Kaiserslautern FCK-Führung in der Kritik

Die Führungsriege des 1. FC Kaiserslautern gerät nach dem Rücktritt Otto Rehhagels immer mehr unter Druck. Anhänger, Mitglieder und Ehemalige fordern nun Konsequenzen.


Jürgen Friedrich: Muss er seinem Freund Rehhagel folgen?
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Jürgen Friedrich: Muss er seinem Freund Rehhagel folgen?

Kaiserslautern - Die mit Spannung erwartete Jahreshauptversammlung am 14. November droht für die FCK-Führung zur Existenz-Frage zu werden. So rufen Anhänger und Mitglieder bereits auf der vereinsinternen "FCK-Website" dazu auf, dem Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Robert Wieschemann die Entlastung zu verweigern und dadurch Neuwahlen zu erzwingen. Ein neuer Aufsichtsrat könnte dann auch dem Vorstandsvorsitzenden Jürgen Friedrich kündigen.

Unnötig Öl ins Feuer warf Wieschemann, indem er schwere Vorwürfe gegen die verletzten Spieler erhob. "Nach meiner Wahrnehmung sind drei, vier Scheinverletzte dabei. Wenn einer sagt, es sei merkwürdig, dass man mit Wehwehchen ausfällt, kann man dem nicht widersprechen", äußerte sich der Aufsichtsratchef gegenüber der "Sport-Bild".

Rehhagel-Freund Friedrich denkt nicht an einen freiwilligen Rückzug: "Die Frage stellt sich für mich nicht. Wir haben gute Arbeit geleistet". Dabei wird gerade ihm das kritiklose Festhalten an Otto Rehhagel, dessen Folge Abgänge von Führungsspielern (Martin Wagner, Ciriaco Sforza) und Talenten (Michael Ballack, Thomas Riedl, Pascal Ojigwe) war, vorgeworfen. Schwer zum Tragen kommen jetzt auch die vorherigen Absagen an die an einer Mitarbeit interessierten ehemaligen Akteure Stefan Kuntz, Klaus Toppmöller und Hans-Peter Briegel, die man jetzt gerne als Trainer engagieren würde.

"Es ist eine Frechheit, was die da oben sich leisten. Die ganze Zeit wird über die Freundschaft zu Rehhagel geredet, und jetzt soll plötzlich nur einer gehen, nämlich der Trainer", meinte Kuntz, der noch im Frühjahr als Sportdirektor abgelehnt wurde und daher kein Interesse an dem Trainerposten mehr hat. Ebenso wie Hans-Peter Briegel: "Mit diesen Leuten kann ich nicht mehr zusammenarbeiten. Die haben Otto Rehhagel mit aller Macht ausgestattet. Jetzt sehen sie, was daraus geworden ist. Jetzt müssen sie die Konsequenzen ziehen", sagte Briegel, der 1997 als Sportdirektor zurückgetreten war, weil er in sportlichen Dingen zu oft übergangen worden war.

Ausgerechnet "seinen Lieblingsfeind" Klaus Toppmöller hatte Friedrich zu seinem Wunschkandidaten erkoren. Aber der einstige FCK-Torjäger machte wiederholt deutlich, dass er nicht zur Verfügung steht: "Man soll mich endlich in Ruhe lassen". Wie Friedrich bis Ende der Woche einen neuen Cheftrainer für seine "Roten Teufel" unter Vertrag nehmen will, wenn man vorher schon alle Identifikationsfiguren der Fans und des Vereins vergrault hat, bleibt sein Geheimnis.

Von Marco Walter

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