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24. Oktober 2018, 00:41 Uhr

Manchester-Niederlage gegen Turin

Mourinho bleibt sich treu

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Manchester United spielte, wie es Mannschaften von José Mourinho in schlechten Zeiten tun: passiv und ideenlos. Gegen Juventus Turin war das zu wenig - auch weil Cristiano Ronaldo groß aufspielte.

Die Szene des Spiels: Es lief die 75. Minute, als Manchesters Paul Pogba 20 Meter vor dem Tor an den Ball kam, sich einmal um die eigene Achse drehte, Maß nahm, aber nur den Pfosten traf. Das Klatschen war deutlich zu hören, an der Seitenlinie schaute José Mourinho ungläubig drein - es sollte die beste Möglichkeit für Manchester United bleiben.

Das Ergebnis: Juventus Turin hat auch das dritte Vorrundenspiel gewonnen. Gegen Manchester United setzten sich die Italiener mit 1:0 (1:0) durch und festigten mit nun neun Punkten Platz eins in der Gruppe H. Hier lesen Sie den Spielbericht.

Der Rückkehrer: Sechs Jahre lang hatte Cristiano Ronaldo für Manchester United gespielt. "Manchester United hat mich zu dem gemacht, was ich bin", hat er einmal gesagt. Mehr als neun Jahre ist sein Abschied her, und doch gab es vor dem Spiel kaum ein anderes Thema als die Rückkehr des Portugiesen. Erst einmal, im Jahr 2013 und im Trikot von Real Madrid, war er seitdem ins Old Trafford zurückkehrt. Bei seiner zweiten Rückkehr spielte Ronaldo groß auf, er war einer der Garanten des knappen Juve-Erfolgs.

Die Mourinho-Show, Teil I: Weil der Mannschaftsbus von United im Stau stand, setzte sich Mourinho kurzerhand von seiner Mannschaft ab. Er zog sich einen Kapuzenpullover über, stieg aus dem Bus aus und mischte sich unter die Fans. Unerkannt lief "The Special One" inmitten all der Anhänger, die ihm nach dem schlechtesten Saisonstart seit 29 Jahren und Platz zehn in der Premier League längst nicht mehr alle wohlgesonnen sind, zum Stadion.

Die erste Halbzeit: War nichts für Fans von Manchester United. Fußball spielte im Old Trafford nur eine Mannschaft - und es waren nicht die Red Devils. Juventus Turin machte das Spiel, hatte 70 Prozent Ballbesitz und viele guten Ideen. Miralem Pjanic spielte tolle Pässe und vorne wirbelten Juan Cuadrado, Paulo Dybala und Cristiano Ronaldo. Für Manchesters Abwehrspieler ging das viel zu schnell, sie kamen meist einen Schritt zu spät, das Tor für die Juve war nur eine Frage der Zeit. Es fiel in der 17. Minute: Die Flanke kam von Ronaldo, Cuadrado verpasste noch knapp, doch Dybala stand genau richtig und traf zur Führung.

Die Mourinho-Show, Teil II: Als Juve in Führung gegangen war, stimmten die Fans der Italiener einen Abgesang auf Mourinho an. Und der reagierte, wie ein José Mourinho eben reagiert: Er zeigte den Gäste-Fans die Finger. Drei Stück für die drei Titel, die er 2010 mit Inter Mailand gewonnen hatte.

Die zweite Halbzeit: Begann mit einer Riesenchance für Turin: Pjanic spielte Cuadrado frei und der legte zurück zu Ronaldo, dessen platzierten Schuss United-Schlussmann David de Gea noch so eben aus dem Winkel fischte (52.). Manchester spielte weiter passiv, so als existiere der Rückstand überhaupt nicht. Erst in der Schlussphase wurde United offensiver, ein Tor schoss das Team aber nicht mehr.

Punktsieger Allegri: Über eine Stunde lang war es ein ungleiches Duell, in dem Manchester United von Juventus Turin die Grenzen aufgezeigt bekam. Die Gäste waren immer einen Schritt schneller, sie machten das Spiel und wurden von biederen Red Devils kaum gefordert. Im Duell der Trainer war es ein klarer Punktsieg für Turins Massimiliano Allegri, der sich für eine extrem variable taktische Aufstellung entschieden hatte. Mourinho hingegen blieb sich und seinem Credo vom Defensivfußball treu - und verlor.

Manchester United - Juventus Turin 0:1 (0:1)
0:1 Dybala (17.)
Manchester United: de Gea - Young, Smalling, Lindelöf, Shaw - Matic, Pogba - Rasfhord, Mata, Martial - R. Lukaku
Juventus Turin: Szczesny - Joao Cancelo (87. Douglas Costa), Bonucci, Chiellini, Alex Sandro - Pjanic - Betancur, Matuidi - Cuadrado (81. Barzagli), Cristiano Ronaldo - Dybala (78. Bernadeschi)
Schiedsrichter: Mazic
Zuschauer: 73.946
Gelbe Karten: Young / Matuidi, Chiellini

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