Liverpool nach Kantersieg gegen Arsenal Bloß nicht ausrutschen

Innerhalb weniger Tage hat sich der FC Liverpool im Titelrennen abgesetzt. Trainer Jürgen Klopp wollte aber auch nach dem 5:1 gegen Arsenal nicht über die Meisterschaft sprechen. Geschichte soll sich nicht wiederholen.

Jürgen Klopp (r.) mit Adam Lallana
AFP

Jürgen Klopp (r.) mit Adam Lallana

Aus Liverpool berichtet


Es ging noch einmal heiter zu zwischen Jürgen Klopp und den Reportern beim letzten Zusammentreffen des Jahres. Nach dem 5:1-Erfolg gegen einen vor allem in der ersten Hälfte bemerkenswert orientierungslosen FC Arsenal wurde der Trainer des FC Liverpool auf die prächtige Lage seiner Mannschaft im Titelrennen angesprochen. Auf die Tabellenführung mit neun Punkten Vorsprung vor Tottenham Hotspur und sogar zehn Punkten Abstand zu Meister Manchester City, der allerdings am Sonntag (15.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) beim FC Southampton nachziehen kann.

Klopp hat in den Tagen um Weihnachten, in denen sein Klub vom Herausforderer im Kampf um die Premier-League-Krone zum aussichtsreichsten Kandidaten geworden ist, beharrlich davon gesprochen, dass ihn die Tabelle nicht interessiere. Daran hielt er auch nach dem Fünferpack zum Jahresabschluss fest und verwies auf die Mechanismen der Unterhaltungsbranche Profifußball: "Es ist absolut nicht wichtig, wie viele Punkte man Ende Dezember hat. Ich verstehe, dass ihr uns positiv seht. Aber sobald wir Punkte liegen lassen, heißt es, wir seien nervös", sagte Klopp an die Reporter gerichtet.

Angeblich würde er am liebsten sogar mit ihnen tauschen: "Ihr habt einen leichten Job. Ich wäre gern in eurer Position, aber immer noch mit dem Geld, das ich verdiene." Es gab Gelächter im Saal, doch die Botschaft des Trainers ist klar geworden. Er hat keine Lust, jede Woche Schlagzeilen zu produzieren mit seinen Einschätzungen, ob Liverpools Chancen auf die erste Meisterschaft seit 1990 ordentlich, gut oder sehr gut sind.

Fotostrecke

11  Bilder
Liverpools Kantersieg gegen Arsenal: Sie müssen nicht mal hinschauen

Und natürlich will er auch verhindern, dass die Euphorie um seine Mannschaft zu groß wird nach einer bislang makellosen Saison ohne eine einzige Niederlage in 20 Spielen. Seine Zurückhaltung in der Titelfrage ist auch Strategie. Und ganz falsch liegt er ja nicht: Die Saison ist noch lang, es kann noch viel passieren.

Doch die Tage um Weihnachten haben den FC Liverpool in eine äußerst vielversprechende Position gehievt. Meister City hat seine Unantastbarkeit eingebüßt und zwei Niederlagen nacheinander kassiert, kurz vor Heiligabend gegen Crystal Palace (2:3) und am zweiten Weihnachtstag, dem berühmten Boxing Day, bei Leicester City (1:2). Klopps Mannschaft hat weiter einen Sieg nach dem anderen eingefahren und ist davon gezogen.

Erinnerungen an 2014 werden wach

Zum Jahreswechsel präsentiert sich Liverpool als komplettestes Team der Premier League. Die Defensive um Torwart Alisson und Abwehrchef Virgil Van Dijk hat gegen Arsenal erst das achte Gegentor der Saison zugelassen, der Rekord des FC Chelsea von 2004/2005 für die wenigsten kassierten Treffer in einer Spielzeit (15) wackelt. Die Offensive ist trotz einer insgesamt nüchterneren Spielweise weiterhin in der Lage, den Gegner aus dem Stadion zu schießen, wie beim 4:0 gegen Newcastle United und gegen Arsenal zu sehen war. Wobei in beiden Partien zweifelhafte Elfmeter - einer gegen Newcastle, zwei gegen Arsenal - zum Erfolg beitrugen.

Das neue Jahr beginnt für Liverpool mit der wohl schwersten Prüfung der Saison. Am Donnerstag reist die Mannschaft zu Meister City. Nach den Ergebnissen um Weihnachten hat sich die Konstellation kräftig gewandelt: Während es bis vor Kurzem noch so aussah, als würde es für Liverpool in der Partie darum gehen, den Druck auf den Titelverteidiger weiter zu erhöhen, könnte sie nach den jüngsten Entwicklungen schon vorentscheidenden Charakter haben. Trotzdem behauptet Klopp, dass er das Treffen so angehe wie jedes andere auch: "Wir fahren dorthin, um das bestmögliche Spiel abzuliefern. Wir denken nicht an den Punkte-Abstand."

Zu seinen wichtigsten Aufgaben im weiteren Verlauf der Saison gehört es, die Spannung hoch zu halten, um zu verhindern, dass die aktuelle Euphorie in Leichtsinn umschlägt - und sich Geschichte wiederholt. Denn wenn ein Verein gezeigt hat, dass er eine hervorragende Ausgangslage maximal komödiantisch verspielen kann, dann Liverpool. Im Frühjahr 2014 war die Mannschaft auf dem Weg zum Titel, damals noch unter Klopps Vorgänger Brendan Rodgers. Am drittletzten Spieltag rutschte Klub-Ikone Steven Gerrard aus, Liverpool entglitt die Meisterschaft.

Ganz verbieten kann Klopp den Fans ihre Freude angesichts der komfortablen Tabellenführung natürlich nicht, doch es wäre ihm recht, wenn auch sie erkennen würde, dass noch nichts erreicht ist. Außerdem denkt er an sein Haustier. Also: "Vielleicht wird es an Silvester in diesem Jahr in Liverpool ein bisschen lauter. Aber hoffentlich nicht zu laut. Mein Hund mag das nicht."

Wie gesagt: Es ging heiter zu bei Klopps letztem Zusammentreffen mit den Reportern in diesem Jahr.



insgesamt 54 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hileute 30.12.2018
1. Liverpool muss diese Saison den Titel holen,
bessere Aussichten werden höchstwahrscheinlich so schnell nicht wiederkommen. Ein Problem könnte höchstens sein das die meisten Liverpool Spieker noch nie was nennenswertes gewonnen haben und doch die flatter eunsetztt
axelmueller1976 30.12.2018
2. Liverpool wird Meister werden
In den kommenden Jahren wird aber Liverpool das Gleiche erleben wie der BVB 2012 unter Klopp .Dann war es plötzlich aus mit der Herrlichkeit.Denn die Spieler waren ausgelaugt von den vielen Lauf-Km.
Nonvaio01 30.12.2018
3. vor 1-2 Jahren evtl
Zitat von hileutebessere Aussichten werden höchstwahrscheinlich so schnell nicht wiederkommen. Ein Problem könnte höchstens sein das die meisten Liverpool Spieker noch nie was nennenswertes gewonnen haben und doch die flatter eunsetztt
nun nicht mehr. Das sind alles International spielende, und die haben genug erfahrungen gesammelt, und Klopp ist ein erfahrender Trainer der schon etwas gewonnen hat.
Beat Adler 30.12.2018
4. Auf Ende Februar vorfreuen: Liverpool gegen Bayern!
Zitat von Nonvaio01nun nicht mehr. Das sind alles International spielende, und die haben genug erfahrungen gesammelt, und Klopp ist ein erfahrender Trainer der schon etwas gewonnen hat.
Auf Ende Februar vorfreuen: Liverpool gegen Bayern! Kloppo gegen der, der dann Trainer bei den Bayern ist! Die Bayern ausgeruht von den Ferien aus Qatar zurueck und Liverpool ausgelaugt nach einer Wintersaison ohne Pause. Das wird spannend! mfG Beat
Nonvaio01 30.12.2018
5. im gegensatz zum BVB
Zitat von axelmueller1976In den kommenden Jahren wird aber Liverpool das Gleiche erleben wie der BVB 2012 unter Klopp .Dann war es plötzlich aus mit der Herrlichkeit.Denn die Spieler waren ausgelaugt von den vielen Lauf-Km.
hat Klopp nun Geld um neue spieler zu kaufen, nun ist es kein problem muede spieler zu ersetzten. Beim BVB war das einfach nicht moeglich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.