Streit mit Verband um WM-Prämien Kanadas Fußball-Nationalmannschaft streikt – Testspiel abgesagt

Der kanadische Fußball ist so erfolgreich wie lange nicht, doch zwischen Team und Verband brodelt es: Ein Test gegen Panama fällt wegen eines Spielerstreiks aus. Es geht um Anerkennung, Gleichberechtigung – und Geld.
Alphonso Davies im Trikot der kanadischen Nationalmannschaft (Archivbild, 2021)

Alphonso Davies im Trikot der kanadischen Nationalmannschaft (Archivbild, 2021)

Foto: HENRY ROMERO / REUTERS

Ein Spielerstreik der kanadischen Fußball-Nationalmannschaft hat den WM-Test am Sonntag gegen Panama verhindert. Wenige Stunden vor Anpfiff des Länderspiels in Vancouver teilte zunächst der kanadische Verband in einer knappen Erklärung mit, dass die Partie nicht stattfinden werde. Kurz darauf erklärte die Mannschaft der Nordamerikaner, dass sie sich nach gescheiterten Verhandlungen über Ausgleichszahlungen für eine Absage entschieden habe.

»Wir wollen mit unserem Verband zusammenarbeiten, aber das Verhältnis ist seit Jahren angespannt. Und jetzt hat Canada Soccer unsere Mannschaft mit Missachtung gestraft und unsere Bemühungen gefährdet, die Standards zu erhöhen und den Fußball in Kanada voranzubringen«, schrieben die Spieler um Bayern Münchens Außenverteidiger Alphonso Davies in einer Stellungnahme.

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Weiter hieß es: »Wir haben gehofft, dass die WM-Qualifikation unserer Mannschaft ein Maß an Respekt und finanziellen Möglichkeiten mit sich bringen würde, sodass die Standards und Möglichkeiten für die nächste Spielergeneration in unserem Land erhöht und der Weg des Fußballs in Kanada für immer verändert werden könnten.«

Die Spieler fordern unter anderem 40 Prozent des Preisgeldes für die WM-Teilnahme in Katar, nachdem sich das kanadische Nationalteam der Männer zum ersten Mal seit 36 Jahren wieder für eine WM-Endrunde qualifizieren konnte. Canada Soccer habe die Verhandlungen zunächst »unnötig in die Länge gezogen« und erst am Donnerstag ein unzureichendes Angebot unterbreitet, so die kanadischen Profis.

Zudem forderte das Team eine »gleichberechtigte Struktur unserer Frauen-Nationalmannschaft«, mit gleicher prozentualer Beteiligung am Preisgeld der jeweiligen Weltmeisterschaften.

Man hoffe, den Streit mit dem Verband bis zum Spiel in der Concacaf-Nations-League gegen Curaçao am Donnerstag beigelegt zu haben, hieß es weiter. »Wir sind Brüder, wir fürchten nichts«, unterzeichneten die Spieler das Papier.

Frauen fordern gleiche Bezahlung

Der Wunsch nach Gleichberechtigung klingt auch in einer Stellungnahme  der ungleich erfolgreicheren kanadischen Frauen-Nationalmannschaft durch, die sich in ihren Forderungen aber von den Männern abgrenzten: Die Olympiasiegerinnen von Tokio gaben an, mit Canada Soccer sowie dem Männer-Nationalteam zusammenarbeiten zu wollen. Gleichzeitig betonten sie, dass eine »gleiche prozentuale Beteiligung« der jeweiligen Teams nicht dasselbe wie »gleiche Bezahlung« und nicht zu akzeptieren sein.

Den Kanadierinnen schwebt offenbar ein ähnlicher Deal vor, wie ihn die US-Spielerinnen bereits realisieren konnten: In den USA werden die Männer- und Frauen-Nationalteams für die Weltmeisterschaften 2022 in Katar und 2023 in Australien gleichermaßen vergütet, obwohl beim Männerturnier mit insgesamt 440 Millionen US-Dollar deutlich mehr Preisgeld verteilt wird als beim Frauenwettbewerb (60 Millionen US-Dollar).

Die US-Fußballerinnen sind viel erfolgreicher als die Männer, holten bisher viermal Olympia-Gold und vier WM-Titel, wurden aber deutlich schlechter bezahlt. In Kanada nahmen die Frauen seit 1995 an allen Weltmeisterschaften teil. Ihr bestes Ergebnis war ein vierter Platz 2003, zuletzt qualifizierten sie sich 2019 für das Achtelfinale.

Angaben darüber, wie viel Canada Soccer den einzelnen Teams zugestehen möchte und wie viel die Männer-Nationalmannschaft fordert, sind widersprüchlich. Dem Verband zufolge habe man Männern wie Frauen eine Beteiligung über jeweils 30 Prozent der Gesamtsumme angeboten, nachdem erste Medienberichte den Anteil noch auf nur zehn Prozent beziffert hatten.

Gleichzeitig behauptet der Verband, das Männer-Nationalteam hätte statt der nun kommunizierten 40 Prozent ursprünglich eine Beteiligung in Höhe von »75 bis 100 Prozent« am Preisgeld für die WM in Katar angestrebt.

cev/sid
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