Trainer-Zukunft Für Klopp kommen in England nur zwei Klubs in Frage

Wohin führt Jürgen Klopps Weg? Viele sehen den Trainer schon in England, aber welcher Klub wäre wirklich interessiert - und welcher interessant? Premier-League-Experte Dietmar Hamann sieht nur zwei Optionen.
Dortmund-Trainer Klopp: Nicht ganz die freie Auswahl

Dortmund-Trainer Klopp: Nicht ganz die freie Auswahl

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Zur Person
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Dietmar "Didi" Hamann, 41, gab 1993 sein Bundesligadebüt für den FC Bayern. Fünf Jahre später wechselte er in die Premier League, wo er für Newcastle United und den FC Liverpool spielte. 2005 gewann er mit Liverpool die Champions League. Hamann absolvierte 59 Länderspiele und wurde 2002 Vizeweltmeister. In seiner Kolumne kommentiert Hamann für SPIEGEL ONLINE regelmäßig Entwicklungen in der Bundesliga und im internationalen Fußball.


Wo Jürgen Klopp in der nächsten Saison Trainer sein wird? Ich weiß es nicht. Fest steht: Er wird nach seinem Rücktritt sehr viele Angebote bekommen. Aber wozu ist er wirklich bereit? Im Mittelfeld könnte er sofort anfangen. Mit Newcastle und West Ham United gibt es zwei Traditionsklubs, deren sportliche Situation der von Borussia Dortmund ähnelt, als Klopp 2008 übernahm. Beide werden neue Trainer holen, beide haben maximal das Potenzial für Platz sieben. Klopp hat West Ham angeblich bereits abgesagt. Auch Newcastle wird es nicht.

Man darf ohnehin nicht den Fehler machen, in Bezug auf den nächsten Klopp-Klub unnötig Analogien zu bilden mit seinem Start beim BVB. Jürgen Klopp ist gereift, er war in den vergangenen Jahren Stammgast in der Champions League. Ich bin sicher, dass er da bleiben will. Außerdem bekommt man in England keine Zeit, über Jahre eine Mannschaft zusammenzustellen und dann auf Platz vier zu landen. Was sind also die anderen Szenarien? Ich sehe in England in diesem Sommer maximal zwei.

City-Trainer Pellegrini: Unter Druck

City-Trainer Pellegrini: Unter Druck

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Szenario eins: Manchester City. Bei City steht Coach Manuel Pellegrini enorm unter Druck. In der Champions League das Aus im Achtelfinale, in der Liga keine Chance auf die Titelverteidigung. Die Mannschaft hat mit Stürmer Sergio Agüero und Mittelfeldmann David Silva zwei Weltklassespieler, aber die Wahrheit ist auch: Das Team ist überaltert und zu teuer. Und die älteren Spieler haben langfristige Verträge, man wird sie schwer los. Das macht einen Umbruch sehr schwierig.

Und einfach vor der kommenden Saison mit Geld aus Abu Dhabi die Großklubs leer kaufen? Es gibt Financial-Fairplay-Auflagen, angeblich darf City "nur" 50 Millionen Euro mehr ausgegeben, als der Verein einnimmt. Vergessen wir nicht: Für Klopp geht es um seinen ersten Job im Ausland, es muss alles stimmen. Ich weiß nicht, ob man ein City-Angebot im Fall der Fälle ablehnen kann. Aber meiner Meinung nach sollte er es tun.

Liverpool-Stadion: Viel Talent

Liverpool-Stadion: Viel Talent

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Szenario zwei: FC Liverpool. In der Champions League war deutlich mehr erwartet worden, dann kam das Aus in der Gruppe mit Basel und Rasgrad. Im FA-Cup gab es die klägliche Niederlage gegen Aston Villa. In der Liga wird es nach der Vizemeisterschaft im vergangenen Jahr diesmal schwer mit Platz vier - es gibt Stimmen in Liverpool, die machen das an Trainer Brendan Rodgers fest.

Neben Pellegrini steht er sicher am meisten unter Druck. Von den Eigentümern des Klubs hört man wenig, es klang zuletzt zwar so, als könnte es mit dem Coach weitergehen. Aber ich will mich nicht festlegen, dass dem wirklich so ist. Und nach Liverpool passen würde Klopp auf jeden Fall, ich traue ihm eigentlich jeden Job in England zu. Die Mannschaft hat auch deutlich mehr Perspektive als die von Manchester City.

Die Kandidaten, die keine sind

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Arsenal: Trainer Arsène Wenger ist lange dabei, und er stand über die Jahre auch immer wieder in der Kritik, weil der Klub unter ihm einfach keine Titel mehr gewinnt. Wenger ist in London trotzdem allmächtig. Er wird den Verein dann verlassen, wenn er es will. Und das wird nicht nach dieser Saison sein.

Manchester United: Louis van Gaal war bis vor acht Wochen unter Beschuss, aber mittlerweile hat sich der Klub gefangen. Die Mannschaft ist erfolgreich und spielt besser Fußball. Coach van Gaal führt United in die Champions League, damit wäre das Saisonziel erreicht. In der nächsten Saison nehmen sie wieder viel Geld in die Hand und greifen in der Meisterschaft an. Mit van Gaal. Und das völlig zu Recht.

Tottenham: Der Job von Trainer Mauricio Pochettino ist so sicher wie von keinem anderen Premier-League-Trainer.

Können es am Ende doch die Bayern werden? Jetzt, im Anschluss an die Dortmund-Zeit, nicht. Irgendwann kann Klopp aber auch in München ein Kandidat sein, er war es ja 2008 schon einmal.

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