Fifa-Präsident Blatter Augen zu und durch

Sieben hochrangige Fifa-Funktionäre sind festgenommen, die Uefa fordert eine neue Führung des Weltfußballverbands: Doch Fifa-Präsident Joseph Blatter tut, als sei nichts geschehen. Seine Wiederwahl soll wie geplant stattfinden.

Fifa-Präsident Blatter: "Schwierige Zeit für den Fußball"
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Fifa-Präsident Blatter: "Schwierige Zeit für den Fußball"


Am Wahltermin wird nicht gerüttelt: Fifa-Präsident Joseph Blatter hat die Forderung, die für Freitag geplante Präsidentschaftswahl des Weltfußballverbands zu verschieben, einfach ignoriert. Dabei hatte sogar der Europäische Fußballverband Uefa nach den Festnahmen von hochrangigen Fifa-Funktionären in Zürich darum gebeten.

"Dies ist eine schwierige Zeit für den Fußball", ließ der 79-Jährige stattdessen verlauten. Sein Verband werde mit den betroffenen Behörden in der Schweiz und den USA zusammenarbeiten.

Sieben Funktionäre der Fifa oder Offizielle der ihr angeschlossenen Konföderationen waren am Mittwochmorgen in Zürich wegen des Verdachts der Korruption oder Geldwäsche festgenommen worden. Die Fifa-Ethikkommission sperrte daraufhin die Verdächtigen vorläufig für jegliche Aktivitäten im Fußball.

Betroffen sind die Vizepräsidenten Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo sowie Eduardo Li, Julio Rocha, Costas Takkas, Rafael Esquivel und José Maria Marin, die von der Polizei in Zürich abgeführt worden waren. Außerdem vorläufig gesperrt worden sind Chuck Blazer, Jack Warner, Daryll Warner und Nicolás Leoz.

"Solch ein Fehlverhalten einzelner Personen hat im Fußball keinen Platz", sagte Blatter. Die von der Ethikkommission verhängten Sanktionen seien "auf einem ähnlichen Level" anzusiedeln wie Schritte, welche die Fifa "über Jahre hinweg vollzogen hat, um Mitglieder auszusperren, die den Ethik-Code missachten."

Beim Fifa-Kongress ist bislang die Wahl des Weltverbandspräsidenten vorgesehen. Blatters einziger Gegenkandidat ist Prinz Ali Bin Al Hussein aus Jordanien. "Die heutigen Ereignisse sind ein Desaster für die Fifa und beschädigen das Image des Fußballs", hieß es in einer Uefa-Mitteilung. Der Kongress drohe zur Farce zu werden. Deshalb sollten die europäischen Verbände darüber nachdenken, die Versammlung der 209 Fifa-Mitgliedsländer zu boykottieren. Die Fifa brauche eine neue Führung.

krä/sid/dpa

insgesamt 39 Beiträge
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klargeist 27.05.2015
1. Ethik?
Der korrupteste aller FIFA-Größen spricht von Ethik?! Das is doch die eigentliche Farce. Niemand hat es geahnt, nein, was sind wir überrascht! Ich kann gar nicht aufhören zu Lachen.
Martinb58 27.05.2015
2. Blatter
erinnert mich fast an "Erich Mielke" fehlt nur noch der Spruch "aber ich liebe Euch doch alle" Wenn er ein Rueckrat haette muesste der Kongress und die Wahl verschoeben werden.
motorradrudi 27.05.2015
3. Eliminieren
Weg mit DIESER "FIFA MAFIA". Weg mit der WM aus Russland und Katar.
ihatezensur 27.05.2015
4. Macht er den Schettino oder hat er Eier?
Warum versteckt er sich hinter einer schriftlichen Verlautbarung und traut sich nicht selber vor die Kameras? Wer nicht weiß was in seinem Laden vor sich geht, kann ihn auch nicht managen. Aber nimmt man die PK von heute morgen, dann scheint das Hauptkriterium für einen FIFA-Präsidenten zu sein: nachweislich nicht korrupt zu sein. Insofern wird der FIFA wohl auch kaum etwas anderes übrig bleiben, als den einzigen, dem man nichts nachweisen kann, auch wiederzuwählen.
raber 27.05.2015
5. Selbstkritisches Manifest Blatters?
Blatters Wortlaut: "Wir werden dafür sorgen, dass alle daran beteiligten Personen aus dem Fussball entfernt werden." Dann muss er sich selber entfernen. Und zwar, je schneller, desto besser.
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