Karlsruher SC Papa Kahn kämpft um die Macht

Es brodelt beim Zweitligisten Karlsruher SC. Am Mittwoch wählen die Mitglieder des Clubs einen neuen Präsidenten, drei Kandidaten wollen an die Vereinsspitze. Einer von ihnen ist Rolf Kahn, Vater von Ex-Nationaltorhüter Oliver - und das betont er auch gerne.

Kandidat Kahn: "Zuerst war Rolf Kahn da, dann Oliver Kahn"
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Kandidat Kahn: "Zuerst war Rolf Kahn da, dann Oliver Kahn"

Von , Karlsruhe


Der Bundestagswahlkampf ist vorbei, der um die Präsidentschaft beim KSC steuert auf seinen Höhepunkt zu. Er wird gleichfalls von Politikern geprägt - und von einem Mann namens Rolf Kahn. Dessen Name erinnert gerade deshalb an den ehemaligen Nationaltorwart, weil Rolf der Vater von Oliver ist. Bevor dieser seine Bundesligakarriere startete, trainierte Rolf Kahn vier Jahre lang Jugend- und Amateurmannschaften des Clubs.

Bei der Kandidatenvorstellung im rappelvollen Clubheim ergänzte Kahn, dass "aus dieser Zeit die bekannten Spieler Helle Hermann und Oliver Kahn hervorgegangen" seien. Er erntete dafür ein paar höhnische Lacher. Seinen Vorsatz, "die Geschichte", gemeint war die Karriere des Sohnes, "nicht so sehr in den Vordergrund zu rücken" hielt er auch in der Folgezeit nur bedingt durch. Auf die Frage, woher seine sportliche Kompetenz - die hatte er als entscheidenden Vorteil gegenüber seinen Mitbewerbern bezeichnet - rühre, antwortete er: "Ich habe 15 Jahre lang die Karriere eines jungen Mannes begleitet, zuerst war Rolf Kahn da, dann Oliver Kahn."

Letzterer wird bei der Mitgliederversammlung am kommenden Mittwoch ebenfalls in der Karlsruher Europahalle sein, als eines von zahlreichen Neumitgliedern. Und auch wenn Kahn senior schon oft betont hat, sein Sohn werde ihm nicht als Berater zur Verfügung stehen - allein dessen Anwesenheit dürfte die Stimmung nach Ansicht vieler Mitglieder beeinflussen. Nach jahrelangem Streit zwischen Verwaltungsrat und Präsidium ist der Club gespalten. Das Kontrollgremium fühlte sich unzureichend informiert, die Vereinsführung ärgerte sich immer öfter über Indiskretionen, die auf mal mehr, mal weniger gewundenen Pfaden den Weg in die Öffentlichkeit fanden. Mittlerweile - immerhin darin ist man sich einig - ist das Tischtuch zerschnitten. Zu Monatsbeginn kündigte Präsident Hubert R. Raase zermürbt vom Dauerclinch mit dem Gremium an, er werde nicht zur Wiederwahl kandidieren.

"Neue Wege" sollen beschritten werden

An der KSC-Basis brodelt es nicht erst seit dem Bundesliga-Abstieg. Mit der Ankündigung einer radikalen Abkehr vom Kurs des gegenwärtigen Präsidiums lässt sich da gut punkten. So betonten neben Kahn auch die beiden anderen Kandidaten Paul Metzger und der ehemalige Karlsruher Bürgermeister Siegfried König, dass sie "neue Wege" beschreiten wollen. Wohin die führen sollen, blieb allerdings vage.

Im Grunde hat das amtierende Präsidium keine schlechte Bilanz vorzuweisen. Sportlich ging es von der Dritten Liga, in der man als Folge von Größenwahn und Missmanagement 2000/2001 gestrandet war, wieder deutlich nach oben - bis in die Bundesliga. Trotz des Abstiegs im vergangenen Mai und des damit verbundenen Verlustes fast aller Leistungsträger scheint sich das Team im oberen Tabellendrittel festsetzen zu können. Der Schuldenberg, der sich am Ende der Ära des Präsidenten Roland Schmider und des Geschäftsführers Klaus Fuchs angehäuft hatte, wurde sukzessive abgetragen. Statt der Verbindlichkeiten in Höhe von ursprünglich sieben Millionen Euro steht der Club heute schuldenfrei da.

Fraglos wurden in den sieben Jahren unter Hubert R. Raase auch Fehler gemacht. Manager Rolf Dohmen relativierte die Bilanz seiner jahrelang unangreifbaren Einkaufspolitik durch die Wintertransfers der vergangenen Saison, die er rückblickend selbst als "wenig geglückt" bezeichnet. Auch in den zähen Verhandlungen um einen Stadionneubau agierte man zuweilen ungeschickt. Doch der größte Fehler, so Dohmen, sei gewesen, dass man öffentlich zu viele Vorwürfe der Vereinsopposition habe stehen lassen: "Hubert Raase fand immer, dass man gute Arbeit nicht auch noch verkaufen muss, weil sie für sich spricht. Das war ein Fehler." Dohmen, der auch unter dem neuen Präsidenten weitermachen will, mahnt zu Realismus: Der KSC werde, "immer ein Verein sein, der darum kämpfen wird, in der ersten Liga zu bleiben".

Viele sprachen dem Team Willen und Einsatzbereitschaft ab

Solche Töne haben derzeit kaum Konjunktur, die Außenwahrnehmung unterscheidet sich stark von der vieler Fans. Als der Abstieg im Frühjahr 2009 nahte, reagierten viele so empört, als stehe nicht der KSC an der Tür zur Zweiten Liga, sondern Bayern München. Viele sprachen dem Team, das sich am Schluss durch ein 4:0 gegen Hertha BSC Berlin fast noch gerettet hätte, den Willen und die Einsatzbereitschaft ab, obwohl es in einzelnen Mannschaftsteilen (vor allem im Sturm) schlicht an Qualität fehlte.

Für die Ankündigung, der Club müsse "wieder dahin, wo er hingehört", bekamen am Freitag dennoch alle Kandidaten Applaus. Am meisten heimste Paul Metzger ein, Bürgermeister der Karlsruher Nachbargemeinde Bretten, der die Mitgliederzahl verdreifachen will. In Bretten wurde jüngst eine Anzeige einer Initiative "Metzger ins Präsidium" geschaltet, in der die Bürger aufgerufen wurden, noch schnell in den Verein einzutreten, um Metzger auch wählen zu können. Illegal ist das nicht: Der KSC leistet sich seit Jahren eine Satzungslücke, die ermöglicht, dass auch Mitglieder, die wenige Stunden zuvor eingetreten sind, die gleichen Rechte haben wie solche mit der goldenen Ehrennadel.

Nachdem die Wochenzeitung "Kurier" über den Vorgang berichtet hatte und Metzgers Unterstützung durch führende Mitglieder der Fanorganisation "Supporters" thematisierte, wurde der Autor des Textes beim nächsten Heimspiel gegen den FSV Frankfurt aus der Fankurve heraus mit einem Transparent namentlich an den Pranger gestellt. "Der größte Lump im ganzen Land" hieß es dort ziemlich denunziatorisch, "ist und bleibt der Denunziant."



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Matyaz 04.08.2009
1. Was für eine gewagte Prognose!
Tolle Prognose: man nehme alle Aufsteiger sowie die 2 schlechtplatziertesten Bundeligisten der letzten Saison, die noch die Klasse halten konnten -und komplett sind die Abstiegskandidaten. Dass Nürnberg und Freiburg eingespielte und spielstarke Mannschaften sind bleibt da ebenso unberücksichtigt wie der stattliche Gladbacher Etat, der immer noch den ein oder anderen Noteinkauf zulässt, sollte es brenzlig werden. Meiner Meinung nach werden neben Mainz und Bochum eher Vereine wie Hannover,Frankfurt, Köln oder gar Berlin erhebliche Probleme mit dem Klassenerhalt haben.
frubi 04.08.2009
2.
Zitat von MatyazTolle Prognose: man nehme alle Aufsteiger sowie die 2 schlechtplatziertesten Bundeligisten der letzten Saison, die noch die Klasse halten konnten -und komplett sind die Abstiegskandidaten. Dass Nürnberg und Freiburg eingespielte und spielstarke Mannschaften sind bleibt da ebenso unberücksichtigt wie der stattliche Gladbacher Etat, der immer noch den ein oder anderen Noteinkauf zulässt, sollte es brenzlig werden. Meiner Meinung nach werden neben Mainz und Bochum eher Vereine wie Hannover,Frankfurt, Köln oder gar Berlin erhebliche Probleme mit dem Klassenerhalt haben.
Frankfurt und Hannover sind bei mir auch die ersten Kandidaten für eine Trainerentlassung. Ich hoffe zwar, dass so viele Trainer wie möglich im Amt bleiben aber man kennt ja das beliebte Trainerhopping. Skibbe und Hecking sind definitv die schwächsten Trainer. Viele schwerer ist die Frage: Wer wird der neue "Spieler der Saison"?? Wenn Carlos Eduardo seinen Nerven ein bisschen besser im Griff hat könnte er den Platz von Diego einnehmen. Özil könnte ebenfalls einschlagen. Aber ansonsten fällt mir aussser Ribery keiner mehr ein, der dieses Jahr richtig einschlagen könnte. Spannend wird der Kampf um die Plätze zur WM 2010. Für mich stehen bisher nur 5-7 Spieler fest. Der Rest kann sich noch Grundlegend ändern. Wie entwickeln sich unsere U21 Europameister? Werden Marin und Özil das neue Mittelfeld-Traumpaar?
yoshitsune 04.08.2009
3. SGE wird nicht absteigen
Ich glaube kaum, dass die Eintracht absteigen wird. Der Derby-Pokal-Erfolg wird fuer genuegend Aufwind bis zum Ende der Saison reichen. Wobei man aber ja auch aus leidvoller Erfahrung weiss, dass eine stark beginnende Eintracht meistens zum Ende der Saison zum Katastrophalen tendiert. Sagte der Eintracht-Fan. ;-)
Tail on the Donkey 04.08.2009
4.
Tja, da kann ich mir meinen Beitrag ja fast sparen: Hannover, Frankfurt und Köln sind auch bei mir ganz heiße Kandidaten auf einen Ausflug in die Zweitklassigkeit. Was Mainz angeht, nun, da scheinen Prognosen selbst von 12 Uhr bis Mittag zu weit gegriffen, zwischen gesichertem Mittelfeld und "am 11.11. bereits rechnerisch abgestiegen" erscheint alles möglich. Bochum seh ich auch stark gefährdet, Nürnberg und Freiburg haben dagegen das Potenzial, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Da die Saison ja nun unmittelbar vor der Tür steht und die wesentlichen Transferentscheidungen durch sein dürften, könnte sich das Ganze am Ende so darstellen: 1. München (akzeptabler Start, in der Rückrunde nicht zu stoppen) 2. Hamburg (es kommen leichtere Aufgaben als Düsseldorf) 3. Stuttgart (die Osteuropa-Fraktion schlägt voll ein) 4. Bremen (Wundertüte, allerdings diesmal mit direkter int. Quali) 5. Dortmund (auf dem Weg nach oben) 6. Wolfsburg (Niveau der letzten Saison kann nicht ganz gehalten werden) 7. Schalke (Altintop schießt zu viele Freistöße) 8. Leverkusen (kann ehrlich gesagt auch 2ter werden) 9. Hoffenheim (kennt die eigentlich noch jemand? Und was ist Rangnick?) 10. Nürnberg (die spielen einen tollen Kombinationsfußball) 11. Berlin (mehr ist kaum drin) 12. Gladbach (die Verstärkungen sehen auf den ersten Blick tauglich aus) 13. Freiburg (gemeinsam mit Nürnberg auf jeden Fall Buli-tauglich) 14. Frankfurt (hier wirds dagegen ganz eng) 15. Köln (Poldi wird sogar einschlagen, am Rest allerdings haperts) 16. Mainz (irgendwas von 14-18, Tendenz Abstiegskampf pur) 17. Hannover (ich hab da ne verdammt miese Saison im Urin) 18. Bochum (die Unabsteigbaren sind mal wieder dran) Irrtümer um 1-2 Positionen nicht ausgeschlossen, allerdings sei der Kreis der Titelanwärter mit den ersten 2, der int. Plätze mit einschließlich Wolfsburg + Leverkusen und der Abstiegskandidaten ab Frankfurt umrissen. Und jetz wird's Zeit, dass' endlich wieder los geht! :-)
Toradac 04.08.2009
5. In erster Linie erwarte ich...
Zitat von sysopMission Titelverteidigung in Wolfsburg, das Magath-System auf Schalke und die verstärkten Bayern: Was erwarten Sie von der neuen Bundesliga-Saison? Wer holt den Titel? Wer steigt ab? Diskutieren Sie mit.
...eine spannende Saison, auch wenn mir klar ist, daß die letzte kaum zu wiederholen sein wird. Titelfavoriten sind für mich der FC Bayern (schon fast ein Naturgesetz), der Vfl Wolfsburg (der es geschafft hat, seine Meistermannschaft zusammenzuhalten und sogar noch zu verstärken), der Hamburger SV (der m.E. gut eingekauft hat) sowie eine Überraschungsmannschaft (könnte in diesem Jahr Leverkusen oder Werder Bremen sein). Um die internationalen Startplätze kämpfen außerdem noch der VfB Stuttgart, Schalke (wenn Magath einschlägt), Hoffenheim und vielleicht auch noch Borussia Dortmund. Die "Weder-Fisch-noch-Fleisch-Franktion", bei der nach oben nichts geht und die mit dem Abstieg nicht viel zu tun haben, besteht aus Köln, Hertha, Nürnberg und Frankfurt. Außer Nürnberg (die ich für sehr spielstark halte) haben naturgemäß die Aufsteiger die größten Probleme, den Abstieg zu verhindern, bei Mainz wird es durch den gestrigen Trainerwechsel noch verschlimmert, Freiburg schätze ich etwas stärker ein, aber auch die müssen sich strecken. Auf Hannover und den Vfl Bochum kommt eine ganz schwere Saison zu, beide müssen ebenfalls bis zum Ende zittern. Am wenigsten kann ich in dieser Saison Mönchengladbach einschätzen, entweder früh im gesicherten Mittelfeld oder aber auch kämpfen bis zum Schluß um den Klassenerhalt. Lassen wir uns überraschen - Freitag geht's endlich wieder los!
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