Sieg über Gladbach Der BVB gewann ein Fußballspiel. Was nun?

Dank Julian Brandt kann Borussia Dortmund nach Wochen der Kritik durchatmen. Seine Tore im Pokal stellen den Trainer aber auch vor Probleme: Wohin mit Brandt, wenn Marco Reus wieder fit ist?

Augen zu und durch: Matchwinner Julian Brandt
FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX

Augen zu und durch: Matchwinner Julian Brandt

Von , Dortmund


"Vergesst den Tag nicht!" Julian Brandt wies nachdrücklich darauf hin, dass "so etwas" nur selten vorkomme. Er meinte sein Tor per Kopfball, das etwas bewirkte, was in den vergangenen Wochen auch selten vorkam: Borussia Dortmund gewann ein Fußballspiel.

Das 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach brachte den BVB in das Achtelfinale des DFB-Pokals. Nebeneffekt: Es brachte Lucien Favre Ruhe ein, wenn auch mit Schmerzen verbunden. Der Trainer, zuletzt nach Dortmunder Spielen ohne Esprit und mit Leidenschaft heftig in der Kritik, vergaß vor lauter Freude über das Kopfballtor Brandts, dass er sich im Training einen Muskelfaserriss zugezogen hatte. Der kurze Jubellauf endete daher abrupt.

Weiterer Nebeneffekt: Julian Brandt ist innerhalb von drei Minuten aus einem Tief in die Höhe geschnellt, denn er hatte - im Zustandekommen sehr glücklich - drei Minuten zuvor auch schon den Treffer zum Ausgleich erzielt. "Für mich war es extrem wichtig, mich selbst zu belohnen. Es ist umso schöner, wenn du es schaffst, das Spiel noch zu drehen", sagte Brandt, der auch auf einen Effekt für die Mannschaft hofft: "Ich glaube, dass das übertrieben zusammenschweißt."

"Vermutlich besser als ein 4:0-Erfolg"

In der 71. Minute ein Tor kassiert, in der 77. und 80. das Spiel gedreht - nach einigem Grübeln war Brandt zu der Erkenntnis gekommen, dass so etwas vermutlich sogar besser sei als ein "klarer 4:0-Sieg", um wieder in eine Spur zu kommen, aus der der BVB früh in der Saison geworfen worden war.

Beim 5:1-Sieg zum Saisonauftakt gegen den FC Augsburg schoss Brandt ein Tor, sein bislang einziges in der Bundesliga für den BVB. Im folgenden Spiel beim 1. FC Köln weckte er nach seiner Einwechslung die bis dahin lethargischen Kollegen auf, die Borussia gewann nach einem Rückstand noch 3:1.

Der Moment des Pokal-Abends: Julian Brandt trifft für den BVB per Kopf
Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Der Moment des Pokal-Abends: Julian Brandt trifft für den BVB per Kopf

Es folgte eine Niederlage beim 1. FC Union Berlin, bei der Brandt noch eine ordentliche erste Halbzeit spielte. Dann ging er mit unter und blieb dort. Meistens saß er auf der Bank, wenn er denn spielte, blieb er weit hinter den Erwartungen zurück, die an einen jungen deutschen Nationalspieler gestellt werden, dessen Preis von 25 Millionen Euro von einigen gar als Schnäppchen bezeichnet wurde.

Der schwächste Auftritt war der als Stürmer beim 0:2 in der Champions League bei Inter Mailand, aber auch auf dem Flügel konnte Brandt so oft von links nach rechts rotieren wie er wollte, er blieb auf bescheidenem Niveau.

Auch im Pokal zunächst schwach

Im Pokal gegen Gladbach war Brandt auch lange Zeit schwach. Er verlor Zweikämpfe und häufiger den Ball, erklärte das später damit, dass er sich an die Rolle als "Zehner" in Favres 4-2-3-1-System erst wieder gewöhnen musste. Dabei ist es seine Lieblingsposition und die, auf der er am ehesten konstant gute Leistungen zeigt. Am Mittwoch durfte er sie mal wieder besetzen, weil Marco Reus wegen muskulärer Probleme kurzfristig ausgefallen war.

Ist der Kapitän wieder bereit, stellt sich für Favre das Problem, dass er Reus und Brandt hat, die sich im offensiven Mittelfeld hinter dem Stürmer am besten aufgehoben fühlen. Um beide einzubauen, müsste der Trainer sein System ändern, die mutigeren Varianten 4-1-4-1 oder 4-3-3.

Ob er dazu bereit ist, wird sich vermutlich schon am Samstag zeigen. Dann trifft der BVB in der Bundesliga auf den VfL Wolfsburg. "Am Ende schielt man darauf, möglicherweise auch mal gemeinsam auf dem Platz zu stehen", sagte Brandt nach dem Pokalsieg. Als Konkurrenten für seinen Kapitän und Freund sieht er sich nicht: "Ich wünsche mir immer, dass Marco auf dem Platz steht."

Vergesst den Tag nicht, an dem Julian Brandt mal ein Kopfballtor nach Flanke von Marco Reus erzielen wird!



insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
Papazaca 31.10.2019
1. Chancen und Probleme reduzieren sich nicht auf Brandt
Nette Betrachtung. Aber momentanen Probleme des BVB sind dann ja wohl etwas komplexer. Wann gibt es endlich wieder eine eingespielte, solide Abwehr, mit Hummels? Wann kann Alcacer spielen? Kommt Reus bald aus seinem Tief? usw. usw. Brandt hat zwar - bis auf gestern - nicht überzeugt, aber die Probleme des BVB sind umfassender. Wann kommt die Leichtigkeit wieder zurück? Brandt ist zwar ein momentan schönes Thema für einen Artikel, erklärt aber nicht die momentanen Chancen und Probleme des BVB.
rheinufer9365 31.10.2019
2. Profi-Fußball?
Was sich da als "professioneller Fußball" verkauft und bezahlen lässt ist an Hohn und Dreistigkeit kaum noch zu überbieten. Die Stümperhaftigkeit beider Teams war oft nurmehr peinlich. Kaum ein Pass kam an, eroberte Bälle wurden umgehend wieder verloren, Technik am und mit dem Ball einfach grauslich und Spielideen haben besonders die Dortmunder schon lange nicht mehr. Das war Rumpel-Fußball der 60er Jahre. Vor dem Spiel versprach man sich vom Potential beide Mannschaften her, eine flotte und technisch hochwertige Partie. Was geliefert wurde war aufgewärmte Pampe, die einem den Abend versaute.
didiastranger 31.10.2019
3. Typisches
Stammtisch Gequatsche. Nur noch ätzend.
child3k 31.10.2019
4. Gute Frage ...
Zitat von PapazacaNette Betrachtung. Aber momentanen Probleme des BVB sind dann ja wohl etwas komplexer. Wann gibt es endlich wieder eine eingespielte, solide Abwehr, mit Hummels? Wann kann Alcacer spielen? Kommt Reus bald aus seinem Tief? usw. usw. Brandt hat zwar - bis auf gestern - nicht überzeugt, aber die Probleme des BVB sind umfassender. Wann kommt die Leichtigkeit wieder zurück? Brandt ist zwar ein momentan schönes Thema für einen Artikel, erklärt aber nicht die momentanen Chancen und Probleme des BVB.
Woran liegts beim BVB ? MMn hat man in der Bundesliga einen Kader mit einem - vor allem in der Offensive - sehr großen Potenzial. Es gibt ja bereits erste Stimmen, die sagen es gäbe quasi athmosphärische Störung innerhalb der Mannschaft. Was ich mir auch vorstellen könnte: Favre hat sein Konzept und seine Idee wie er die Mannschaft spielen lassen möchte - das umfasst natürlich auch eine gewissen Ordnung und ein gewisses Defensivverhalten. Da frage ich mich: Möglicherweise werden die größtenteils jungen Spieler zu sehr in ein Korsett gezwängt, was ihnen nicht so richtig passen will. Möglicherweise täte der BVB gut daran sich offensiver aufzustellen und damit die Stärken des Kaders zu betonen anstatt zu versuchen die Schwächen quasi überzukompensieren. Möglicherweise wäre ein Schritt zum 4-1-4-1 tatsächlich hilfreich. Was sich davon ab aber auch zeigt: Es gibt im Kader keinen richtigen Ersatz für Alcacer. Es fehlt einer für "vorne drin".
Freifrau von Hase 31.10.2019
5.
Reus und Brandt schön und gut...aber dann gibts ja auch noch Sancho, Hazard und Alcazar plus Götze. Luxusprobleme? Oder ein stetiger Unruheherd?
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