Rassistische Rufe gegen Juventus-Stürmer Warum dieser Torjubel den internationalen Fußball beschäftigt

Der Juventus-Stürmer Moise Kean ist bei einem Spiel in der Serie A rassistisch beleidigt worden. Teamkollege Bonucci sagte später, Kean habe die Fans provoziert. Der Fall sorgt auch außerhalb Italiens für Aufregung.

Moise Kean von Juventus hat in den vergangenen vier Ligaspielen vier Treffer erzielt
Getty Images

Moise Kean von Juventus hat in den vergangenen vier Ligaspielen vier Treffer erzielt


Rassistische Attacken gegen den Fußballer Moise Kean von Juventus beschäftigten die italienische Liga - aber auch die Äußerungen danach sorgen für Aufsehen.

Das ist passiert: Mit ausgebreiteten Armen stand der 19-Jährige vor der Fankurve von Cagliari Calcio - so feierte der italienische Jungstar Kean seinen Treffer für Rekordmeister und Tabellenführer Juventus zum 2:0 (1:0)-Endstand in der 85. Minute beim Auswärtsspiel der Serie A. Die Anhänger von Cagliari reagierten mit Pfiffen, Buhrufen und offenbar kam es dabei auch zu rassistischen Beleidigungen gegen den Stürmer. Der Youngster ist Italiener mit ivorischen Wurzeln.

"Kean: Tor und Chaos", kommentierte der "Corriere dello Sport". Juve-Coach Massimiliano Allegri machte Kean mitverantwortlich für den Vorfall. "Er hätte diesen Jubel vermeiden sollen", sagte Allegri. "Er ist jung und muss lernen, aber natürlich müssen auch bestimmte Reaktionen des Publikums verhindert werden." Allegri sagte auch, im Stadion gebe es wie im Leben normale Menschen und "Idioten". Letztere sollten identifiziert werden und aus den Stadien verbannt werden.

Auch ein Teamkollege sah Kean in der Verantwortung. "Die Schuld steht 50:50, Moise hat einen Fehler gemacht und die Curva hat einen Fehler gemacht", sagte Verteidiger Leonardo Bonucci. Kean sagte, er habe mit seinem Torjubel auf rassistische Beleidigungen antworten wollen, mit denen er bereits vor seinem Treffer belegt worden war.

Topfußballer unterstützen Kean

Cagliari-Präsident Tommaso Giulini distanzierte sich von dem Vorwurf, dass es zuvor rassistische Beleidigungen gegeben habe. "Ich habe vor allem Pfiffe gehört, die hätten genauso alle anderen Spieler getroffen." Sollte es auch rassistische Gesänge gegeben haben, "sind die zu verurteilen".

Von internationalen Topfußballern erhielt Kean Unterstützung. Der englische Nationalspieler Raheem Sterling, zuletzt selbst Opfer rassistischer Attacken, sagte, Bonuccis Äußerungen seien lachhaft. Bonucci reagierte mittlerweile auf die Kritik und schrieb bei Instagram: "Nein zu Rassismus - das gilt immer."

Paul Pogba, früher selbst bei Juventus aktiv, sagte, die "guten Italiener müssen aufwachen und laut werden" und dürften kleinen rassistischen Gruppen nicht das Feld überlassen. Keans Teamkollege Blaise Matuidi hatte den Schiedsrichter nach dem Treffer aufgefordert, das Spiel zu unterbrechen, der Stadionsprecher musste die Fans ermahnen, bevor weitergespielt werden konnte.

Es ist nicht der erste rassistische Vorfall in der laufenden Saison in Italien. Im Dezember wurde der Napoli-Verteidiger Kalidou Koulibaly während des Spiels gegen Inter rassistisch beleidigt.

jan



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.