Karlsruher Stadionpläne Keine schnelle Lösung in Sicht

Sportlich ist Karlsruhe nur noch zweitklassig. Für Unruhe sorgt auch die ungeklärte Stadionfrage. Die Heimstätte Wildpark genügt nicht mehr heutigen Ansprüchen, bei der Planung der neuen Arena hakt es jedoch. "SPONSORS"-Autor Holger Rehm analysiert das Dilemma.


Nahe der Karlsruher Innenstadt, am Adenauerring, steht das Wildparkstadion. Doch wohl nicht mehr lange. Denn die Heimspielstätte des Karlsruher SC dürfte in wenigen Jahren ausgedient haben.

Traditionsreich, aber verlebt: Der KSC will raus aus dem Wildparkstadion
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Eine Entscheidung für einen Standort der neuen Arena ist jedoch noch nicht gefallen. Ein von der Stadt in Auftrag gegebener Entwurf des Frankfurter Planungsbüros Albert Speer & Partner (AS&P) sieht eine Arena am alten Standort vor. Finanziert werden würde das 107 bis 110 Millionen Euro teure Objekt aus dem Haushalt der Stadt Karlsruhe, durch Fremdkapital und einen elf Millionen Euro hohen Zuschuss des Landes Baden-Württemberg.

Doch die Wildpark-Variante ist nicht das einzige Modell, über das der Karlsruher Gemeinderat und abschließend das Präsidium zusammen mit dem Verwaltungsrat des KSC entscheiden muss. In unmittelbarer Nähe der Autobahn A5 liegt auf der Fläche des Kleingartenvereins "Mastweide" die zweite Stadionalternative versteckt.

Geht es nach dem Immobilienunternehmen Newport, so müssen die Hobbygärtner schon bald der neuen Arena des Bundesliga-Absteigers weichen. Mit der Fertigstellung der Arena wäre zur Saison 2013/2014 zu rechnen. Bis dahin will Newport einen neuen Investor für das Fußballstadion gefunden haben und dann aus dem Projekt wieder aussteigen.

Doch mit einem bloßen Fußballstadion ist es an der Mastweide nicht getan. Autobahnzufahrten, Brücken und Straßen müssen gebaut werden. Dafür fallen Infrastrukturkosten an, die, so die Berechnung Newports, bei maximal 50 Millionen Euro liegen und in dieser Höhe von der Stadt Karlsruhe getragen werden würden.

Wie sich diese Kosten jedoch genau aufschlüsseln, können die Hamburger bis dato noch nicht zuverlässig sagen. Möglicherweise ist auch das ein Grund, warum die von Newport vorgelegten Zahlen von der Stadt Karlsruhe angezweifelt wurden und das städtische Tiefbauamt erneut zur Prüfung der anfallenden Infrastrukturkosten beauftragt wurde. Das ernüchternde Ergebnis: Die Kosten für die Stadt sollen sich eher in Höhe von 150 Millionen Euro bewegen und wären somit im Vergleich zur Newport-Prognose 100 Millionen Euro höher.

In einer schriftlichen Mitteilung forderte Oberbürgermeister Heinz Fenrich nun Newport auf, "belastbare Zahlen" vorzulegen. Diese blieben bisher jedoch aus, was den Karlsruher Stadtchef ärgerte. Das Antwortschreiben sei "in höchstem Maße unbefriedigend gewesen", wetterte er in einer Pressemitteilung.

Für das Vorpreschen des Politikers hat wiederum Holger Siegmund-Schulze von Newport kein Verständnis und bezeichnet das Verhalten des OB gegenüber dem Karlsruher Online-Portal "ka-news" als "unseriös". Zudem seien die von der Stadt Karlsruhe gesetzten Fristen für Newport zu kurz gewesen. Doch auch der KSC, der am Ende einen der beiden Pachtverträge unterschreiben muss, wartet bereits ungeduldig auf belastbare Zahlen.

Fest steht, dass der Verein beim "neuen Wildpark" pro Saison eine variable, ungedeckelte Stadionpacht in Höhe von 35 Prozent seiner Ticketing-Einnahmen in der Bundesliga und 40 Prozent in der Zweiten Liga an die Betreibergesellschaft abtreten müsste. Laut einem Gutachten dürfte auf den KSC damit eine durchschnittliche Pacht von rund 4,4 Millionen Euro pro Spielzeit zukommen.

Unsicherheitsfaktor bleibt jedoch auch in Sachen Stadionpacht das Newport-Modell: Bislang steht eine Festpacht von über acht Millionen Euro für die neue Arena an der A5 im Raum. Exakt bestätigen möchte dies auf Nachfrage jedoch niemand. "Ich brauche schriftlich ausformulierte Pachtverträge auf dem Tisch", sagte KSC-Verwaltungsratsvorsitzender Peter Mayer auf SPONSORS-Nachfrage. Erst dann ließe sich eine Entscheidung treffen. Für die Stadt und den KSC.



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