Fußball-WM 2022 Blatter bezichtigt Wulff der Einflussnahme für Katar

Joseph Blatter mal wieder: Der Fifa-Präsident beschuldigt Deutschland erneut, bei der WM-Vergabe nach Katar Einfluss genommen zu haben. Und er kündigte an, wieder reisen zu wollen - aber nur nach Russland.
Fifa-Präsident Blatter (Archiv): "Deswegen haben wir jetzt eine WM in Katar"

Fifa-Präsident Blatter (Archiv): "Deswegen haben wir jetzt eine WM in Katar"

Foto: AP/dpa

Es sind unschöne Tage für den umstrittenen Fifa-Präsidenten Joseph Blatter. Die amerikanische Justiz ermittelt gegen zahlreiche Funktionäre des Fußball-Weltverbands, es geht um Korruption und Manipulation von WM-Vergaben, Geldwäsche. Blatter selbst hatte am 2. Juni seinen Rücktritt erklärt, seitdem beglückt er die Fußball-Welt mit undurchsichtigen Aussagen zu seiner Zukunft. In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" ließ der 79-Jährige nun mal wieder von sich hören.

Der Schweizer wird demnach zur Auslosung der europäischen Qualifikationsgruppen für die Fußballweltmeisterschaft 2018 am 25. Juli in St. Petersburg reisen. Zuletzt hatte Blatter, der bereits seit 1998 der Fifa vorsitzt, auf einen Besuch des Finales der Frauenfußball-WM in Kanada verzichtet. "Solange nicht alles abgeklärt ist, werde ich kein Reise-Risiko eingehen", betonte Blatter nun.

Und dann wiederholte er seinen Vorwurf, Deutschland und Frankreich hätten versucht, Einfluss auf die Wahl Katars als WM-Gastgeber 2022 zu nehmen. Blatter nannte in diesem Zusammenhang die damaligen Präsidenten Christian Wulff und Nicolas Sarkozy: "Die Herren Sarkozy und Wulff haben versucht, ihre Wahlmänner zu beeinflussen. Deswegen haben wir jetzt eine WM in Katar. Die, die das entschieden haben, sollen auch die Verantwortung übernehmen."

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) habe vom ehemaligen Bundespräsidenten Wulff eine Empfehlung bekommen, "dass Deutschland wegen wirtschaftlicher Interessen für Katar stimmt". Wulff hat diesen Vorwurf zurückgewiesen, auch Frankreich hatte sich schon im vorigen Mai gegen Blatters Behauptung verwahrt.

Bereits 2013 hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Vorwurf der Einflussnahme zurückgewiesen: "Ich kann für die Bundeskanzlerin hier nur ganz klar sagen, dass es zu keiner Zeit eine Empfehlung an ein deutsches Fifa-Exekutivmitglied gegeben hat, eine Stimme für eine Wahl Katars als Ausrichtungsort abzugeben", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Franz Beckenbauer als der damalige deutsche Wahlmann im Fifa-Exekutivkomitee verrät bis heute nicht, für wen er stimmte. Katar hatte sich bei der Bewerbung um die WM 2022 mit 14:8 Stimmen gegen die USA durchgesetzt.

Blatter war Ende Mai für eine fünfte Amtszeit als Fifa-Präsident wiedergewählt worden, hatte wenige Tage später aber seinen Rücktritt angekündigt. Am 20. Juli wird das Fifa-Exekutivkomitee einen Termin für einen außerordentlichen Kongress festlegen, auf dem ein Nachfolger gewählt werden soll. Ob Blatter dann womöglich erneut antritt, ist bis heute nicht klar.

chp/dpa