Juventus-Klage vor Zivilgericht "Eine Frage der Ehre"

Mit dem Zwangsabstieg in die Serie B will sich Juventus Turin nicht abfinden. Der Club geht jetzt gegen die Entscheidung des Sportgerichts vor - weil die Strafe nach Ansicht des Präsidiums viel zu hart ausgefallen ist. Dem italienischen Verband droht eine Millionenklage.


Rom - Der italienische Fußball-Skandal geht in die nächste Runde: Juventus Turin klagt vor einem Zivilgericht in Rom gegen seinen Zwangsabstieg in die 2. Liga. Sollte das zuständige Verwaltungsgericht am 6. September die Urteile der Sportjustiz revidieren, droht eine weitere Verschiebung des auf den 9. September verlegten Ligastarts in Italien - und dem italienischen Fußballverband Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe.

Juventus-Präsident Gigli: Eine Frage der Ehre
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Juventus-Präsident Gigli: Eine Frage der Ehre

Mit einem außerordentlichen Vorstandsbeschluss ging der italienische Rekordmeister heute endgültig auf Konfrontationskurs zum Fußballverband FIGC. Der Zwangsabstieg in die Serie B mit 17 Strafpunkten sei "nicht zu rechtfertigen", erklärte der Club. Außerdem sei Juventus im Vergleich zu den lediglich mit Punktabzügen bestraften Mitangeklagten AC Mailand, AC Florenz und Lazio Rom ungleich härter bestraft worden. "Wir wollen genauso behandelt werden, wie die anderen Clubs, die in der Serie A bleiben konnten", sagte Präsident Gigli - und: "Wir haben die Pflicht, unsere Ehre zu retten."

Nach den Niederlagen vor den Sportgerichten will Juve nun alle juristischen Mittel ausschöpfen und notfalls vor den Europäischen Gerichtshof ziehen. Unverhohlen drohte Gigli dem Verband mit Schadenersatzforderungen: "Das wäre eine Konsequenz", sagte der 61-Jährige, der nach dem geschlossenen Rücktritt der Juve-Führung erst vor wenigen Wochen an die Spitze des Clubs gewählt wurde.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Manipulationsvorwürfe gegen seinen Ex-Manager Luciano Moggi und Ex-Geschäftsführer Antonio Giraudo hatte sich Juve von seinem langjährigen Führungsduo getrennt. Die beiden wurden von der Sportjustiz als Drahtzieher der Liga- und Schiedsrichtermanipulationen verurteilt. Beide sind ebenfalls vor dem Zivilgericht in Berufung gegangen. Die Verhandlung beginnt am Dienstag.

Bei der FIGC plant man unterdessen schon für den Ernstfall. Laut italienischen Zeitungsberichten denken die Verantwortlichen über eine Aufstockung der Serie A von bislang 20 auf 21 Teams nach. Sollte Juventus mit der Klage Erfolg haben, würden die Funktionäre so vermutlich daraus resultierende juristische Auseinandersetzungen mit dem Verein vermeiden, der dann für anstelle der Turiner in die Serie B hätte absteigen müssen.

all/dpa



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