Katars WM-Botschafter rechtfertigt homophobe Äußerungen »Unsere Kultur und Religion ändern sich nicht für die Weltmeisterschaft«

Nach Kritik an seinen homophoben Aussagen beklagt Katars WM-Botschafter ein angebliches Missverständnis – bekräftigt aber indirekt seine Haltung. Das Auswärtige Amt verurteilt die Äußerungen von Khalid Salman.
Al-Thumama-Stadion in Doha

Al-Thumama-Stadion in Doha

Foto: Kirill Kudryavtsev / AFP

Der katarische WM-Botschafter Khalid Salman sieht seine homophoben Aussagen in der Dokumentation »Geheimsache Katar« des ZDF »aus dem Zusammenhang gerissen«. Der 60-Jährige äußerte sich bei Twitter. »Es ist weder unsere Religion noch unsere Natur, zu beleidigen oder zu verletzen«, erklärte er und führte aus: »Jeder« sei in Katar willkommen, »aber unsere Kultur und Religion ändern sich nicht für die Weltmeisterschaft.«

Die Aussagen des früheren Nationalspielers kurz vor der Fußball-Endrunde im ZDF, Schwulsein sei ein »geistiger Schaden«, hatten in Deutschland für massive Kritik gesorgt.

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Das Auswärtige Amt verurteilte durch Sprecherin Andrea Sasse die abwertenden Äußerungen. »Es handelt sich aus unserer Sicht um einen unglaublich homophoben Ausfall«, sagte Sasse in der Bundespressekonferenz. »Das widerspricht auch dem, was unsere Ansprechpartner in der katarischen Regierung uns zugesagt haben.« Die Regierung Katars habe zugesichert, dass alle Fans bei der am 20. November beginnenden WM willkommen seien. »Darauf verlassen wir uns«, äußerte die Sprecherin.

Das WM-Organisationskomitee und der Weltverband Fifa haben die Aussagen bislang nicht kommentiert. Salman ist einer von zehn »lokalen« WM-Botschaftern.

»Katar ist kein Rechtsstaat. Da kann man nichts einklagen«

Homosexualität steht in Katar unter Strafe. Premierminister Scheich Chalid bin Chalifa Al-Thani hatte gegenüber der deutschen Innenministerin Nancy Faeser zuletzt allerdings eine »Sicherheitsgarantie« für Personen der LGBT-Community ausgesprochen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnte homosexuelle Personen dennoch vor einer WM-Reise. Es bestehe »ein großes Risiko«, dass das Zeigen von gleichgeschlechtlicher Liebe »geahndet wird«, sagte Wenzel Michalski, Direktor von Human Rights Watch Deutschland: »Egal, welche Zusicherungen es gibt. Katar ist kein Rechtsstaat. Da kann man nichts einklagen.«

Katar gilt als einer der umstrittensten Gastgeber in der WM-Geschichte. Dem Emirat werden unter anderen Verstöße gegen Menschenrechte, schlechter Umgang mit den Bauarbeitern der Stadien und mangelnde Frauenrechte vorgeworfen. Erst vor wenigen Tagen hatte Human Rights Watch der Polizei in Katar die Festnahme und Misshandlung von queeren Menschen vorgeworfen.

ara/dpa
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