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Kevin De Bruyne: Von der Leihgabe zum Pokalhelden

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Hendrik Buchheister

Kommentar zum De-Bruyne-Wechsel Wär' er doch bloß geblieben!

Kevin De Bruyne wechselt vom VfL Wolfsburg zu Manchester City. Der Belgier wird zum teuersten Bundesligaspieler der Geschichte - und könnte doch einen großen Fehler begangen haben.

Die nervigste Transfer-Geschichte des Sommers hat das erwartete Ende genommen, Kevin De Bruyne wechselt für 75 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Manchester City. Die Premier League, das Geld, der so viel attraktiver wirkende Standort - De Bruyne hat wohlklingende Argumente für seinen Umzug nach England. Trotzdem hätte er in Wolfsburg bleiben sollen, zumindest noch für eine Saison.

Das wäre gut für die Bundesliga gewesen. Vor allem dank De Bruyne erwuchsen die Wolfsburger in der abgelaufenen Spielzeit zum ärgsten Konkurrenten des FC Bayern. Ohne den 24 Jahre alten Belgier wird der VfL nicht im Stande sein, den Rekordmeister aus München zu nerven. De Bruynes Weggang raubt der Fußball-Republik die Hoffnung auf ein halbwegs spannendes Rennen um die Meisterschaft. Sein Abschied zeigt auch, dass es außer dem FC Bayern keinen Klub gibt, der seine besten Spieler trotz verlockender Angebote aus dem Ausland halten kann. Nicht einmal die reichen Wolfsburger. De Bruynes Wechsel betoniert die Alleinherrschaft der Münchner.

Ein Verbleib in Wolfsburg wäre auch das Beste für den Spieler selbst gewesen. Beim VfL hatte De Bruyne beste Bedingungen, um seine Brillanz aus der Vorsaison in Konstanz zu verwandeln. Das Spiel der Mannschaft war auf ihn zugeschnitten, bei Trainer Dieter Hecking genoss er künstlerische Freiheit, das Publikum lag ihm zu Füßen. Wichtige Kriterien für einen Spieler wie De Bruyne, der schüchtern ist und die Zuneigung seines Umfelds braucht. Und verarmt wäre De Bruyne auch in Wolfsburg nicht - die Verantwortlichen waren bereit, sein Gehalt deutlich zu heben.

In Wolfsburg hätte er auch seinen Ruf korrigieren können, seine Klasse nie von einer in die darauffolgende Saison zu retten. Die Bayern zu jagen und sich als Herzstück der VfL-Mannschaft in der Champions League zu beweisen, wären gute Aussichten gewesen für De Bruyne. Er hätte in der neuen Saison in Wolfsburg den entscheidenden Schritt zur Reife machen und im Sommer auf der Höhe seine Schaffenskraft mit Belgien zur Europameisterschaft nach Frankreich fahren können. Danach wäre ein Wechsel immer noch möglich gewesen - und zwar zu einer Mannschaft, die in der Champions League um den Titel mitspielt.

Manchester City war davon weit entfernt in den vergangenen Jahren. Bei seinem neuen Arbeitgeber findet De Bruyne unsichere Verhältnisse vor: Die Garantie auf einen Stammplatz hat er nicht, die Konkurrenz im Mittelfeld ist groß mit Spielern wie David Silva, Raheem Sterling und Jesús Navas. Nach drei Siegen in den ersten drei Saisonspielen, darunter einem 3:0 gegen den FC Chelsea, hat City-Trainer Manuel Pellegrini keinen Zwang, seine Mannschaft um- und De Bruyne einzubauen.

Und dann ist da immer noch der Chelsea-Makel. Bei seinem ersten Aufenthalt in England setzte sich De Bruyne in einem ähnlich luxuriös ausgestatteten Ensemble nicht durch. Natürlich ist der Belgier heute erfahrener und besser. Aber auch Druck und Erwartungen sind nun deutlich höher: Nur für eine Handvoll Spieler wurde weltweit je mehr Geld bezahlt.

Im Video: Die Chronologie des Wechsels

kicker.tv
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