Kevin Keegan Die "Mighty Mouse" wirft hin

Englands Fußball-Teammanager Kevin Keegan hat nach der 0:1-Niederlage in der WM-Qualifikation gegen Deutschland Konsequenzen gezogen und seinen Rücktritt erklärt.


Kevin Keegan: "Nicht das nötige Extra"
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Kevin Keegan: "Nicht das nötige Extra"

London - Die Ära Kevin Keegan als Teammanager der englischen Fußball-Nationalmannschaft ist abrupt zu Ende gegangen. Der 49-Jährige erklärte nach der 0:1-Heimpleite des Fußball-Mutterlandes im WM-Qualifikationsduell und letzten Spiel im legendären Londoner Wembley-Stadion gegen Deutschland überraschend seinen Rücktritt.

"Ich habe meinen Spielern erklärt, dass es meine letzte Partie war", sagte "Mighty Mouse": "Ich bin nicht für mich enttäuscht, sondern für die Spieler. Ich habe mit dem Vorsitzenden der FA gesprochen. Nach der Euro 2000 sind schon bessere Trainer als ich zurückgetreten. Ich kann der Mannschaft nicht das nötige Extra geben, was sie braucht. Ich bin ein Mann, der weiß, wann es Zeit ist, abzutreten. Der Zeitpunkt ist jetzt gekommen. Es war zu 1.000 Prozent meine Entscheidung." Nach dem Abpfiff gratulierte er gewohnt sportlich fair Teamchef Rudi Völler zum Sieg. Zu diesem Zeitpunkt stand sein Rücktrittsentschluss offenbar schon fest.

Das Fußball-Mutterland steht damit vier Tage vor dem nächsten WM-Ausscheidungsmatch am kommenden Mittwoch in Helsinki gegen Finnland ohne Trainer da. Der Verband FA war völlig überrascht von der Demission des ehemaligen Bundesligaprofis des Hamburger SV. Der 63-malige Nationalspieler hatte im Februar 1999 den Posten als englische Nationalcoach als Nachfolger von Glenn Hoddle angetreten. Zunächst agierte er in Doppelfunktion als Trainer beim Londoner Klub FC Fulham und bei der englischen Auswahl. Erst später entschied er sich für den Platz auf der Bank des WM-Champions von 1966.

Bei der Euro 2000 in den Niederlanden und Belgien hatte Keegan mit seiner Elf zwar in der Vorrunde einen 1:0-Erfolg gegen den Erzrivalen Deutschland in Charleroi feiern können, musste allerdings durch das 2:3 gegen Rumänien trotzdem nach der Vorrunde die Heimreise antreten - wie die Deutschen auch.

Keegan blieb trotz der Anfeindungen in der englischen Presse im Amt. Das 1:1 zuletzt im Duell gegen Welt- und Europameister Frankreich in St. Denis schien ihm wieder Auftrieb zu geben, doch die Schlappe gegen den Erzrivalen Deutschland im ersten englischen WM-Qualifikationsspiel bedeutete eine deutliche Schwächung der Keegan-Position. Darüber war er sich natürlich bewusst.

An der Gerüchtebörse wird nun Bobby Robson als Interimscoach gehandelt. Der Ex-Teammanager der englischen Auswahl ist Coach von Premier-League-Klub Newcastle United. Er könnte eine Übergangslösung sein. Wunschkandidat soll angeblich der Elsässer Arsene Wenger, der Coach von Vizemeister FC Arsenal London, sein. Wer am Mittwoch in Helsinki auf der englischen Bank sitzen wird, ist noch nicht bekannt.

Keegan gehört zu den bedeutendsten Spielern, die das Fußball-Mutterland jemals hervorgebracht hat. Mit dem FC Liverpool wurde er dreimal englischer Meister, einmal FA-Cup-Sieger, zweimal Uefa-Cup-Gewinner. Außerdem errang er mit der Mannschaft von der Anfield Road 1977 den Europapokal der Landesmeister im Finale gegen Borussia Mönchengladbach (3:1). Danach wechselte er nach Hamburg.

In seiner Zeit als HSV-Profi wurde er zweimal zu Europas Fußballer des Jahres (1978 und 1979) gewählt und war am deutschen Titelgewinn der Hanseaten 1979 maßgeblich beteiligt. 1984 beendete er in Newcastle seine aktive Laufbahn.

Von Nigel Ferguson, sid



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