Lukas Rilke

Klinsmanns Aus bei Hertha Der Totalschaden

Lukas Rilke
Ein Kommentar von Lukas Rilke
Der Star war der Trainer: Jürgen Klinsmann half Hertha BSC kurz aus der Bedeutungslosigkeit - aber zu welchem Preis? Nach nur zehn Wochen ist das Projekt gescheitert, alle Beteiligten sind beschädigt.
Big City Blues statt "Big City Club": Jürgen Klinsmanns Berlinprojekt ist gescheitert

Big City Blues statt "Big City Club": Jürgen Klinsmanns Berlinprojekt ist gescheitert

Foto: Bernd König/ imago images

Zehn Wochen lang war eine der spannendsten Fragen im deutschen Fußball, was Jürgen Klinsmann in Berlin würde aufbauen können. Nun, nach dem plötzlichen Aus des Trainers, lässt sich bilanzieren: Das Projekt Klinsmann hat einen gewaltigen Schaden hinterlassen.

Die Art und Weise des Abgangs, verkündet am Dienstagvormittag via Facebook, trägt dazu in großem Maße bei. Klinsmann schreibt darin von mangelndem Vertrauen und fehlendem Zusammenhalt im Verein. "Keinerlei Anzeichen" habe es für Klinsmanns Entscheidung gegeben, ließ sich Herthas Geschäftsführer Michael Preetz zitieren.

Öffentliches Nachtreten, eine katastrophale Kommunikation - Klinsmanns Rückzug ist ein PR-Desaster für die Hertha. Klinsmann hat sich mit diesem Abgang selbst geschadet, genauso wie den Klubbossen und dem Verein als Ganzes.

Der Klinsmann-Effekt, es gab ihn

Der Herr gibt, der Herr nimmt, in diesem Falle Klinsmann. Denn der 55-Jährige hatte Berlin tatsächlich etwas gegeben. Nicht so sehr fußballerisch, der Klub liegt auf Tabellenplatz 14 immer noch in Nähe der Abbruchkante. Fortschritte waren unter dem Wirken von Klinsmann und seinen mitgebrachten Co-Trainern Alexander Nouri und Markus Feldhoff nur defensiv zu erkennen. Aber erstmals seit Jahrzehnten hatte die Hertha mit Klinsmann mal wieder regelmäßig in der Öffentlichkeit stattgefunden. Was in Berlin passierte, war auf einmal interessant. Der Klinsmann-Effekt - es gab ihn, er war sogar messbar.

Als "Big City Club" und "spannendstes Fußballprojekt in Europa" hatte Klinsmann selbst die von Investor Lars Windhorst gepäppelte Hertha bezeichnet, als er Anfang November in den Aufsichtsrat des Klubs kam. Schon da gab Klinsmanns Rückkehr in den deutschen Fußball den Berlinern einen kleinen Schub. Als er dann - mutmaßlich nach einiger Überzeugungsarbeit - den Trainerjob von Ante Covic übernahm, beherrschte Hertha plötzlich die Berichterstattung. Mit Klinsmann wurde selbst Papierkram interessant.

Das ist jetzt wieder vorbei. Es bleibt ein um rund 75 Millionen Euro verteuerter und reichlich umgebauter Kader, eine weiter gefährliche sportliche Situation und das Bild eines Chaosklubs, bei dem hinter den Kulissen enorme Machtkämpfe zu toben scheinen. Und das Kapitel Klinsmann ist bei Hertha noch nicht beendet. Er wolle weiter im Aufsichtsrat bleiben, hat Klinsmann angekündigt. Das könnte dann doch wieder spannend werden.

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