Joshua Kimmich verlängert beim FC Bayern München Er hat sich gut beraten

Joshua Kimmich bleibt bis 2025 beim FC Bayern – und hat seinen Vertrag selbst ausgehandelt. Wenn sich die Münchner in Europas Spitze halten wollen, wird es aber mehr als nur Vertragsverlängerungen brauchen.
Thomas Müller und Joshua Kimmich (r.): Das fleischgewordene Vereinsmotto »Mia san mia«

Thomas Müller und Joshua Kimmich (r.): Das fleischgewordene Vereinsmotto »Mia san mia«

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Alexander Hassenstein / Getty Images

Vor der EM 2021 lief im ZDF eine Dokumentation über Joshua Kimmich. Titel: »Sein Weg in die Weltklasse«. Darin formulierte der 26-Jährige den Wunsch, Europameister zu werden. Vermutlich wusste er zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass er die EM als Rechtsverteidiger, auf seiner eher ungeliebten Position, bestreiten sollte. Deutschland schied bekanntlich im Achtelfinale aus – für ein besseres Ergebnis hätte es wahrscheinlich mindestens einen Kimmich mehr im Team geben müssen.

Bezeichnend ist auch eine andere Szene. Darin wird Kimmich von seiner Partnerin Lina Meyer als Vater von mittlerweile zwei Kindern gelobt: »Er macht es besser, als ich gedacht habe.« Kimmich steht daneben und ballt die Hand zur Faust wie nach einem geschossenen Tor.

Es ist eine typische Pose von Joshua Kimmich. Der Münchner gehört zu den ehrgeizigsten Fußballprofis der Bundesliga.

Oliver Kahn (l.), Joshua Kimmich, Hassan Salihamidžić, im Hintergrund die Frauenkirche: Harmonie beim FC Bayern

Oliver Kahn (l.), Joshua Kimmich, Hassan Salihamidžić, im Hintergrund die Frauenkirche: Harmonie beim FC Bayern

Foto: Marco Donato / imago images/FC Bayern München

Jetzt steht fest, dass der Mittelfeldspieler aus Rottweil auch in Zukunft seine Energie für den FC Bayern München verwenden wird. Kimmich verlängerte seinen Vertrag beim Rekordmeister bis 2025 und steigt zu den Großverdienern in der Mannschaft auf. Zuletzt gab es Gerüchte, dass Kimmich künftig 20 Millionen Euro im Jahr verdienen soll, vorher sollen es rund zehn Millionen gewesen sein. Eine offizielle Bestätigung für diese Zahlen gibt es jedoch nicht. Die Münchner verkaufen die Verlängerung als »ein deutliches Zeichen nach innen wie nach außen«, wie Sportvorstand Hassan Salihamdžić in einer Mitteilung der Bayern zitiert wird.

Trainer Nagelsmann als Schlüssel

Bei den Verhandlungen verzichtete Kimmich auf einen externen Berater – eine Seltenheit im Fußball-Geschäft. »Bei der letzten Verlängerung hatte ich kein perfektes Gefühl«, sagte Kimmich am Montag. Er wolle sich auf niemand anderes verlassen und habe deshalb direkt mit Salihamidžić und dem neuen Vorstandsvorsitzenden Oliver Kahn gesprochen.

Ein wichtiger Faktor war für Kimmich die Verpflichtung von Julian Nagelsmann als neuem Coach, dessen Vertrag sogar ein Jahr länger, bis 2026, läuft. Seit seinem Wechsel zum FC Bayern 2015 hat Kimmich unter fünf Trainern gearbeitet. »Nun hat man eine gewisse Sicherheit für die Zukunft«, sagte er. »Einen Trainer für so einen langen Zeitraum zu verpflichten, war für die Mannschaft sehr wichtig.«

Alaba soll eine Ausnahme bleiben

Kimmichs Weiterverpflichtung kommt wenig überraschend – gemeinsam mit Thomas Müller verkörpert er das fleischgewordene Vereinsmotto: »Mia san mia«. Seit Wochen wurde darüber spekuliert, es ging im Grunde nur noch um die Laufzeit. Die von den Bayern beschworene Signalwirkung ist allerdings keine Nebensächlichkeit. Im Sommer hatte mit David Alaba, 29, erstmals nach vielen Jahren ein Profi den Verein verlassen, der noch einige Jahre auf höchstem Niveau spielen kann – und den die Bayern gern halten wollten. Allerdings nicht zu jedem Preis.

Nun können die Münchner wieder ihr Alleinstellungsmerkmal in der Bundesliga betonen: Sie sind aus wirtschaftlicher Sicht nicht auf Transfererlöse angewiesen, sie können auf dem deutschen Markt nahezu jeden Spieler verpflichten, und wenn sie jemanden aus ihren Reihen unbedingt halten wollen, klappt das in der Regel auch.

In Kimmichs Sog soll Leon Goretzka folgen. Die beiden Freunde, die gemeinsam mit der Aktion #WeKickCorona schon über fünf Millionen Euro an Spendengeldern eingenommen und auf diese Weise ein bemerkenswertes soziales Engagement an den Tag gelegt haben, sollen die Bayern – und auch die Nationalmannschaft – im zentralen Mittelfeld in die Zukunft führen. Goretzkas Vertrag läuft nach dieser Saison aus, seine Verlängerung wird ebenfalls in den kommenden Wochen erwartet.

Der FC Bayern will wieder deutscher werden

Unter Salihamidžić und Kahn wollen sich die Bayern wieder verstärkt um deutsche Nationalspieler bemühen, nachdem sich der Transferblick zuletzt verstärkt nach Frankreich gerichtet hatte; derzeit stehen acht Franzosen im Kader. Ob im Zuge der neuen Strategie Florian Wirtz (Bayer Leverkusen), Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain), Ridle Baku (VfL Wolfsbug), Timo Werner (FC Chelsea) oder vielleicht Florian Neuhaus (Borussia Mönchengladbach) kommen werden, wird sich vermutlich erst im Verlauf der Saison zeigen.

Denn in der aktuellen Transferperiode, die am 31. August endet, halten sich die Münchner zurück. Bisher wurde neben Trainer Nagelsmann, für den die Münchner eine zweistellige Millionensumme als Ablöse an RB Leipzig zahlen mussten, nur Dayot Upamecano (ebenfalls RB) als Spieler mit Startelf-Ambitionen verpflichtet. Die Coronapandemie mit all ihren verminderten Einnahmen hat auch den FC Bayern getroffen.

Weitere Transfers sind trotzdem möglich. Kimmich lobte, ganz im Stile eines kommenden Kapitäns, die Qualität der vorhandenen Mannschaft. Aber er betonte auch, in den Verhandlungen die Ambitionen des Klubs abgeklopft zu haben – und scheint mit der Antwort zufrieden gewesen zu sein: »Natürlich will ich auch in Zukunft europäische Titel gewinnen.«

Kimmich will alles selbst regeln

Mit der derzeitigen Kadertiefe dürfte das jedoch schwierig werden. In der Abwehr fehlt sowohl ein Spieler für die Zentrale als auch für die rechte Seite, die Verletzungsanfälligkeit von Kingsley Coman macht es auf den Außenbahnen schwierig und im zentralen Mittelfeld darf ebenfalls nicht viel passieren – Corentin Tolisso fällt im Vergleich zu Kimmich und Goretzka deutlich ab.

Nun könnte man sagen, gerade Kimmich ist dafür bekannt, über 90 Prozent der Saisonspiele ohne ernsthaften Leistungsabfall absolvieren zu können. Doch ob das auf Dauer so bleibt? Gerade die EM hat gezeigt, dass er in schwierigen Mannschaftsphasen dazu neigt, alles in die eigene Hand nehmen zu wollen und sich bisweilen dabei selbst überfordert.

»Wir schauen, was unsere Möglichkeiten erlauben – oder auch nicht«, sagte Salihamidžić zu möglichen Transferaktivitäten des FC Bayern, um dann noch hinzuzufügen: »Mehr möchte ich dazu heute nicht sagen.« Da scheint in den kommenden Tagen also noch etwas zu passieren, vielleicht kommt mit Marcel Sabitzer (RB Leipzig) tatsächlich noch ein Spieler für das zentrale Mittelfeld, der Kimmich entlasten könnte.

Sollte es Bestandteil seines Deals gewesen sein, hat der Berater Kimmich ziemlich gut verhandelt.

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