DFB-Jungstar Wer ist eigentlich Karim Adeyemi?

Bei seinem Debüt in der Nationalmannschaft hat Karim Adeyemi gleich getroffen. Der 19-Jährige von RB Salzburg war vor Monaten nur Kennern ein Begriff, jetzt ist er ein Hoffnungsträger.
Karim Adeyemi jubelt gemeinsam mit Florian Wirtz nach seinem Tor gegen Armenien

Karim Adeyemi jubelt gemeinsam mit Florian Wirtz nach seinem Tor gegen Armenien

Foto: Matthias Schrader / AP

Am 28. Februar dieses Jahres ging für Karim Adeyemi die Welt unter. Sein Klub RB Salzburg spielte gegen Sturm Graz, und der Trainer Jesse Marsch nahm seinen Stürmer Adeyemi schon nach 36 Minuten vom Feld. Höchststrafe. Adeyemi sagt: »Ich war völlig fertig.«

Ein halbes Jahr später hat sich alles verändert. Nicht nur für Trainer Marsch, der mittlerweile in der Bundesliga für RB Leipzig verantwortlich ist. Vor allem für Karim Adeyemi, 19 Jahre jung, der jüngste deutsche Nationalspieler, der je in einem Pflichtspiel ein Tor erzielt hat. In der 90. Minute traf er, gerade 17 Minuten auf dem Platz, zum 6:0-Endstand gegen die Armenier. Plötzlich war Karim Adeyemi ein Name, überall präsent, Pressekonferenz, Interviewanfragen, vor ein paar Monaten kannten ihn noch nur die Fußballinsider – und selbst von diesen nicht alle. Ein Nationalspieler, der noch kein einziges Bundesligaspiel hat.

Man kann die Geschichte von Karim Adeyemi schlecht ohne Manfred Schwabl erzählen. Der heute 55-Jährige war ein erfolgreicher Bundesligafußballer beim FC Bayern, beim 1. FC Nürnberg und bei den Münchner Löwen. Wie seine Karrierestationen schon zeigen, ist Schwabl ein echter Bayer, unüberhörbar ist das auch, seit fast zehn Jahrein führt er die Spielvereinigung Unterhaching als Präsident.

Bei den Bayern passte es nicht

Die Wege von Adeyemi und Schwabl kreuzten sich 2012. Das Nachwuchstalent und der FC Bayern hatten sich gerade nach zwei Jahren wieder getrennt. Beim Rekordmeister erkannten sie zwar das sportliche Talent, aber menschlich passte es nicht, hieß es. Adeyemi war zehn Jahre jung, aber Unterhaching und Schwabl erahnten, dass aus diesem kleinen Jungen mal etwas werden kann. Also nahmen sie das Talent aus Forstenried unter ihre Fittiche. Sechs Jahre dauerte die Beziehung zwischen der Spielvereinigung in der Münchner Vorstadt und Adeyemi. Schwabl hatte seinen Liebling gefunden. Adeyemi hatte die Zeit, zu reifen.

Als er 2018 Unterhaching verließ, schien ihm die Welt offenzustehen. Chelsea, Barcelona, Leipzig – große Klubs hatten ihn angeblich auf dem Zettel. Adeyemi entschied sich für Salzburg, nah der Heimat. Unterhaching hatte auch etwas davon, der Verein soll knapp drei Millionen Euro Ablöse kassiert haben.

In Salzburg sind sie es gewohnt, junge Spieler auszubilden und sie dann an größere Vereine ab- und weiterzugeben. Das ist das System Red Bull. Adeyemi scheint der Nächste in der Reihe zu sein, dem diese Laufbahn vorgeschrieben ist. Erst einmal zum Feinschliff beim Farmteam FC Liefering aufgebaut, dann unter Jesse Marsch der Salzburger Stammelf angenähert, jetzt unter dem neuen Cheftrainer Matthias Jaissle zum Leistungsträger geworden. Sechs Tore in den ersten sechs Spielen der Saison, Erster in der Torschützenliste, deutscher Nationalspieler, der erste aus der österreichischen Liga, der das geschafft hat.

Von Kuntz zunächst ignoriert

Es ist fast schwindelerregend, wie schnell es mit Adeyemi nach oben gegangen ist. Sechs Monate nach der demütigenden Auswechslung gegen Sturm Graz, sechs Monate auch, nachdem U21-Coach Stefan Kuntz ihn bei der Nominierung zur Gruppenphase der EM noch ignoriert hat. Bei der Endrunde der U21 im Juni, als das DFB-Team den Titel feierte, war er dann dabei, er stand aber nie in der Startformation, wurde bei allen Spielen erst spät eingewechselt. Im Viertelfinale nach 75 Minuten, im Halbfinale nach 68 Minuten, im Endspiel dann nach 67. Da waren die Fortschritte, die Adeyemi machte, noch kleiner. Seitdem macht der Sohn eines nigerianischen Vaters und einer rumänischen Mutter nur noch große Sprünge.

Die Selbstsicherheit, mit der er sich am Sonntagabend gemeinsam mit seinem U21-Kumpel Florian Wirtz durch die armenische Abwehr kombinierte, wie er per Hacke den Ball an Wirtz weitergab, um ihn dann nach dessen Pass fast kalt lächelnd im Tor der Gäste zu versenken – das zeugt nicht nur von dem gewaltigen Selbstbewusstsein des 19-Jährigen. Es kann auch ein Hinweis darauf sein, dass Hansi Flick jetzt einen zur Verfügung hat, der das alte Manko dieser Mannschaft, die miserable Chancenverwertung, lindern hilft. Kühl bis ans Herz vor dem Tor stehen und die Vorlage verwandeln, so einen braucht dieses Team.

»EM-Titel, Weltmeistertitel, Sieg in der Champions League. Man soll ja nach dem Höchsten streben«, hat der 19-Jährige dem österreichischen »Standard« Anfang August als Ziel ausgegeben. Gemach, erst einmal in der Nationalmannschaft ankommen. Der Start dort ist zumindest schon mal geglückt. Als alle Teamkollegen nach dem Spiel schon in der Kabine weilten, feierte Adeyemi sein Debüt noch auf der Tribüne mit Freunden, mit Bekannten, natürlich auch mit Manfred Schwabl.

Befragt nach seinen Vorbildern hat Adeyemi im »Standard« Frankreichs Kylian Mbappé benannt, klar, aber auch Serge Gnabry. Am Sonntag wurde er in der 71. Minute zum Nationalspieler. Eingewechselt für Serge Gnabry.

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