De-Bruyne-Wechsel So ist das Geschäft

Der Wechsel von Kevin De Bruyne zeigt, wie im Profifußball gepokert und gefeilscht wird. Ein Ehrenwort hier, ein Treuebekenntnis da - im Zweifelsfall ist all das wenig später wertlos. Befremdlich? Durchaus. Aber skandalös? Nein.

Fußballprofi De Bruyne: Transferpoker ist beendet
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Fußballprofi De Bruyne: Transferpoker ist beendet

Von , Wolfsburg


Der Werbespruch des VfL Wolfsburg lautet: Fußball ist alles. Er ist zu lesen auf Plakaten an der Glasfassade des Stadions am Mittellandkanal und an der Vorderseite der Bühne im Pressesaal, auf der Trainer Dieter Hecking und Sportchef Klaus Allofs am Donnerstagmittag Platz nahmen. Der Raum war besser gefüllt als sonst, alleine 13 Kamerateams waren angereist. Man konnte angesichts des Medien-Auflaufs den Eindruck bekommen, Fußball sei tatsächlich mehr als nur eine schöne Nebensache. Man konnte glauben, Fußball sei tatsächlich alles. Der Rahmen hätte fast schon zu einer Regierungserklärung der Bundeskanzlerin gepasst.

Der Andrang hatte nichts mit dem bevorstehenden Spiel gegen Schalke 04 zu tun, das der eigentliche Anlass der Pressekonferenz war, sondern mit dem Dauerthema dieses Transfer-Sommers. Verschiedene Medien hatten gemeldet, dass der Wechsel von Kevin De Bruyne zu Manchester City beschlossene Sache sei, endlich, nach Wochen des Spekulierens und Dementierens. Vor laufenden Kameras sollten die Wolfsburger Verantwortlichen nur noch Vollzug melden. Doch daraus wurde nichts: Es gebe keine Einigung, sagte Allofs. Und Hecking gestand, dass er müde sei, immer wieder die gleiche Frage zu beantworten: ob es Neuigkeiten gebe in Sachen De Bruyne.

Dementi leitete finale Verhandlungs-Phase ein

Der Auftritt des Wolfsburger Führungsduos war alles andere als das Ende im Transfertheater um De Bruyne, den besten Vorbereiter der Bundesliga, alles andere als eine Absage an Manchester City. Im Gegenteil: Er war der Beginn der finalen Verhandlungsphase, die an diesem Sonntag mit dem Ergebnis abgeschlossen wurde, dass De Bruyne ab sofort beim englischen Vizemeister spielt. Die Wolfsburger kassieren angeblich eine Ablösesumme von 75 Millionen Euro. So viel wurde noch nie in der Bundesliga bezahlt.

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Kevin De Bruyne: Von der Leihgabe zum Pokalhelden

Der Rekordpreis ist auch deshalb so hoch ausgefallen, weil die Wolfsburger hart verhandelt hatten und Sportchef Allofs das Maximum für seinen Verein herausschlagen wollte. "Die Interessen des VfL Wolfsburg müssen natürlich ausreichend berücksichtigt werden", sagte Allofs und sandte eine klare Botschaft nach Manchester: Legt noch ein bisschen was drauf, sonst platzt der Deal. Allofs wusste, dass Geld keine Rolle spielt für Manchester City und Klubbesitzer Scheich Mansour.

De Bruynes Transfer zeigt wieder einmal, wie im Fußball gepokert und gefeilscht wird. Wie Details an die Öffentlichkeit gelangen oder starke Aussagen getätigt werden, um einen Transfer voran- oder den Preis hochzutreiben. Er zeigt, wie schnell aus keiner Einigung doch eine Einigung werden kann und dass die Worte von Verantwortlichen in den wilden Tagen vor Ende der Transferfrist schneller dahinschmelzen können als Eiswürfel in der prallen Sonne. Befremdlich vielleicht, aber kein Skandal. Das alles gehört zum Profifußball.

Manchmal hilft nur eine Notlüge

Und das alles ist den Wolfsburgern nicht neu. Als Anfang des Jahres über die Verpflichtung André Schürrles vom FC Chelsea und den Weggang von Ivica Olic debattiert worden war, gab Allofs der "Bild"-Zeitung sein Ehrenwort, dass an den Spekulationen nichts dran sei. "Wobei: Ein Ehrenwort im Fußball, das ist ja so eine Sache...", schob Allofs nach. Er wusste ja, wie wenig belastbar seine Aussage war. Wenige Tage später wurde Schürrle in Wolfsburg vorgestellt und Olic beim Hamburger SV. Um einen nahenden Transfer nicht zu gefährden, müssen sich Fußballmanager manchmal mit einer Notlüge behelfen.

Bei De Bruyne haben die Wolfsburger in den Tagen und Stunden vor Abschluss des Transfers vergleichsweise transparent gearbeitet. Dass Allofs von den gescheiterten Bemühungen berichtete, De Bruyne von einem Verbleib in Wolfsburg zu überzeugen, und dass der VfL deshalb in Verhandlungen mit Manchester City getreten sei, zeigte schon: Allofs war überzeugt, dass der Transfer zustande kommt. Sonst hätte er De Bruynes Wechselwunsch nicht in dieser Deutlichkeit offengelegt. Die plakative Feststellung, dass es noch keine Einigung mit dem englischen Vizemeister gebe, diente nur dazu, die Verhandlungen im Sinne der Wolfsburger zu Ende zu bringen. Allofs hat professionell gehandelt, mehr nicht.

Dass De Bruynes Zukunft nicht in Wolfsburg liegt, war spätestens Mitte August klar. Bei einer Preisverleihung in Hamburg ließ sich der schüchterne Belgier in eine Falle locken und sprach dem Moderator nach, dass er, Kevin De Bruyne, auf jeden Fall auch in der neuen Saison in Wolfsburg spielen werde. Sportchef Allofs war gewaltig aufgebracht und ließ umgehend verbreiten, dass es keinen Anlass für Treueschwüre gebe. So energisch wurde im Profi-Fußball selten ein Bekenntnis dementiert. Allofs ahnte ja, wie es weitergehen würde.



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Seite 1
theodorzaloschnik 30.08.2015
1.
Die Ablösesummen machen einen ja schon immens schwindelig, aber wenn ich bedenke, daß solch ein junger Bengel mit Fußball kicken Millionen im Monat verdient, wird mir einfach nur schlecht. Kein Wunder, daß bei einigen jungen Fußballern (Holtby, Reus, etc.) Größenwahn oder mangelndes Unrechtsbewusstsein auftreten.
Horst Derrick 30.08.2015
2. So weit
ist der Fußball gekommen.da reicht ein Ansatz von Talent,de bruyne hat über einen längeren Zeitraum überhaupt nicht unter beweis gestellt das er Weltklasse ist und schon ist ein spieler so viel wert,daß man es dem realistischen fan,der sich womöglich nicht einmal mehr eine karte leisten kann nicht vermitteln kann warum jemand soviel Geld wert sein soll.verträge sind heute praktisch gegenstandslos,sie können jederzeit gebrochen werden durch Geld.auch Treueschwüre durch den spieler oder verein sind heute nichts mehr wert.mein Rezept lautet:ablösesumme auf 5 mio begrenzen,7 spieler pro Mannschaft kommen aus dem eigenen land(die vereine wären gezwungen ernsthaft nachwuchsarbeit zu betreiben),verträge sind einzuhalten! dann wäre schon viel erreicht!!
remax 30.08.2015
3. Die Wolfsburger sind die einzigen...
die an diesem Größenwahn verdienen, nämlich 75 Milionen und vor zwei Jahren nur 25 bezahlt haben. wenns so weiter geht dann verdienen die deutschen Clubs von Ablösesummen von Spielern die wie der Belgier keine so große Rolle spielen mindestens 50 Millionen Euro. Hurraa es leben die Engländer
dr_nutschie 30.08.2015
4. Glückwunsch VFL ..
gutes Geschäft gemacht. Mal sehen ob sich der kleine Kevin beim zweiten Anlauf durchsetzen kann. Ich hab da meine Zweifel. Vielmehr kommt der Wechsel mind. 1 Jahr zu früh. Wieder neues Team, neue Taktik, neues Umfeld, etc. Cool wärs gewesen, wenn er zurück zu Chelsea wäre..hihi
derschnaufer 30.08.2015
5. Völlig überbewertet
ist ein Spieler wie KdB. Die Engländer locken aktuell mit mit ein wenig Geld und werden auch nicht mit einem KdW in ihren Reihen gegen deutsche Vereine gewinnen wenn es nachher um etwas geht. Und wer kauft ihn später um wieviel Euros?
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