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Mexiko gegen Kamerun: Vier Tore - nur eines zählt

Foto: Matthias Hangst/ Getty Images

Kameruns Niederlage gegen Mexiko Nur einer hat gute Laune

Mexiko schießt gegen Kamerun drei reguläre Tore, gewinnt aber dennoch nur 1:0. Für gute Stimmung reicht das aber. Die Verlierer um Trainer Volker Finke haben in der Gruppe A nur noch eine Außenseiterchance - für den Kapitän kein Grund, nicht fröhlich zu sein.

Die Gesichter waren sorgenvoll, die Blicke ernst, als Kameruns Fußballhelden am Ende dieses enttäuschenden Nachmittags zu ihrem Mannschaftsbus humpelten. Der Schalker Joel Matip, der 90 Minuten lang auf der Bank saß, mochte im Anschluss an das 0:1 gegen Mexiko überhaupt nicht sprechen, und Eric Maxim Choupo-Moting, der einen dicken Eisverband am Knie trug, sagte: "Bei einer WM mit einem Tor zu verlieren, ist sehr bitter, vor zwei Wochen gegen Deutschland haben wir besser dagegen gehalten." Nur Samuel Eto'o war wieder einmal bestens gelaunt.

Der Stürmer küsste Journalisten, plauderte fröhlich in jedes Mikrofon und erklärte: "Wir wollten unbedingt mit einem Erfolg in das Turnier starten, Gott wollte es anders, jetzt müssen wir positiv bleiben." So kann man ein Spiel auch analysieren. Sogar einen Sack mit Bällen trug der Kapitän und übernahm damit einen Job, der normalerweise Spielern überlassen wird, die weit unten in der Hierarchie stehen. Wie selbstverständlich stand Eto'o wieder einmal im Mittelpunkt. Mit seiner Leistung zuvor auf dem Platz hatte er das aber nicht rechtfertigen können.

Zwar hatte der Stürmer eine der wenigen kamerunischen Chancen gehabt, als er am Ende des besten Angriffs der Afrikaner nach 21 Minuten den Außenpfosten traf, aber so fleißig er nach dem Abpfiff Bälle trug, so konsequent hatte er zuvor 90 Minuten lang jede Beteiligung am Defensivspiel verweigert. Solch eine Haltung ist ziemlich anachronistisch und der Stimmung im Team gewiss nicht zuträglich.

Giovani Dos Santos war der Pechvogel des Tages

Eto'o war aber nur einer der Gründe für diese verdiente Niederlage. Mexiko ist einfach die bessere Mannschaft gewesen. "Wir haben ein wunderbares Spiel gezeigt", sagte Stürmer Giovani Dos Santos, der zum "Man of the Match" erkoren wurde.

Eigentlich hatte die afrikanische Mannschaft des deutschen Trainers Volker Finke sogar noch deutlicher verloren, doch das kolumbianische Schiedsrichtergespann hatte zwei reguläre Tore von Dos Santos die Anerkennung verweigert (11., 30.). Mexikos Trainer Miguel Herrera tobte mehrfach wütend durch seine Coaching-Zone, aber am Ende urteilte er sehr milde über die Unparteiischen. "Fehler sind menschlich, so etwas passiert immer wieder, aber es waren zwei sehr schöne Tore", sagte er nach dem Spiel.

Herreras Team hatte die Aberkennung der Treffer ja auch bestens verkraftet, immer weiter gearbeitet und nach gut einer Stunde durch Oribe Peralta dann doch den Treffer des Nachmittags erzielt. Kamerun hingegen war in keiner Phase wirklich überzeugend, wobei Finke sagte, die größten Probleme habe sein Team "nach den ersten 20 bis 25 Minuten" in den Griff bekommen.

"So gut haben wir unter Herrera noch nicht gespielt"

Finke entschied sich zu jener Kommunikationsstrategie, die er auch als Trainer in der Bundesliga bevorzugte: Kritik formuliert er nur intern. "Unsere Offensive hat stark gespielt, auch wenn sie kein Tor geschossen hat", sagte er beispielsweise, trotz der vielen Ungenauigkeiten im Angriffsdrittel. Und in der Defensive rissen immer wieder gewaltige Lücken auf.

So wie beim Gegentor, in dessen Folge die fast ausschließlich mit Mexikanern gefüllte WM-Arena einen imposanten Jubelschrei produzierte. "So gut haben wir unter Trainer Herrera noch nicht gespielt", sagte Verteidiger Miguel Layun, und am Ende mündete die Partie in ein wahrlich WM-würdiges mexikanisches Jubelfest im strömenden Regen.

Das Wetter hatte an diesem Tag ja fast alle überrascht. Noch am Vortag hatten Finke und Herrera sich ausführlich zu den 13-Uhr-Spielen in Brasiliens Nordosten geäußert, vor denen sich alle fürchteten. Diese erste Partie in der Region bot nun ganz gute Bedingungen, die Temperatur war angenehm, der Rasen blieb gut bespielbar, nur das Gelände rund um die Arena, das größtenteils noch eine Baustelle ist, versank im Wasser.

Den Kamerunern half all das an diesem Abend nicht. Ihre Ambitionen sind massiv beschädigt worden, denn sie müssen ja noch gegen Gastgeber Brasilien spielen und gegen die Kroaten, die im Eröffnungsspiel ebenfalls einen starken Eindruck hinterließen. "Wenn man so will, sind wir jetzt Außenseiter", sagte Choupo-Moting. Der Druck ist aber eher größer geworden, das nächste Spiel gegen Kroatien muss das Team nun gewinnen.

Mexiko - Kamerun 1:0 (0:0)
1:0 Peralta (61.)
Mexiko: Ochoa - Aguilar, Maza, Marquez, Moreno, Layun - Vazquez - Herrera (90.+2 Salcido), Guardado (69. Fabian) - Dos Santos, Peralta(73. Hernandez)
Kamerun: Itandje - Djeugoue (46. Nounkeu), Nkoulou, Chedjou, Assou-Ekotto - Song (79. Webo) - Mbia, Enoh - Moukandjo, Eto'o, Choupo-Moting.
Schiedsrichter: Wilmar Roldan (Kolumbien)
Zuschauer: 39.216
Gelbe Karten: Moreno - Nounkeu
Torschüsse: 9:12
Ecken: 2:5
Ballbesitz (in Prozent): 59:41

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