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31. Oktober 2019, 09:32 Uhr

Sieg über Gladbach

Der BVB gewann ein Fußballspiel. Was nun?

Von , Dortmund

Dank Julian Brandt kann Borussia Dortmund nach Wochen der Kritik durchatmen. Seine Tore im Pokal stellen den Trainer aber auch vor Probleme: Wohin mit Brandt, wenn Marco Reus wieder fit ist?

"Vergesst den Tag nicht!" Julian Brandt wies nachdrücklich darauf hin, dass "so etwas" nur selten vorkomme. Er meinte sein Tor per Kopfball, das etwas bewirkte, was in den vergangenen Wochen auch selten vorkam: Borussia Dortmund gewann ein Fußballspiel.

Das 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach brachte den BVB in das Achtelfinale des DFB-Pokals. Nebeneffekt: Es brachte Lucien Favre Ruhe ein, wenn auch mit Schmerzen verbunden. Der Trainer, zuletzt nach Dortmunder Spielen ohne Esprit und mit Leidenschaft heftig in der Kritik, vergaß vor lauter Freude über das Kopfballtor Brandts, dass er sich im Training einen Muskelfaserriss zugezogen hatte. Der kurze Jubellauf endete daher abrupt.

Weiterer Nebeneffekt: Julian Brandt ist innerhalb von drei Minuten aus einem Tief in die Höhe geschnellt, denn er hatte - im Zustandekommen sehr glücklich - drei Minuten zuvor auch schon den Treffer zum Ausgleich erzielt. "Für mich war es extrem wichtig, mich selbst zu belohnen. Es ist umso schöner, wenn du es schaffst, das Spiel noch zu drehen", sagte Brandt, der auch auf einen Effekt für die Mannschaft hofft: "Ich glaube, dass das übertrieben zusammenschweißt."

"Vermutlich besser als ein 4:0-Erfolg"

In der 71. Minute ein Tor kassiert, in der 77. und 80. das Spiel gedreht - nach einigem Grübeln war Brandt zu der Erkenntnis gekommen, dass so etwas vermutlich sogar besser sei als ein "klarer 4:0-Sieg", um wieder in eine Spur zu kommen, aus der der BVB früh in der Saison geworfen worden war.

Beim 5:1-Sieg zum Saisonauftakt gegen den FC Augsburg schoss Brandt ein Tor, sein bislang einziges in der Bundesliga für den BVB. Im folgenden Spiel beim 1. FC Köln weckte er nach seiner Einwechslung die bis dahin lethargischen Kollegen auf, die Borussia gewann nach einem Rückstand noch 3:1.

Es folgte eine Niederlage beim 1. FC Union Berlin, bei der Brandt noch eine ordentliche erste Halbzeit spielte. Dann ging er mit unter und blieb dort. Meistens saß er auf der Bank, wenn er denn spielte, blieb er weit hinter den Erwartungen zurück, die an einen jungen deutschen Nationalspieler gestellt werden, dessen Preis von 25 Millionen Euro von einigen gar als Schnäppchen bezeichnet wurde.

Der schwächste Auftritt war der als Stürmer beim 0:2 in der Champions League bei Inter Mailand, aber auch auf dem Flügel konnte Brandt so oft von links nach rechts rotieren wie er wollte, er blieb auf bescheidenem Niveau.

Auch im Pokal zunächst schwach

Im Pokal gegen Gladbach war Brandt auch lange Zeit schwach. Er verlor Zweikämpfe und häufiger den Ball, erklärte das später damit, dass er sich an die Rolle als "Zehner" in Favres 4-2-3-1-System erst wieder gewöhnen musste. Dabei ist es seine Lieblingsposition und die, auf der er am ehesten konstant gute Leistungen zeigt. Am Mittwoch durfte er sie mal wieder besetzen, weil Marco Reus wegen muskulärer Probleme kurzfristig ausgefallen war.

Ist der Kapitän wieder bereit, stellt sich für Favre das Problem, dass er Reus und Brandt hat, die sich im offensiven Mittelfeld hinter dem Stürmer am besten aufgehoben fühlen. Um beide einzubauen, müsste der Trainer sein System ändern, die mutigeren Varianten 4-1-4-1 oder 4-3-3.

Ob er dazu bereit ist, wird sich vermutlich schon am Samstag zeigen. Dann trifft der BVB in der Bundesliga auf den VfL Wolfsburg. "Am Ende schielt man darauf, möglicherweise auch mal gemeinsam auf dem Platz zu stehen", sagte Brandt nach dem Pokalsieg. Als Konkurrenten für seinen Kapitän und Freund sieht er sich nicht: "Ich wünsche mir immer, dass Marco auf dem Platz steht."

Vergesst den Tag nicht, an dem Julian Brandt mal ein Kopfballtor nach Flanke von Marco Reus erzielen wird!

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