Karlsruhe gegen Stuttgart Derby mit Nachspiel

Turbulentes Baden-Württemberg-Duell: Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt nach dem Spiel zwischen dem VfB und dem KSC gegen die Polizei. Das Karlsruher Präsidium bangt derweil um seine Wiederwahl.


Hamburg - Das baden-württembergische Derby zwischen dem VfB Stuttgart und dem Karlsruher SC (3:1) ist offenbar doch nicht so geräuschlos über die Bühne gegangen, wie zunächst berichtet worden war. Nach Informationen des "kicker" hinterließen etwa 5000 KSC-Fans auf dem Weg zum Stadion "eine Spur der Verwüstung" in einer Zufahrtstraße. Diese habe gesperrt werden müssen, weil aufgrund der Vielzahl zerbrochener Glasflaschen auch die Reinigungskräfte nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen konnten.

KSC-Fans: Nach dem Derby hautnahen Kontakt mit einer Reiterstaffel
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KSC-Fans: Nach dem Derby hautnahen Kontakt mit einer Reiterstaffel

Umgekehrt ermittelt in Folge eines Polizeieinsatzes, den viele KSC-Fans als überzogen empfanden, mittlerweile die Stuttgarter Staatsanwaltschaft. "Wir waren heute mit der Staatsanwaltschaft im Gespräch", sagte der Sprecher des Stuttgarter Polizeipräsidiums, Stefan Keilbach, "sie wird prüfen, ob bei dem Polizeieinsatz ein Verhalten vorlag, dass strafrechtliche Relevanz haben könnte." Keilbach hatte zuvor erklärt, "dass es eine Fehleinschätzung von zwei Polizeireitern gab, die auch von der Hiebwaffe Gebrauch gemacht haben". Es stimme aber nicht, dass die Beamten "wie die Berserker" in die Menge geritten seien, fügte er nun an. "Sie sind ganz langsam vorgegangen, um die Leute von einem Zaun wegzubringen", erklärte der Sprecher. "Nachdem die Staffel mit Bechern beworfen worden war, entfernten sich zwei Reiter etwa drei bis vier Meter seitlich vom Zaun weg. Das war eine Fehleinschätzung." Bei der Polizei sei bisher erst eine Verletztenmeldung eingegangen

Nach einem Bericht der "Badischen Neuesten Nachrichten" wollen nach dem baden-württembergischen Derby vom Sonntag mehrere Karlsruher Anhänger Strafanzeige wegen Körperverletzung stellen. Die Zeitung habe "zahlreiche Zuschriften gleichermaßen erboster wie geschockter Besucher der Partie beim VfB" erhalten. Offenbar sind auch Mitarbeiter der Geschäftsstelle bei dem Einsatz einer Reiterstaffel in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Verein sieht nun Aufklärungsbedarf. "Irgendeiner muss ja diesen Einsatzbefehl gegeben haben", sagte KSC-Manager Rolf Dohmen.

Matthias Dreisigacker, Redaktionsleiter des Fußball-Magazins "Auf, ihr Helden!" war unter den KSC-Fans, die nach dem Schlusspfiff an der Abreise gehindert wurden. Er hat gesehen, dass "einige jüngere KSC-Fans an einem Zaun gerüttelt" haben, "um ihr Mütchen zu kühlen". Der Polizeiensatz sei dennoch "total überzogen" gewesen, schließlich seien die berittenen Polizisten ziemlich forsch in eine Menschenmenge geprescht, die hauptsächlich aus "Familien und älteren Menschen" bestanden habe.

Auch ansonsten geht es auf der Geschäftsstelle der Nordbadener turbulent zu. Schließlich ist die Wiederwahl des derzeitigen Präsidiums noch unsicher. Eine Satzungsänderung aus dem Jahr 2000, wonach Mitglieder des Präsidiums nur zweimal wiedergewählt werden dürfen, sorgt derzeit nicht nur bei KSC-Manager Rolf Dohmen für Unruhe. "Es wäre für den KSC tödlich, wenn ein so erfolgreiches Präsidium komplett ausgewechselt würde. Es ist undenkbar, dass jemand, der tolle Arbeit abgeliefert hat, wegen einer unsinnigen Satzung ausscheiden muss. Das muss verändert werden", appellierte Dohmen an die Vereins-Mitglieder. Das Präsidium habe die Schuldenlast von einstmals über acht Millionen Euro auf 1,5 Millionen Euro verringert.

Allerdings liegen bereits mehrere Anträge vor, die dem Präsidium um Hubert R. Raase und seine Stellvertreter Michael Steidl und Rainer Schütterle eine neuerliche Amstzeit ermöglichen wollen. Damit diese beschlossen werden, müssen zwei Drittel der Mitglieder zustimmen. Dass die zu Stande kommt, ist alles andere als unwahrscheinlich - wenngleich sich im Hintergrund eine vereinsinterne Opposition zu profilieren versucht und angeblich schon einen Gegenkandidaten in Stellung gebracht hat.



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