Jubel in Bochum Mönchengladbach schlägt sich selbst

Es war eine der kuriosesten Szenen der Bundesligageschichte: Ein Mönchengladbacher Stürmer traf bei seiner ersten Ballberührung ins Tor - aber in das falsche. Die Borussen stürzen in den Tabellenkeller, Bochum kämpft sich auch dank eines überragenden Griechen nach oben.


Bochum - Borussia Mönchengladbach muss in der Fußball-Bundesliga auf einem Abstiegsplatz überwintern. Die Elf von Jupp Heynckes kassierte im Kellerduell beim VfL Bochum eine 0:2-Niederlage und blieb im zehnten Spiel in Folge ohne Sieg. Die Bochumer ließen in der Tabelle durch den dritten Heimsieg hintereinander die Gladbacher - die in der Hinrunde nur zwei Auswärtspunkte sammelten - hinter sich und feiern damit Weihnachten auf einem Nichtabstiegsplatz.

Bochums gefeierter Held vor 30.121 Zuschauern war einmal mehr Theofanis Gekas. Der Grieche erzielte in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit mit einem herrlichen Lupfer aus 18 Metern den wegweisenden Führungstreffer für die Gastgeber und war nach seinem siebten Saisontreffer auch am entscheidenden Eigentor des eingewechselten Gladbachers Kahe (85.), der bei seiner ersten Ballberührung in die falsche Richtung köpfte, beteiligt.

Beim 1:0 nutzte Gekas einen kapitalen Abwehrfehler von Gladbachs Abwehrspieler Tobias Levels, der ihm den Ball unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff direkt in die Füße spielte. "Im Moment kommt einfach alles zusammen. Man muss sagen, dass wir die Seuche haben", meinte Heynckes frustriert: "Wenn man in der 45. Minute in einem solchen Spiel ein Gegentor bekommt, ist das tödlich, und davon haben wir uns auch nicht mehr richtig erholt." Der Coach forderte Neuzugänge in die Winterpause und war sich bewusst, dass auch er zunehmend in die Kritik geraten wird: "Das ist normal, wenn eine Mannschaft unten drin steht."

Allen Beteiligten war die Nervosität im Abstiegskampf von Beginn an anzumerken. Beiden Mannschaften unterliefen eine Vielzahl von Fehlpässen, ein geregelter Spielaufbau war zunächst kaum zu sehen. Dennoch erwischten die Gladbacher, die von gut 10.000 Borussia-Fans unterstützt wurden, den besseren Start. Stürmer Wesley Sonck überwand VfL-Torwart Peter Skov-Jensen mit einem sehenswerten Hackentrick, doch Marcel Maltritz rettete für Bochum auf der Torlinie (6.). Danach jedoch übernahmen die Platzherren eindeutig das Kommando. Christoph Dabrowski verpasste das Tor zweimal per Kopf nur knapp (14. und 26.) und schoss später freistehend aus 16 Metern über das Tor (34.). Noch vor seinem Führungstreffer scheiterte außerdem Gekas (25.) nach einem Eckball von Filip Trojan per Kopf an Gladbachs Schlussmann Kasey Keller.

Während Bochums Trainer Marcel Koller derselben Elf vertraute wie beim unglücklichen 0:1 vor Wochenfrist in Stuttgart, änderte Heynckes seine Anfangsformation im Vergleich zum enttäuschenden 1:1 am vergangenen Wochenende gegen Schlusslicht FSV Mainz 05 gleich auf vier Positionen. Aber auch die Hereinnahme von Sonck, Eugen Polanski, Kasper Bögelund und Levels brachte nicht den gewünschten Effekt.

Nach einer kämpferisch überzeugenden ersten Halbzeit mit einigen guten Kontern wurden die Gäste nach der Halbzeit immer schwächer. Auch die Hereinnahme von Nationalspieler Oliver Neuville, der nach einmonatiger Verletzungspause sein Comeback gab, zahlte sich nicht aus. Einzig ein Schlenzer von Spielmacher Federico Insua, den Skov-Jensen parierte, brachte Torgefahr. Die Bochumer, die vor allem dank Gekas immer wieder gefährlich waren, hatten die Partie klar unter Kontrolle und kamen verdient zum zweiten Treffer.

VfL Bochum - Borussia Mönchengladbach 2:0 (1:0)
1:0 Gekas (45.+1)
2:0 Kahe (85., Eigentor)
Bochum: Skov-Jensen - Lense, Maltritz, Drsek, Bönig - Dabrowski, Zdebel - Schröder, Trojan (83. Bechmann) - Misimovic (88. Meichelbeck) - Gekas (90. Auer)
Mönchengladbach: Keller - Helveg (85. Kahe), Levels, Ze Antonio, Bögelund - Kirch (66. Degen), Thijs, Polanski - Insua - Delura (56. Neuville), Sonck
Schiedsrichter: Günter Perl (München)
Zuschauer: 30.121
Gelbe Karte: - / Sonck

all/sid



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