al Thani aus Katar und Frankreichs damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy kurz vor der entscheidenden Exko-Sitzung. Im Anschluss habe Platini seine Meinung bezüglich der WM-Vergabe zugunsten des Emirats geändert.

SPIEGEL TV Magazin: Franz Beckenbauer und die DFB-Millionen

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aha/sid
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